Donnerstag, 21.11.2019
 
Seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag
StartseiteKommentare und Themen der WocheDas erste große Opfer des Brexits23.09.2019

Pleite von Thomas CookDas erste große Opfer des Brexits

Die Insolvenz des britische Reiseunternehmens Thomas Cook zeige, dass der drohende kalte Brexit die Kraft habe, kriselnde Unternehmen endgültig ins Straucheln zu bringen, kommentiert Klemens Kindermann. Der ersten spektakulären Brexit-Pleite könnten viele weitere folgen.

Von Klemens Kindermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Logo Thomas Cook (imago/Thierry Roge)
(imago/Thierry Roge)
Mehr zum Thema

Insolvenz von Thomas Cook "Eher ein Spezialfall und kein Branchenproblem"

Tourismusexperte "Der Reiseveranstaltermarkt wächst nach wie vor"

Thomas Cook ist das erste große Opfer des Brexits. Zwar steckt der britische Reisekonzern schon seit Jahren bis zum Hals in Schwierigkeiten. Doch die Unsicherheit über den EU-Austritt Großbritanniens ohne Abkommen dürfte dem ältesten Reiseunternehmen der Welt am Ende den Rest gegeben haben.

Eigentlich war das 900 Millionen Pfund schwere Rettungspaket für Thomas Cook schon geschnürt, aber die Banken forderten auf einmal zusätzliche Sicherheiten. Mit gutem Grund: das schwache Pfund hielt zuletzt immer mehr Briten von Reisen ab. Je niedriger der Wert des Pfunds, desto teurer die Reise. Im Gegensatz etwa zum Konkurrenten TUI bediente Cook eher das untere bis mittlere Preissegment, in dem das Geld bei den Reisenden nicht so locker sitzt.

Weiter Brexit-Pleiten könnten folgen

Den kalten Brexit, eine mit Sicherheit danach noch kraftlosere britische Währung und die schwindende Kaufkraft der Kunden vor Augen, haben die Banken die Notbremse gezogen. Aus ihrer Logik heraus völlig zu Recht. Doch haben sie damit vor aller Welt die erste spektakuläre Brexit-Pleite produziert, der noch viele weitere folgen könnten.

Denn das Szenario wird wie in jeder Krise sein: Die wirtschaftlich starken Unternehmen werden überleben, die ohnehin schon schwachen nicht. Und schwach war Cook: Den Billigairlines hatte das Unternehmen seit Jahren nichts entgegenzusetzen. Im Konkurrenzkampf mit den Online-Anbietern fehlten zündende Ideen, ironischerweise obwohl Cook doch selbst aus einer solchen Idee heraus entstanden war: der Erfindung der Pauschalreise.

Warnung vor wirtschaftlichen Erdbeben

Zu lernen ist aus dem Fall Thomas Cook, dass der drohende kalte Brexit die Kraft hat, Unternehmen, die sich in einer schwierigen Lage befinden, endgültig ins Straucheln zu bringen. Da ist auch an andere Branchen zu denken, etwa an Zulieferer und Hersteller, die mitten hinein in die ungewisse Zukunft der Autoindustrie gehen. Nicht von ungefähr warnen die europäischen Autobauer heute in einer seltenen gemeinsamen Erklärung im Fall eines No-Deal-Brexits am 31. Oktober vor einem wirtschaftlichen "Erdbeben".

 

Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Klemens Kindermann ist seit 2009 Abteilungsleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk. Von 1991 bis 1997 war er Redakteur und Korrespondent der Deutsche Presse-Agentur (dpa). Danach wechselte er 1997 zur Wirtschafts- und Finanzzeitung "Handelsblatt", wo er als Fachredakteur, Desk-Chef im neu geschaffenen Newsroom und ab 2004 als stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft & Politik tätig war.

 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk