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StartseiteVerbrauchertippZahlungsdienste bekommen Zugriff auf das Konto26.02.2019

Pin, Tan und mehr Zahlungsdienste bekommen Zugriff auf das Konto

Zahlungsdienste wollen den Verbrauchern das Leben erleichtern. Die Banken müssen ihnen dazu Zugriff auf das Girokonto erlauben, das verlangt der Gesetzgeber. Doch damit kommen Dritte in den Besitz wertvoller Daten - und da ist Vorsicht geboten.

Von Brigitte Scholtes

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Ein Kontoauszug  (imago stock&people)
Zahlungsdienste könnten Einblick in die Kontodaten bekommen (imago stock&people)
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Allmählich wird es ernst, denn bis Mitte September sollen Finanzdienstleister, aber auch andere sogenannte Drittanbieter in die Lage versetzt werden, Einblick in das Girokonto zu erhalten, das die Kunden bei ihrer Hausbank führen. So könnten Onlineshops, angefangen vom kleinen Anbieter bis hin zu den Riesen wie Amazon oder Google, künftig Pin, Tan oder andere Zugangsdaten des Kunden bekommen. So sind sie in der Lage, nicht nur einzelne Beträge einziehen zu lassen, wie das bisher Paypal oder Klarna tun, sondern sie ziehen die Beträge direkt ein - und erhalten gleichzeitig einen Einblick in das Konto, Dazu müssen die Banken Schnittstellen bereitstellen. Die Neuerung kommt unter dem sperrigen Namen "PSD2" daher. Gemeint ist die Neuauflage der Richtlinie für Zahlungsdienste, die die EU im vorigen Jahr verabschiedet hat.

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, sieht eine Änderung darin nicht ohne Sorgen, auch wenn ein solcher Zugriff nur ermöglicht wird, wenn der Kunde zustimmt: "Wir wissen nicht, ob jeder Kunde weiß, dass die Kontoumsätze der letzten 30 Tage damit abgerufen werden können, also die Frage, der Datenschutz wird erfüllt, weil der Kunde zustimmt. Weiß der Kunde das? Da sind wir nicht sicher. Insofern ist es auch eine große Aktion, um Daten zu sammeln."

Großes Interesse an Daten

Diese Daten standen bisher nur den jeweiligen Banken zur Verfügung. Und aus diesen Daten kann man viel herauslesen, erklärt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg:

"Man weiß tatsächlich dann, wie viel verdient derjenige, wer ist vielleicht auch der Arbeitgeber? Der steht ja dann auch auf dem Kontoauszug. Welche monatlichen Belastungen fallen an? Also die gesamte Historie des Kontoumsatzes. Von daher würde ich da durchaus mal dazu anregen, da mal reinzuschauen, ob man das wirklich dem Dritten freigeben möchte."

Viele solcher Finanz- und andere Dienstleister stehen schon bereit, die an diesen Daten hohes Interesse haben: "Man kann, wenn man diese Daten richtig analysiert, den Kunden Produkte anbieten, die vielleicht tatsächlich interessant sind oder zu denen sie dann auch verführt werden. Also beispielsweise den günstigeren Stromanbieter, der dann vielleicht ein paar Wochen später pleite ist, wo man dann das Nachsehen hat. Oder das Geld, das auf dem Konto liegt, wenn da ganz viel Geld liegt, natürlich auch in lukrative andere Finanzprodukte zu investieren, Kredite zu verkaufen. Vieles ist da denkbar."

Schnittstellen zur Verfügung stellen

Und diese neue Konkurrenz fürchten die Banken. Nun läuft die Zeit: Bis Mitte März müssen sie die Schnittstellen zur Verfügung stellen, vom 14. September an sollen die dann auch "live geschaltet", also tatsächlich genutzt werden können. Das könnte auch die Banken unter Zugzwang setzen, ihre eigenen Marketingaktivitäten gegenüber ihren Kunden zu forcieren. Auch hier gilt es aufzupassen, mahnt Verbraucherschützer Nauhauser:

"Man muss sehen, dass die Banken, wenn sie Produkte verkaufen, nicht unbedingt immer das Verbraucherinteresse in den Mittelpunkt stellen. Ob das dann die sogenannten Dritten auch besser machen oder ob die auch einfach nur den Reibach machen wollen, so wie das die Banken bislang auch schon gemacht haben, das wird sich zeigen. Ich würde den Verbrauchern immer zur Vorsicht raten, wenn da Verträge verkauft werden, im Zweifel noch einmal kritisch prüfen, bevor man dann so einen Vertrag tatsächlich auch abschließt."

Und man sollte sich gründlich überlegen, ob man einem anderen Dienstleister den Zugriff auf sein Konto und seine Daten überhaupt erlaubt. Denn damit steigt auch die Gefahr, dass solche Daten gehackt werden und in die Hände von Betrügern gelangen können.

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