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StartseiteCampus & KarriereSozialkritische Bildung per Mausklick05.08.2019

Podcast "Alsekka" im OmanSozialkritische Bildung per Mausklick

Medien im Oman werden streng kontrolliert. Blogger und Journalisten versuchen durch diverse Projekte, die sozialkritische Bildung der Bevölkerung zu verbessern. Einer von ihnen ist Turki Al-Balushi. Sein Podcast hat bereits mehr als 20.000 Follower.

Von Camilla Hildebrandt

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Studenten einer Universität im Oman stehen in traditioneller Kleidung vor einem Gebäude (Symbolbild)  (imago images / robertharding)
Studenten einer Universität im Oman: Blogger und Journalisten versuchen durch diverse Projekte, die sozialkritische Bildung dieser Generation zu verbessern (imago images / robertharding)
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Was junge Leute im Oman denken, wie ihr Weltbild aussieht, ihre Haltung zur Religion, darüber berichten die Medien vor Ort nicht. Denn es ist nicht im Interesse des Sultans. Um genau dieser Generation der 18- bis 35-Jährigen trotzdem eine Stimme zu geben, hatte der Journalist und "Bloomberg"-Korrespondent Turki Al-Balushi 2012 die erste unabhängige Internet-Zeitung "Albalad" im Oman gegründet.

"Wir haben sehr gut recherchierte Analysen und Interviews angeboten und Nachrichten, vor allem mit dem Fokus auf die jüngere Generation. Es war eine der bekanntesten Online-Plattformen hier im Oman. 'Albalad' musste aber schließen, man hat mich bedroht. Das war sehr hart für mich. Auch die Tatsache, diese herausfordernde Arbeit beenden zu müssen.

 Ich hatte eine wichtige Plattform gegründet, eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Es war eins der besten Beispiele, dass unabhängige Medien, von denen es nicht viele in der Region gibt, funktionieren können."

"Die Meinungsfreiheit wird hier nicht beachtet"

Im Interesse seiner Familie, der heute 32-jährige Al-Balushi hat zwei Kinder, gab er nach, denn wegen "Albalad" saß er im Gefängnis. Man drohte ihm mit Verurteilung, sollte er noch einmal auf diese Art und Weise berichten. Lange hielt er es aber nicht aus. Im Juli 2018 entstand zusammen mit Kollegen das Projekt "Alsekka", das so viel bedeutet wie "eine kurze Zugfahrt".

"Alsekka" ist eine Internet-Plattform, die regelmäßig in Form von Podcasts Gespräche mit Autoren, Journalisten, Forschern und Künstlern veröffentlicht.

"Unsere Gespräche sind sehr kritisch und erlauben uns einen neuen Blick auf unsere Kultur, Politik und Gesellschaft, kurz auf uns selbst. Sie ermöglichen sozialkritische Bildung und Weiterentwicklung", erklärt Gründer Al-Balushi.

"Die Meinungsfreiheit wird hier nicht beachtet. Es muss viel getan werden. Es muss mehr Druck auf die Regierung ausgeübt werden, und auch die Bürger sollten sich mehr beteiligen. (3.52) Bei 'Alsekka' geht es darum, neuen Perspektiven und kritischen Sichtweisen einen Raum zu geben."

Wie zum Beispiel durch das Interview mit Sadiq Jawad Suleiman, einem Diplomat und politischen Intellektuellen. Es ging um die Frage, wie nachhaltige Bildung aussehen muss und wie man "Denker" in der Gesellschaft aufbauen kann. Mit Dr. Muna Al Shukaili, Spezialistin im Bereich Kinder-Psychotherapie sprach er über "sexuelle Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche. Ein schwieriges und aktuelles Thema. Dr. Al Shukaili sagt, die Übergriffe könnten überall passieren, in der Schule, zuhause, in der Moschee. Die Gesellschaft und vor allem Kinder müssen darüber aufgeklärt werden, um sie so zu beschützen.

"Wir versuchen mit 'Alsekka' eine stabile Zuhörerschaft aufzubauen und eine digitale Community. Es ist hier sehr wichtig, so eine Plattform für verschiedene Sichtweisen und Denkansätze zu haben, wo man sich auch darüber austauchen kann. Die Entwicklung der Gesellschaft hängt auch von ihrer Bildung ab und von Informationsvielfalt."

Permanente Kontrolle

Der Podcast von "Alsekka" wird auf Facebook, Soundcloud, Twitter und Instagram veröffentlicht. Aktuell hätten sie rund 20.000 Follower in den Sozialen Medien, so Turki Al-Balushi und circa 50.000 Zuhörer. Warum die Zensur der Regierung bei den Podcasts nicht greift? Weil es sich nicht um eine nationale Webseite handelt, sondern Veröffentlichungen auf internationalen Apps. Aber früher oder später werden sie auch hier einen Weg finden, uns einzuschüchtern, meint Turki Al-Balushi.

"Es ist nicht einfach hier zu arbeiten, wegen der permanenten Kontrolle. Auch der Zugang zu Information ist schwierig, es dauert oft sehr lange, bis man sie bekommt. Man muss sehr smart sein, wenn man über Themen wie Politik, Menschenrechte schreiben oder sprechen möchte."

So sehr er an sein Projekt "Alsekka" glaubt – Veränderungen in der Gesellschaft sind durch offenen Meinungsaustauch und Bildung möglich - kein Interview und keine Geschichte ist es wert das Leben eines Journalisten zu gefährden, so Turki Al-Balushi.

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