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StartseiteSport am WochenendePolitische Feinde, sportliche Freunde16.05.2013

Politische Feinde, sportliche Freunde

Ringerteams aus den USA, Iran und Russland kämpfen gemeinsam für olympische Zukunft ihres Sports

Das war sprichwörtlich ein "großer” Bahnhof für die Ringer in New York. In der Grand Central Station trafen sich die Nationalteams der USA, des Iran und aus Russland zu einem nicht alltäglichen Schaukampf. Ihr Ziel: Ringen soll weiterhin olympisch bleiben - und deshalb werden auch schon mal politische Hürden übersprungen.

Von Heiko Oldörp

In der New Yorker Grand Central Station protestieren Ringkämpfer gegen die Streichung ihrer Sportart als olympische Disziplin. (picture alliance / dpa / John Angelillo)
In der New Yorker Grand Central Station protestieren Ringkämpfer gegen die Streichung ihrer Sportart als olympische Disziplin. (picture alliance / dpa / John Angelillo)

Rulon Gardner ist als Ringer 2000 Olympiasieger und ein Jahr Weltmeister geworden – und hat in seiner Karriere so ziemlich alles erlebt. Doch die Atmosphäre kurz vor dem Ringer-Schaukampf zwischen den USA, dem Iran und Russland in der New Yorker Grand Central-Station lässt ihn, der jetzt als TV-Experte arbeitet, nicht kalt.

"”Die Vorfreude hier in der Arena ist fast so groß wie bei einem Olympia-Finale. Und zu sehen, wie Russland, Iran und die USA, also die drei führenden Ringernationen, ein weltweites Zeichen setzen, ist etwas ganz Besonderes.”"

Im größten Bahnhof der Welt machen die drei Supermächte des Mattensports gemeinsame Sache – mitten in Manhatten, vor tausenden Zuschauern. Sie treten gegeneinander an, kämpfen aber dennoch zusammen, denn sie wollen, dass ihr Sport auch weiterhin olympisch bliebt – und nicht ab 2020 aus dem Programm der Sommerspiele gestrichen wird, wie es die IOC-Exekutive im Februar empfohlen hatte.

""Schauen Sie, wer hier Schulter an Schulter steht – die USA, Russland und der Iran. Und dann fragen Sie sich, wann haben diese drei zuletzt irgendetwas im Gleichschritt gemacht?”"

Diese Anmerkung von TV-Moderator Jimmy Roberts ist durchaus berechtigt – und vor allem die Zusammenarbeit der USA mit dem Iran ein gewaltiges Statement. Auf politischer Ebene haben beide Nationen schon seit vielen Jahren komplett gegensätzliche Ansichten. Botschaften im jeweils anderen Land gibt es nicht. Auf der Ringermatte hingegen sprechen sie die selbe Sprache. Beim Weltcup im Februar in Teheran traf Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad gar das US-Team – einer von Amerikas größten politischen Gegnern macht sich ebenfalls für den Erhalt des Ringens im Olympia-Programm stark.

Vor den Augen von Nenad Lalovic, dem Präsidenten des Ringer-Weltverbandes Fila, verliert das junge US-Team gegen die Iraner mit 1:6. Doch das ist für Olympiasieger Jordan Burroughs zweitrangig.

"”Veranstaltungen wie diese sind wunderbar, denn wir finden für gewöhnlich kaum Beachtung in den Medien. Deshalb ist heute ein guter Tag fürs Ringen. Wir haben gute Kämpfe, müssen künftig nur etwas mehr Unterhaltung und Flair hinzufügen. Ich hoffe, dann wird die Entscheidung rückgängig gemacht.”"

Am Wochenende trifft sich die FILA in Moskau – es sollen einige Reformen beschlossen werden, um Ringen attraktiver zu machen. Ende des Monats bewerben sich die Ringer dann bei einer IOC-Versammlung in Sankt Petersburg zusammen mit sieben anderen Sportarten um einen freien Platz im Programm für die Sommerspiele 2020. Die endgültige Entscheidung fällt das IOC im September in Buenos Aires.

Rulon Gardner hofft, dass vor allem der Schulterschluss der Teams aus Amerika und dem Iran die IOC-Oberen beeindruckt hat.

"”Dies ist wohl eine einzigartige Gelegenheit für beide Länder gewesen, zusammenzukommen und für ihren Sport zu werben. USA und Iran sind eine Art Repräsentanten des Ringens und ihre Botschaft an das IOC ist klar: Seht her, wie großartig Ringen ist, welche Tradition es hat. Unser Sport bringt uns zusammen – und darum gehts doch bei den Olympischen Spielen.”"

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