Montag, 18.11.2019
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteSport am WochenendeWie BeOutQ der Bundesliga schadet09.11.2019

PiratensenderWie BeOutQ der Bundesliga schadet

Mit Spannung wird die Rechtevergabe für die Fußball-Bundesliga 2020 erwartet. In der Auslandsvermarktung der Liga drohen Einschnitte. Der Piratensender BeOutQ aus Saudi-Arabien zeigt Wirkung. Der Zahlmeister der Region Mittlerer Osten und Nordafrika, beIn Sports, will zukünftig seine Angebote reduzieren.

Von Heinz Peter Kreuzer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
TV-Kameramann filmt am Spielfeldrand während der Live-Übertragung eines Spiels der Fußball-Bundesliga (Sven Simon / picture alliance)
TV-Kameramann bei einem Spiel der Fußball-Bundesliga (Sven Simon / picture alliance)
Mehr zum Thema

Klage gegen Piratensender UEFA und Premier League wehren sich gegen "BeOutQ"

Bundesliga-Rechte Zu zweit ist besser als allein

International kann die Fußball-Bundesliga die Rechte an ihren Spielen nur schwer vermarkten. Zwar hat ESPN+ ab dem kommenden Sommer die Rechte für 35 Millionen Euro pro Jahr erworben, fast viermal soviel wie FoxSport bisher. Große Verluste drohen aber im Mittleren Osten und Nordafrika, der sogenannten MENA-Region. Das liegt vor allem am Piratensender BeOutQ, der das das Pay-TV-Geschäft dort bedroht. Constantinos Papavassilopoulos, beim Informationsdienstleister IHS Markit für die MENA-Region verantwortlich, erklärt die Gefahren der Piraterie:

"Sie stellt die MENA-Region als ein schwarzes Loch beim Schutz von Urheberrechten dar, in dem die rechtmäßigen Eigentümer nicht den Rechtsweg beschreiten können, um ihre Programme zu schützen. Das kann negative Folgen für die Pay-TV-Geschäft haben."

Einnahmeverluste bei beIn Sports

beIN Sports hat außerdem in der Vergangenheit über dem Marktpreis für die Rechte gezahlt, insgesamt etwa 15 Milliarden Euro für Premium-Rechte. Aber nachdem der Piratensender BeOutQ seit Mitte 2017 das Sendesignal kapert und die Live-Übertragungen von Sportgroßereignissen und europäischen Top-Ligen wie der Bundesliga zeigt, sinken die Einnahmen von beIN dramatisch. Erschwert wird die Lage dadurch, das beIn als katarischer Sender in Saudi-Arabien, Bahrein, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten verboten ist. Das Ausmaß ist enorm: 45 Prozent der Abonnenten sind verloren gegangen, seit Mitte 2017 ein Einnahmenverlust von 600 Millionen US-Dollar. Von Exklusivität könne man nicht mehr sprechen, sagt beIN-Chef Youssef Al-Obaidy, deshalb "sei die Party vorbei":

"Das werden unsere Angebote widerspiegeln. Ich bin auch überzeugt, dass andere Sender ähnliche Abwertungen vornehmen werden und viele ehemalige Premium-Rechte unverkauft bleiben werden."

Wie beispielsweise die Formel 1-Rechte für die MENA-Region. Al-Obaidy will jetzt sogar die laufenden Verträge nachverhandeln. Er begründet dies damit, dass die Ligen und Verbände die Kampagne gegen die Piraterie nicht ausreichend unterstützt hätten. Diese hatten zwar im Juli in einem Brief Saudi-Arabien aufgefordert, BeOutQ abzuschalten. Dabei aber nur den Sender hart attackiert.

Umgang mit Saudi-Arabien taktisch?

"Die Ligen wollen in erster Linie Geld verdienen. Deswegen haben diese eine vorsichtige Haltung eingenommen", erklärt sich Constantinos Papavassilopoulos das Vorgehen der Ligen als taktischen Schachzug.

"Sie klagen nicht Saudi-Arabien an, weil sie in der nahen Zukunft auf einen Bieterkrieg um die Fußballrechte zwischen Katar und Saudi-Arabien hoffen. Und ein Bieterkrieg in dieser Größenordnung wird die Preise hochtreiben."

Ein gewagtes Spiel um viel Geld: Die Piraterie verdammen und nicht mit dem Finger auf Saudi-Arabien zeigen. Das liegt auch daran, dass Kronprinz Mohammed bin Salman im Medienbereich neue Wege gehen will:

"Sie wollen den Medien- und Entertainment-Sektor in Saudi-Arabien komplett modernisieren, um ihn zukunftssicher, atemberaubend, extrovertierter, aggressiver zu machen. Und Content mit einer Ausstrahlung über das Land hinaus, für die Region, weltweit, zu produzieren. Sie haben verstanden, die Medien sind ein strategischer Aktivposten. Und jetzt wollen sie das Medienspiel der Kataris effizienter spielen als die Kataris bisher."

Facebook will in naher Zukunft nicht investieren

Europas Top-Ligen wie die Bundesliga hoffen auf ein Happy-End. Ein anderer Wunsch der Liga wird vorerst nicht in Erfüllung gehen. Ob DFL-Chef Christian Seifert oder die Bayern-Bosse Karlheinz Rummenigge und Uli Hoeness, alle sprechen gerne vom Einstieg der milliardenschweren US-Giganten, der die Rechtepreise weiter in die Höhe treiben soll. Peter Hutton, bei Facebook weltweit für Sportrechte verantwortlich, erteilt dem Wunschdenken aber eine Absage:

"Für die nahe Zukunft erwarte ich keine Investments in Sportrechte. Ich weiß, dass die Leute immer darüber reden, dass die großen Tech-Giganten einsteigen und sich alles verändern wird. Vielleicht eines Tages, aber sicher nicht heute."

Geschrieben werde, so Hutton, meist über die wenigen Deals, für die Facebook bezahle. Aber 95 bis 96 Prozent aller Live-Übertragungen auf der Plattform seien kostenfrei. Für die Ligen seien Facebook und andere Giganten eher ein Trichter, um neue Zuschauer zu gewinnen. So müssen die Bundesligaklubs dann bei der Ausschreibung der nationalen Rechte im kommenden Jahr auf einen Dreikampf zwischen Sky, DAZN und der Telekom hoffen. Und international auf eine Schlacht zwischen Katar und Saudi-Arabien.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk