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StartseiteForschung aktuellPlanetensystem in weiter Ferne07.11.2007

Planetensystem in weiter Ferne

Wissenschaftler entdecken ein Abbild unseres Sonnensystems

Planetologie. - Die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa hat in dieser Woche die Entdeckung eines kompletten Sonnensystems bekannt gegeben. 41 Lichtjahre von der Erde entfernt haben die Astronomen gleich fünf Exoplaneten entdeckt, die einen Stern umkreisen. Der Aufbau dieses Planetensystems ähnelt auf verblüffende Weise dem unseren.

Von Guido Meyer

Gibt es im All ein Spiegelbild unseres Sonnesystems? (NASA)
Gibt es im All ein Spiegelbild unseres Sonnesystems? (NASA)
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55 Cancri ist ein Stern, rund 41 Lichtjahre von unserem entfernt, ungefähr so alt und ungefähr so schwer wie die Sonne, und mit einem Fernglas des Nachts im Sternbild Krebs gut auszumachen. Was der Amateur-Astronom mit seinem Feldstecher nicht erkennen kann: Die Gemeinsamkeiten gehen noch wesentlich weiter, wie Debra Fischer verrät, Astronomin an der San Francisco State University:

" Das Einzigartige an diesem Planetensystem ist sein Aufbau, der dem unseres Sonnensystems entspricht, vom innersten Planeten Merkur bis hinaus zu Jupiter. Dieses System ist vollgepackt mit Planeten, so wie unseres. Diese Eigenschaft, relativ viele Planeten zu besitzen, gibt es also auch in anderen Sonnensystemen. "

Die Position des innersten Planeten Merkur nimmt im Sonnensystem von 55 Cancri ein Planet ein, der den Zentralstern in nur drei Tagen umkreist. Dann folgen zwei Objekte von der Größe des Ringplaneten Saturn. Neu entdeckt haben Astronomen den vierten Himmelskörper.

" Mit dieser Neuentdeckung haben wir nun vier Planeten, die dem inneren Teil unseres Sonnensystems entsprechen. Der vierte Planet hat die 45-fache Masse der Erde. Das mag sich nach einem schweren Himmelskörper anhören, aber zum Vergleich: Jupiter verfügt über die 317fache Erdmasse. Das neu entdeckte Objekt umrundet 55 Cancri in 260 Tagen, was ungefähr der Venus in unserem Sonnensystem entspricht. "

Ganz weit draußen umkreist ein fünftes Objekt 55 Cancri, der größte Planet dieses Systems. Ein dominanter Gasriese, der sowohl im Abstand zum Stern wie in seiner Masse in etwa Jupiter entspricht. Zwischen ihm und dem nächstinneren, vierten Planeten klafft eine riesige Lücke, wie Jonathan Lunine, Planetologe an der Universität von Arizona in Tuscon berichtet.

" Es gibt eine viel größere Lücke im 55-Cancri-System als in unserem Sonnensystem. Der neu entdeckte vierte Planet hat in etwa Venus-Abstand, der fünfte ist jedoch mehr als sechsmal so weit entfernt. Diese Lücke ist viel größer als die zwischen Mars und Jupiter. Verbirgt sich dazwischen also ein kleinerer, terrestrischer Planet, der bewohnbar sein könnte? "

Dies ist in der Tat eine weitere, bemerkenswerte Übereinstimmung: Wenngleich der neue Planet Nummer 4 ein Gasplanet und damit unbewohnbar sein dürfte, bildet er doch den Beginn der habitablen Zone dieses Sonnensystems, einem Gürtel also, der sich in unserem Planetensystem von der Venus über die Erde bis zum Mars erstreckt, in dem die Temperaturen angenehm, Wasser flüssig und damit prinzipiell Leben möglich ist. Die Astronomin Debra Fischer aus Kalifornien:

" Ich würde darauf wetten, dass diese Lücke nicht leer ist. Wir wissen, dass sich dort kein Gasriese aufhält von der Größe Saturns oder Neptuns. Aber diese Lücke böte Platz für eine Erde, vielleicht für einen Planeten mit der zehnfachen Erdmasse. Wir können ihn derzeit nur noch nicht nachweisen. "

Selbst der neu entdeckte vierte Planet böte Platz für Leben - nicht auf ihm selbst, aber auf einem seiner Monde. Dass er einen oder mehrere Monde hat, gilt als wahrscheinlich. In unserem Sonnensystem haben alle Gasplaneten - Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun - Dutzende von Begleitern. Unter ihnen gelten Titan, Enceladus und Europa als heiße Anwärter für Leben. Ähnlich ist der Aufbau im Planetensystem um 55 Cancri. Dieses Planetensystem haben Astronomen mit Teleskopen in Kalifornien und auf Hawaii entdeckt. Nun ruhen die Hoffnungen auf die nächste Generation von Weltraumteleskopen, mit denen dann auch die kleineren, erdähnlichen Planeten direkt nachgewiesen werden können.

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