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StartseiteVerbrauchertippWas Angehörige tun können09.02.2021

Plötzlich PflegefallWas Angehörige tun können

In Deutschland gibt es 4,1 Millionen Pflegefälle. Davon werden 2,3 Millionen überwiegend durch Angehörige gepflegt. Die wenigsten konnten sich auf so eine Situation in Ruhe vorbereiten. Denn wer zum Beispiel im hohen Alter als Notfall ins Krankenhaus muss, wird nicht unbedingt wieder topfit entlassen.

Von Bernd Debus

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Eine Pflegerin beugt sich zu einer alten Frau im Rollstuhl und hält tröstend ihren Kopf  (imago/epd/Werner Krueper)
In Deutschland werden mehr Menschen gepflegt als je zuvor. Die meisten Aufgaben übernehmen dabei Angehörige. (imago/epd/Werner Krueper)
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Katrin, deren Namen wir zum Schutz ihrer Angehörigen geändert haben, hat miterlebt, wie schnell ein vorher noch vitaler Mensch zum Pflegefall werden kann. Ihr Vater musste als Notfall mit Herz-Kreislauf-Problemen in eine Klinik. Nach drei Wochen galt er für die Ärzte als austherapiert:

"Als man das erste Mal davon sprach, ob er nach Hause kann, da ging es ihm eigentlich eher so schlecht, dass das Pflegepersonal und die Ärzte davon ausgegangen sind, dass er nur noch sehr wenig Zeit hat."

Am Freitagnachmittag kam dann, ohne Vorankündigung, der Anruf aus dem Krankenhaus. Katrins Vater sollte in einer Stunde nach Hause gebracht werden. Da war bei Katrins Eltern aber noch gar nichts für die Pflege zu Hause vorbereitet.

Keine Entlassung, wenn die Pflege zu Hause noch nicht gewährleistet ist

Pflegetipp Nummer Eins: Niemand darf entlassen werden, wenn die Pflege zu Hause noch nicht gewährleistet ist.

Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe: "Natürlich können Sie sich wehren. Und von daher muss man auch strikt Nein sagen."

Die meisten Menschen brauchen Hilfe, wenn sie ein Wohn- oder Schlafzimmer in einen Pflegeplatz umwandeln müssen. Für diese Hilfe ist das sogenannte Entlassmanagment der Kliniken zuständig. Oft übernimmt der Sozialdienst des Krankenhauses solche Aufgaben: "Das sind eben Sozialarbeiter, die den Angehörigen, die dem Patienten Ratschläge geben, Empfehlungen aussprechen und sich durchaus auch kümmern."

Katrins Vater brauchte ein Pflegebett, das zu Hause aufgebaut wird, einen Toilettenstuhl, einen Rollstuhl, einen ambulanten Pflegedienst für die tägliche Körperpflege, Physiotherapie, Ergotherapie und zahlreiche Sanitärartikel.

Der Sozialdienst der Klinik, in der Katrins Vater lag, war anfangs durchaus bemüht. Doch für wichtige Fragen stand er dann doch nicht mehr zu Verfügung: "Was uns aber völlig gefehlt hat, war einfach die Information darüber, wo man welche Hilfsmittel bekommt, wer die verordnen oder beantragen muss. Weil das durchaus verschiedene Stellen sind."

   (dpa) (dpa)Pflege zu Hause - Wer pflegt, riskiert sozialen Absturz
Waschen, kochen, Verbände wechseln und nachts immer wieder aufstehen - wer Angehörige zu Hause betreut, muss rund um die Uhr verfügbar sein. Zeit für eine andere Arbeit bleibt da kaum. Für viele Pflegende bedeutet dies Armut und Hartz IV.

Bei Fragen hilft der Hausarzt

Tipp Nummer Zwei von Anke Richter-Scheer: wenn es mit dem Entlassmanagment mal nicht klappt und man nicht weiß, wer für was zuständig ist oder wer was verschreibt, fragen sie ihren Hausarzt oder die Hausärztin: "Wir haben die Kontakte zu den Sanitätsdiensten, weil wir ja auch da die Verordnungen hinschicken. Wir haben die Kontakte zu den Krankenkassen."

Für Katrins Mutter war die Pflege ihres Mannes komplettes Neuland. Die Mitarbeiter des Pflegedienstes haben ihr zwar bei ihren täglichen Besuchen viel erklärt. Trotzdem hat sie anfangs bestimmt noch Fehler gemacht.

Angehörige sollten sich das Pflegen zutrauen

Aber das ist nicht so schlimm, sagt Anke Richter-Scheer. Ihr Pflegetipp Nummer Drei: Angehörige sollten sich das Pflegen zutrauen.

"Das Schönste ist ja eigentlich, gerade wenn man ein älteres Ehepaar nimmt, wenn die beiden dann einfach versuchen, dass sie wirklich zusammen zu Hause sind und der eine nicht im Pflegeheim."

Allerdings, ohne die Hilfe von Kindern, Schwiegerkindern, Enkeln und Nachbarn hätte Katrins Mutter die Situation nicht meistern können. Denn sie hatte plötzlich – im wahrsten Sinne des Wortes - 24-Stunden-Rufbereitschaft und konnte nicht mehr aus dem Haus.

Unbedingt von Familie, Freunden und Nachbarn helfen lassen

Tipp Nummer Vier: sich unbedingt von Familie, Freunden und Nachbarn helfen lassen.

Denn ohne diese Hilfe, da ist sich Katrin sicher, wäre es unmöglich gewesen, ihren Vater zu Hause zu pflegen: "Mein Vater wäre nicht nach Hause gekommen. Der wäre in ein Pflegeheim gekommen. Also ohne jemanden im Hintergrund, der sich da mit kümmern kann, geht das überhaupt gar nicht."

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