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StartseiteUmwelt und VerbraucherUnterwegs im North Pacific Garbage Patch10.07.2019

Plastikmüll im MeerUnterwegs im North Pacific Garbage Patch

Bisher ist sehr wenig darüber bekannt, was mit Mikroplastik im Meer geschieht. Mit dem Projekt Micro Fate soll sich das ändern. Deutsche Wissenschaftler waren auf dem Forschungsschiff "Sonne" fünf Wochen im Nordpazifik unterwegs. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.

Von Andrea Gottke

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Unterwasseraufnahme: Plastikmüll im Pazifischen Ozean vor der Küste der Philippinen (imago / Jürgen Freund)
Plastikmüll im Pazifischen Ozean vor der Küste der Philippinen. (imago / Jürgen Freund)
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"Es ist viel Plastik da, man sieht jeden Tag Plastik, jede Stunde Plastik, fast jede Minute kann man Plastik sehen im Meer. Aber es ist nun nicht ein zusammenhängender Kontinent oder eine Plastik-Insel. Was man sehr viel sieht, sind treibende Netze oder Bojen, die von diesen Fischernetzen kommen, die die oben halten. Dann hat man teilweise Kanister gesehen oder Fässer. Und kleinere Plastikteile wie Flaschen oder Flaschendeckel, haben wir zum Beispiel gefunden."

Es war nicht Plastikmüll wohin das Auge reicht, kein riesiger Quadratkilometer großer Abfall-Teppich, den die beiden Wissenschaftler Annika Jahnke und Robby Rynek im Nordpazifik gefunden haben. Und doch beeindruckend viel.

Nordpazifik eins der größten Plastik-Ansammlungsgebiete

Annika Jahnke, Umwelt-Chemikerin am Helmholtz- Zentrum für Umweltforschung in Leipzig, leitet das Projekt "Micro Fate", das sie und weitere Wissenschaftler auf das deutsche Forschungsschiff "Sonne" gebracht hatte. "Also in unserem Projekt geht es darum, das Vorkommen, den Verbleib und mögliche Effekte von Mikroplastik im Nordpazifik zu beschreiben. Hier im Nordpazifik befindet sich eins der mutmaßlich größten Ansammlungsgebiete von Plastik weltweit im Meer, das sogenannte North Pacific Garbage Patch. Und wir hatten hier auf dem Forschungsschiff 'Sonne' die einmalige Gelegenheit, genau durch dieses Gebiet zu fahren."

Fünf Wochen waren sie unterwegs. Los ging es Ende Mai in Vancouver, dann durch den Nordpazifik bis nach Singapur. "In unserem Fall haben wir so viel beprobt, noch bis zum Grund des Ozeans runter, das wir meist fast einen ganzen Tag gebraucht haben pro Station. Und teils 22 Stunden am Stück gearbeitet haben."

Die Forscher vom Leibnitz Institut für Ostseeforschung Warnemünde, vom Frauenhofer Institut Dresden und von der Universität Stockholm haben verschiedene Experimente an Bord durchgeführt. Robby Rynek vom Helmholtz Zentrum interessierte sich für das organische Material, was sich auf frischem Plastik, das gerade ins Meer gekommen ist, festsetzt: "Wir hätten ja diese Mesokosmen an Bord, diese großen Metallwannen, die von Meerwasser durchflutet wurden. Dort haben wir diese Plastikpartikel reingehängt für eine Stunde und die dann letztendlich wieder rausgeholt und konserviert, in dem wir sie einfach eingefroren haben. Das wird jetzt nach Leipzig gebracht und dort geht dann die Arbeit erst richtig los sozusagen."

Welche Organismen leben auf Plastikmüll?

Auch Stefan Lips und seine Kollegen haben Material an Bord gesammelt. Für sie war der Biofilm auf den gefundenen Müllstücken wichtig: "Die Kollegen haben die Oberflächen abgekratzt, die Bakterien jetzt in eine Suspension überführt. Eine Suspension besteht im Wesentlichen aus dem Meerwasser und dem Material, den Partikeln und einem Zusatz, zum Beispiel verschiedenen Plastikpolymeren, auf denen dann diese Bakterien wachsen sollen. Die werden jetzt weiter kultiviert, werden irgendwann sequenziert und wir finden heraus, was für Organismen haben auf dem Plastik gelebt."

Für die Experimente mussten die Forscher natürlich ihre Materialien aus Deutschland mitbringen. Wenn was fehlte, war Kreativität gefragt. Häufig konnte die Besatzung des Forschungsschiffes helfen. Lynn Moldaenke vom Institut für Ostseeforschung Warnemünde hat das sehr beeindruckt: "Die Crew ist unglaublich, also ohne die Crew würde hier absolut gar nichts gehen. Sie ermöglicht uns diese Forschung. Wir haben hier schon eng aufeinander gelebt und man lernt zwangsweise Menschen kennen, die man vielleicht sonst nicht kennengelernt hat. Das erweitert den Horizont um einiges."

Plastik wird Jahrhunderte im Meer bleiben

Auch an Projektleiterin Annika Jahnke ist diese Reise nicht spurlos vorbei gegangen: "Was man bedenken muss ist, dass das Plastik extrem langlebig ist. Das es also wirklich Jahrzehnte, Jahrhunderte in der Umwelt vorkommen wird. Der Ist-Zustand wird ja nicht so bleiben, wir verwenden ja weiterhin Plastik in allen möglichen Lebenszusammenhängen. Jeder einzelne von uns verwendet viel Plastik. Und ich denke, was mir wichtig wäre, das jeder mitnimmt, das er sein Verhalten auch ändern muss in gewisser Weise und Plastik dort, wo es möglich ist, vermeidet. Es wird immer Bereiche geben, wo das nicht geht. Aber es gibt Bereiche, wo man leicht auf Plastik verzichten  kann."

In den nächsten zwei Jahren wollen die Wissenschaftler nun mit dem gewonnenen Material arbeiten. Sie hoffen, dann mehr gesicherte Erkenntnisse darüber zu haben, wie Plastik das Leben im Ozean verändert.

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