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StartseiteKommentare und Themen der WocheVerbindliche Reduktionsziele21.05.2019

PlastikmüllVerbindliche Reduktionsziele

Plastik muss teurer werden - für Produzenten, aber auch für Konsumenten, kommentiert Christiane Habermalz. "Wer Einwegartikel kauft, muss das im Portemonnaie spüren." Der Verbrauch von Einweg-Kaffeebechern etwa ließe sich in drei Jahren um die Hälfte reduzieren - wenn die Politik mitspielen würde.

Von Christiane Habermalz

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Kaffeebecher aus Pappe, aufeinandergestapelt (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Kaffeebecher aus Pappe machen zu viel Müll - sagt die Deutsche Umwelthilfe (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
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Kotschik (UBA) "Jährlich fallen etwa 2,8 Milliarden Einwegbecher für Coffee to go an"

Vor 20 Jahren gab es ihn noch gar nicht. Doch heute ist der Coffee-To-Go-Becher zum nicht mehr wegzudenkenden Accessoire des modernen Menschen geworden. Wohl kaum ein Objekt steht so symptomatisch für Stress und Hektik unserer Zeit – und für die Wegwerfgesellschaft, in der wir leben. Die Zahlen, die das Umweltbundesamt heute vorgelegt hat, sprechen eine deutliche Sprache: 2,8 Milliarden Becher werden in Deutschland pro Jahr außer Haus verkauft, das entspricht 34 Bechern pro Kopf. 

Müll, der schwer recycelt werden kann

Maximal 15 Minuten ist der Einwegbecher ein Gebrauchsobjekt, danach wird er für den Rest seiner Zeit zu Müll. Müll, der gar nicht oder nur schwer recycelt werden kann, weil er zum Großteil aus kunststoffbeschichteter Pappe besteht – und der, wenn unsachgemäß entsorgt, in Parks, in der Landschaft oder im Meer landet. Laut Studie des Umweltbundesamtes könnte der Verbrauch von Einweg-Kaffeebechern innerhalb von drei Jahren um die Hälfte sinken. Wenn die Politik sich endlich entschließt, dagegen aktiv zu werden.

Diskussionen und freiwillige Vereinbarungen

Doch Bundesumweltministerin Svenja Schulze beließ es auch heute nur bei Ankündigungen. Sie will die Hersteller von Einwegbechern künftig zur Kasse bitten - auf welchem Wege, das müsse noch ausdiskutiert werden. Mit Gastronomie und Bäckereien strebt die Sozialdemokratin freiwillige Vereinbarungen an, damit Mehrweg zur Regel und Einweg zur Ausnahme wird. Doch verbieten will sie nur die besonders umweltschädlichen Becher aus geschäumtem Polystyrol. Nach der heute verabschiedeten EU-Richtlinie sollen die aber ab 2021 ohnehin nicht mehr erlaubt sein – wie auch Plastikgeschirr und Besteck, Trinkhalme und Wattestäbchen aus Kunststoff.

Der politische Wille fehlt

Warum muss erst Brüssel Verbote aussprechen, damit die deutsche Umweltministerin von einer "Chance zur Trendumkehr" spricht? Möglichkeiten, die ständig wachsende Flut von Einwegverpackungen aus deutschen Geschäften zu verbannen, hätte es genug gegeben. Doch es fehlt der politische Wille. Seit Jahren wird die gesetzlich vorgeschriebene Mehrwegquote von 70 Prozent bei Getränken nicht eingehalten – ohne Konsequenzen für Handel und Hersteller. Warum Einwegpfand auf Kunststoffflaschen zwar für Cola erhoben wird, aber nicht für Saft und Nektar, versteht kein Mensch.

Mehr "Coffee to stay"

Damit Plastikberge schwinden, braucht es klare und verbindliche Reduktionsziele. Produzenten von Einwegverpackungen müssen an den Kosten, die die Gemeinschaft mit der Müllentsorgung hat, beteiligt werden. Und Plastik muss teurer werden. Wer Einwegartikel kauft, muss das im Portemonnaie spüren. Und was den Kaffeekonsum angeht: Etwas mehr "to stay" und etwas weniger "to go" würde uns allen gut zu Gesichte stehen.

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