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StartseiteCampus & KarrierePISA-Treffen in Heidelberg19.10.2012

PISA-Treffen in Heidelberg

Erste Ergebnisse werden ausgewertet

Wissenschaftler aus aller Welt treffen sich in Heidelberg, um die Auswertung der aktuellen PISA-Studie vorzubereiten. Bei der fünften Erhebung lösen die Schüler die Aufgaben erstmals am Computer. Das sei ein Quantensprung für die Diagnostik, findet Psychologieprofessor Joachim Funke.

Von Martina Senghas

500.000 Schülern aus etwa 70 Ländern werden bei der Erhebung 2012 getestet. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
500.000 Schülern aus etwa 70 Ländern werden bei der Erhebung 2012 getestet. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

So richtig in die Karten schauen lassen will sich das gerade tagende PISA-Gremium nicht. Solange die Prüfungen noch nicht abgeschlossen sind, herrscht äußerste Diskretion. Nur so viel will der Heidelberger Psychologieprofessor Joachim Funke schon mal verraten.

"Wir haben jetzt schon von etwa 400.000 Schülern Daten vorliegen und das heißt, da sind schon jetzt erste Erkenntnisse möglich: Was sind brauchbare Aufgaben gewesen, wo müssen wir vielleicht noch mal einen Blick draufwerfen, welche Aufgaben müssen wir vielleicht wegschmeißen? Ist da irgendeine Ungerechtigkeit drin? Und das wird jetzt gerade geprüft und wir schauen das noch mal durch."

Fragen beispielsweise, die je nach Geschlecht besser oder schlechter beantwortet werden können, müsse man unbedingt vermeiden. Und wenn in Europa Aufgaben durchfallen, die in Asien kein Problem sind, könne auch etwas nicht stimmen. Was seinen Bereich, die neu eingeführte Überprüfung von Problemlösekompetenz anbelangt, so sieht es offenbar ziemlich gut aus. Alle Aufgaben funktionieren. Ganz neu ist der Bereich übrigens nicht, 2003 gab es schon mal einen Versuch in diese Richtung, der hat sich in der Auswertung allerdings als eher unbrauchbar erwiesen.

"Wir haben jetzt einen Schritt nach vorne gemacht dadurch, dass wir Interaktivität in den Vordergrund gestellt haben. Was ist das? Interaktivität heißt, jemand hat zu tun beispielsweise mit einem MP3-Player. Diese kleinen Maschinen, die bedienen wir heute mit einer Selbstverständlichkeit, und wir haben gesagt: Wir wollen diese Technik, diese Art des Interagierens mit Geräten als einen Bereich starkmachen, den wir fokussieren."

Wirklich neu in dieser nunmehr fünften PISA-Erhebung ist, dass die 15-jährigen Schüler und Schülerinnen die Aufgaben am Computer lösen. Ein Quantensprung für die Diagnostik, findet Psychologieprofessor Joachim Funke.

"Warum ist das ein Vorteil? Das ist mit viel mehr Aufwand verbunden. Aber: Wir haben eine viel tiefere Einsicht in das, was der einzelne Schüler in der Interaktion mit der Aufgabe macht. Wir legen Logfiles an und werten diese Logfiles auch aus. Das hilft uns zum Beispiel, zu einer faireren Beurteilung richtiger und falscher Antworten zu kommen. Was man in der Papier- und Bleistift-Situation nicht tun konnte, weil man dort keine Kontrolle darüber hatte, ob der lange nachgedacht hat oder ob die entsprechende Person einfach nur blind angekreuzt hat."

Gerade in der Auswertung der Problemlöseaufgaben ist die Computerbearbeitung viel aussagekräftiger.

"Die guten Problemlöser haben gute Strategien um das zu machen, schlechte Problemlöser machen eher Versuch und Irrtum und probieren hier mal und probieren da mal, und kommen vielleicht irgendwann per Zufall zum Ziel. Der gute Problemlöser hat Strategien und geht klarer, geordneter an solche Herausforderungen heran."

Wie es scheint, hat sich also nicht nur in den Bildungssystemen der OECD-Länder, sondern auch bei PISA selbst seit dem Ersterhebungsjahr 2000 einiges getan. Das spricht für PISA, denn schließlich geht es ja um Lernkompetenz.

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