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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Es macht keinen Sinn, weiter in Diesel zu investieren"21.06.2016

Pkw-Diesel"Es macht keinen Sinn, weiter in Diesel zu investieren"

VW-Chef Matthias Müller hat in einem Interview die Zukunft der Diesel-Technik in Frage gestellt. Diese führe in eine Sackgasse, meint auch Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte der Universität Duisburg-Essen. Er sagte im DLF, die Technologie verursache hohe Stickoxid-Werte in deutschen Großstädten, aber werde dennoch mit Steuergeldern subventioniert. Dabei gebe es "grüne" Alternativen.

Ferdinand Dudenhöffer im Gespräch mit Stefan Römermann

Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
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Stefan Römermann: Als "clean Diesel", als saubere Dieseltechnik hat VW seine Autos in den USA beworben. Schließlich galten Dieselfahrzeuge lange Zeit zwar als vergleichsweise sparsam, dafür waren sie aber auch als regelrechte Dreckschleudern verschrien, die Feinstaub, Ruß und Stickoxide in die Luft pusten.

In einem Interview mit dem "Handelsblatt" hat VW-Chef Matthias Müller jetzt die Zukunft der Dieseltechnik insgesamt infrage gestellt. Darüber spreche ich jetzt mit Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte der Universität Duisburg-Essen.

Herr Dudenhöffer, wenn Ihr Auto morgen kaputt geht, was würden Sie denn persönlich kaufen, Diesel, Benziner oder doch ein Elektroauto?

Ferdinand Dudenhöffer: Wenn jetzt 2018 wäre und Elon Musik mit seinem Tesla wirklich dann das Model III auf dem Markt hätte, dann würde ich mich in die Schlange stellen, denn dieses Model III ist ein reines Elektroauto, fährt 350 Kilometer bis 400 Kilometer rein elektrisch und soll 35.000 Euro kosten, also, sieht noch schick aus, wäre was.

Römermann: VW-Chef Müller stellt jetzt den Diesel grundsätzlich infrage, die Dieseltechnik. Weitere Investitionen müsse man sich sehr, sehr gut überlegen. Was halten Sie von diesem, ich sage mal, Ausstieg auf Raten?

"Mit hoher Geschwindigkeit in die falsche Richtung laufen"

Dudenhöffer: Müller hat recht! Es macht überhaupt keinen Sinn, in diese alte Dieseltechnologie, die jede Menge Probleme hat - das haben wir ja in den letzten Monaten gesehen -, erhebliche Probleme, weiter zu investieren, denn die Auflagen werden härter nach dem Jahr 2020. Der Diesel ist ein Aggregat, das nur in Europa verkauft wird bei den Pkw. Weder in Amerika, noch in China, noch in Japan, noch in Brasilien, noch in Indien - da wird er gerade verboten - gibt es Diesel.

Römermann: Aber warum hat man denn in Deutschland dann so lange darauf gesetzt?

Dudenhöffer: Weil wir gemeinsam alle mit hoher Geschwindigkeit in die falsche Richtung laufen, angeführt von Berlin. In Berlin ermuntert man ja tagtäglich alle Deutsche, sich Diesel zu kaufen, dadurch, dass man an den Tankstellen die Preise von Dieselkraftstoff künstlich mit Steuergeldern erniedrigt, subventioniert. Das heißt, der Diesel bezahlt 18 Cent weniger Steuern als der Liter Benzin. Kein Mensch weiß, warum das der Fall ist. Das macht man in Berlin, da hält man in Berlin die Stange, wem auch immer.

Eine Benzinpreis-App in Hamburg zeigt an, dass mehrere Tankstellen den Liter Dieselkraftstoff für einen Preis von unter einem Euro anbieten. (dpa/picture-alliance/Markus Scholz)Dieselkraftstoff wird mit Steuergeldern subventioniert (dpa/picture-alliance/Markus Scholz)

Römermann: Die Vorteile sollte man abschaffen?

Dudenhöffer: Die Vorteile müssen relativ schnell jetzt abgeschafft werden, denn das Gegenargument läuft von der EU seit dem Jahr 2010. In 50 deutschen Großstädten und Ballungszentren überschreiten wir seit dem Jahr 2010 permanent die Stickoxid-Werte in den Großstädten ganz erheblich, haben gesundheitliche Beeinträchtigungen und Schäden der Bevölkerung bei Kindern zu erwarten, und der Hauptverursacher ist der Pkw-Diesel. Wir subventionieren mit Steuern die Probleme der Menschen in den Großstädten in Deutschland. So schizophren ist unsere Politik in Berlin.

Römermann: Auf der anderen Seite hat der Dieselmotor ja einen erheblich geringeren Kraftstoffverbrauch und deswegen auch einen geringeren CO2-Ausstoß. Gefährdet denn nicht eigentlich dann der Abschied von der Dieseltechnologie unsere Klimaziele?

"VW wird es schaffen"

Dudenhöffer: Die Klimaziele kann man auch mit Elektromotoren erreichen und Elektromotoren werden in der Zukunft mit grünem Strom, den es heute schon überall zu kaufen gibt, befeuert werden oder angetrieben werden. Jeder der heute ein Elektroauto hat, fährt mit grünem Strom. Genau deshalb will ja VW hier eine große Initiative machen und um das Jahr 2025 eine Million Elektroautos weltweit verkaufen.

Plus es gibt noch andere Alternativen wie zum Beispiel das Erdgas als Antriebsform. Da können wir den Verbrennungsmotor nehmen, den Ottomotor, brauchen nicht extra noch mal Milliardengelder in die Investition des Dieselmotors zu stecken, um die gleichen Ziele für das Klima zu erreichen. Es gibt jede Menge Ausgleichsmechanismen. Die Politik, die IG Metall, der Autobauerverband, die haben sich festgelegt auf eine Technologie, die in die Sackgasse führt.

Römermann: Was denken Sie, wird VW, wird die deutsche Automobilindustrie denn tatsächlich diesen Umstieg schaffen, oder werden Unternehmen wie Tesla ihnen den Rang ablaufen?

Dudenhöffer: Je früher man mit dem Umstieg anfängt, umso besser ist man positioniert. VW wird es schaffen, dort hat man die Weichen umgelegt. Wichtig ist, dass man jetzt in München und in Stuttgart ebenfalls in die gleiche Richtung geht, denn wenn man es jetzt anpackt, dann ist es kein Problem, diese Dinge auch zu bewältigen, und dann werden wir weltweit besser sein als heute.

Römermann: Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte der Universität Duisburg-Essen. Vielen Dank für das Gespräch.

Dudenhöffer: Ich bedanke mich.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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