Dienstag, 29. November 2022

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Politiker, Institutionen und Verbände verlangen mehr Schutz

Am heutigen Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen fordern Politikerinnen und Politiker, Verbände und Institutionen mehr Schutz für die Betroffenen. In vielen Bundesländern wird mit Aktionen und Demonstrationen auf die Missstände aufmerksam gemacht. In der Türkei haben die Behörden in mehreren Städten Demonstrationen von Frauen verboten und verhindert.

25.11.2022

    Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen
    Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Düsseldorf, Wilsfahrt, trägt bei einer Mahnwache eine Mütze mit der Aufschrift "Keine Gewalt gegen Frauen und Mädchen". (Oliver Berg / dpa / Oliver Berg)
    Bundesfamilienministerin Paus kündigte an, Frauenhäuser und andere Schutzeinrichtungen finanziell besser abzusichern. Deutschland habe die "Istanbul-Konvention" unterzeichnet und sich damit verpflichtet, dass jede Frau ein Recht auf Schutz vor Gewalt habe, sagte Paus im RBB. Bisher seien diese Einrichtungen aber eine freiwillige Leistung. Ihren Angaben zufolge gibt es derzeit in knapp einem Viertel der Landkreise und kreisfreien Städte kein Frauenhaus. Geplant ist laut Paus eine bundesweit einheitliche gesetzliche Regelung zur Finanzierung von Frauenhäusern und anderen Schutzeinrichtungen. Dazu sei sie mit den Ländern im Gespräch, erklärte die Grünen-Politikerin.

    NRW-Ministerpräsident Wüst erinnert an Proteste im Iran

    Nordrhein-Westalens Ministerpräsident Wüst betonte, jede Frau habe das Recht, ohne Angst und in voller Selbstbestimmung zu leben. Der CDU-Politiker sagte, im Iran gingen mutige Frauen auf die Straße, um für ihre Rechte und ihre Freiheit zu kämpfen. "Dass sie dafür um ihr Leben fürchten müssen, bedroht werden und Gewalt erfahren, entsetzt uns alle." Die Landeshauptstadt Düsseldorf setzte mit einer orangenen Bank mit dem Schriftzug "No Violence - kein Platz für Gewalt gegen Frauen und Mädchen" ein Zeichen. Der Landesintegrationsrat NRW verwies darauf, dass hier lebende Frauen und Mädchen mit internationaler Familiengeschichte doppelt gefährdet seien, Opfer von diskriminierender Gewalt zu werden.

    Schleswig-Holstein plant Kompetenzzentrum gegen geschlechtsspezifische Gewalt

    Schleswig-Holsteins Sozialministerin Touré rief zu mehr Schutz von Frauen vor Gewalt auf. Aktuelle Zahlen des Bundeskriminalamtes belegten, dass Gewalt gegen Frauen kein Randphänomen sei, sagte die Grünen-Politikerin. Sie kündigte an, in Schleswig-Holstein ein neues Kompetenzzentrum gegen geschlechtsspezifische Gewalt einzurichten. Künftig müssten auch Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderungen, Suchterkrankungen oder einer Migrationsbiografie stärker in den Blick genommen werden, betonte Touré.

    Pro Asyl: Geflüchtete Frauen besser vor Gewalt schützen

    Nach Ansicht von Pro Asyl und der Flüchtlingsräte der Bundesländer muss Deutschland mehr tun, um geflüchtete Frauen vor Gewalt zu schützen. Mit dem Krieg in der Ukraine, Unterdrückung und massiver Gewalt in Afghanistan und im Iran zeige das Jahr 2022 sehr deutlich, dass Frauen von Krieg und Krisen häufig besonders betroffen seien, hieß es in einer Erklärung.
    Weltweit sind demnach rund 50 Millionen Frauen auf der Flucht. In den Herkunftsländern sei physische, sexualisierte, psychische und strukturelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen vielfach alltägliche Praxis, hieß es. Dazu zählten Zwangsverheiratungen, drohende Femizide, Genitalverstümmelung und -beschneidung, häusliche Gewalt, Zwangsprostitution oder Menschenhandel. In Kriegen gehörten systematische Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen häufig zur Kriegsstrategie.

    Papst verurteilt Gewalt an Frauen

    Auch Papst Franziskus verurteilte die Gewalt an Frauen. Das Kirchenoberhaupt schrieb auf Twitter: "Gewalt gegen eine Frau zu verüben oder sie auszunützen, ist nicht einfach eine Straftat, sondern ein Verbrechen, das die Harmonie, die Poesie und die Schönheit zerstört, die Gott der Welt schenken wollte."
    Nach UNO-Angaben erlebt jede dritte Frau im Verlauf ihres Lebens physische oder sexualisierte Gewalt – zumeist innerhalb, oft aber auch außerhalb einer Partnerschaft. Sexualisierte Belästigung ist in dieser Zahl nicht inbegriffen. Seit 1981 wird am Todestag dreier Schwestern, die in der Dominikanischen Republik gegen die Diktatur kämpften, weltweit auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. 1999 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, die den 25. November offiziell zum "Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" machte.
    Diese Nachricht wurde am 25.11.2022 im Programm Deutschlandfunk gesendet.