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StartseiteWirtschaft und GesellschaftPlakate als Wahlkampfklassiker16.08.2013

Plakate als Wahlkampfklassiker

Parteien investieren etwa 70 Millionen Euro in Wahlwerbung

In der heißen Phase des Wahlkampfs werden Plakate geklebt, Marktplätze mit Ständen bevölkert, Prospekte und Flugblätter in Briefkästen verteilt. Die Gewichtung der Parteien bei der Wahlwerbung verschiebt sich allerdings.

Von Stefan Maas

Wahlplakate der CDU, SPD und von Bündnis 90/Die Grüne zur Bundestagswahl 2013 (picture alliance / dpa)
Wahlplakate der CDU, SPD und von Bündnis 90/Die Grüne zur Bundestagswahl 2013 (picture alliance / dpa)

"Zu einem erfolgreichen Wahlkampf gehören nach wie vor als einer der ältesten, aber immer noch wichtigsten Bausteine jeder Kampagne Plakate."

Nicht nur für den CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe ist dieser Klassiker aus dem Straßenbild nicht wegzudenken. Zu Tausenden werden sie in den kommenden Wochen an Bäumen, Wänden und Laternen hängen. Groß, klein, hoch, quer. Alleine die SPD kommt auf fast 900.000, sagt der technische Wahlkampfleiter der Partei, Stephan Schweitzer.

"Und wir haben die kommerziellen Flächenbuchungen, da konzentrieren wir uns insbesondere auf die Schlussphase. Und die traditionellen sogenannten "Wesselmänner". Das sind rund 8.000 Stück, die seit Anfang August an den deutschen Straßen stehen."

Welche Partei am 22. September auch immer das Rennen macht. Hinter diesen 3,70 mal 2,90 Meter großen Plakaten steckt ein echter Gewinner in Wahljahren. Denn längst sind die "Wesselmänner" im Politikbetrieb ein feststehender Begriff, wie das Tempo zur Schnupfenzeit. 1961 gegründet, sorgt die Bochumer Firma Wesselmann bundesweit konkurrenzlos dafür, dass die Plakate, die die Parteien liefern, auf die Stellwände und an die Straßen kommen. Pro Aufsteller planen die Parteien etwa 500 Euro ein. Den besten Platz bekommt, wer zuerst bucht.

Und auch sonst brauchen sich die Hersteller klassischer Wahlkampfprodukte keine Sorgen zu machen. Denn auch, wenn der Wahlkampf im Internet für alle Parteien immer wichtiger wird - bei den Grünen gehen sogar rund 80 Prozent des Mediabudgets in den Onlinewahlkampf. Für den Bundesverband Druck und Medien sind die Wahljahre noch immer ein wichtiger wirtschaftlicher Impuls. Allein die DIN-A5-Imagebroschüre der Kanzlerin hat die CDU in 800.000er-Auflage bestellt. Die SPD plant mit 20 Millionen Flyern für die Kandidaten und Kandidatinnen, zwei Millionen Wahlkampfzeitungen und sogar die Langfassung des Wahlprogramms wurde 80.000 Mal geordert. Die FDP setzt darüber hinaus in der Schlussphase des Wahlkampfs auf eine weitere traditionelle Technik:

"Direkte Wähleransprache per postalischem Brief. Also, noch nicht einmal per Mail, sondern per Postbrief."

Sagt Dennis Schmidt-Bordemann. Damit könne man in der Schlussphase potenzielle FDP-Wähler gezielt ansprechen. Für das Privatfernsehen dürfte 2013 ein relatives Nullsummenspiel werden im Vergleich zu vergangenen Wahljahren: Während CDU und Grüne aus Kostengründen und weil sie nicht die eigene Zielgruppe erreichen, keine zusätzlichen TV-Sports planen – über jenes Kontingent hinaus, dass die Sender den Parteien ohnehin zur Verfügung stellen müssen – investiert die SPD in diesem Jahr erstmals einen ordentlichen Teil ihres 23-Millionen-Budgets in TV-Spots bei ProSieben, RTL und Co, sagt Wahlkämpfer Stephan Schweitzer:

"Unser Ziel in dieser Wahlkampagne ist es ja, möglichst viele Menschen zu mobilisieren. Zu gewinnen, an der Wahl teilzunehmen. Deshalb haben wir bewusst auf Medien gesetzt, die eine große Streuung haben und eine gute Erreichbarkeit gerade von Menschen, die nicht jeden Tag alle Ausgaben der bundesweit führenden Tageszeitungen lesen."

Und gerade diese überregionalen Zeitungen dürften besonders merken, dass sich die Gewichtung in den Medienbudgets der Parteien zugunsten des Internets verschoben hat. Denn darin sind sich die Parteien einig: Die klassische Zeitungsanzeige hat für sie massiv an Bedeutung verloren.

Und was haben die Werbeagenturen selbst von dem Wahlkampf? Denn mit dessen Planung sind sie immerhin gut ein Jahr beschäftigt. Hans-Hermann Langguth von der Agentur "Zum goldenen Hirschen", der für die Grünen wahlkämpft:

"Ja, also der rein monetäre Gewinn ist nicht so hoch, wie man sich das vielleicht vorstellt. Der ist überschaubar."

Doch der Imagegewinn ist gewaltig. Für die Agenturen ist eine gute Kampagne die beste Eigenwerbung.

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