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StartseiteQuerköpfeZingsheim braucht Gesellschaft 18.11.2020

Politische Radioshow zur Krise der KulturZingsheim braucht Gesellschaft

"Das Glück hat nur Burn-out, das kommt wieder." Optimistisch blickt die Kabarettistin Tina Teubner bei "Zingsheim braucht Gesellschaft" auf die Kultur in Coronazeiten. In der politischen Radioshow thematisierte Martin Zingsheim mit seinen Gästen die Krise, aber auch Ideen zur Unterstützung der Kleinkunst.

Aufgezeichnet am 15. November 2020 im Deutschlandfunk

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Martin Weber, Claus Schulte, Martin Zingsheim und Johanna Zeul stehen als Band m Hörspielstudio des Deutschlandfunks (Deutschlandradio/Christoph Weyer)
Martin Weber, Claus Schulte und Martin Zingsheim rockten mit Johanna Zeul "Zingsheim braucht Gesellschaft" (Deutschlandradio/Christoph Weyer)

Zu Gast in der Show, die diesmal ohne Publikum im Deutschlandfunk aufgezeichnet wurde, waren neben Tina Teubner und ihrem Pianisten Ben Süverkrüp auch die Musikerin Johanna Zeul, der Poetry Slammer Sulaiman Masomi, die Düsseldorfer Bürgermeisterin Clara Gerlach und Christos Smilanis von der Intitiative "Kultur erhalten". Ursprünglich zum ersten Mal im Düsseldorfer Kabarettheater "Kom(m)ödchen" geplant, empfing Martin Zingsheim seine Gäste im Hörspielstudio des Deutschlandfunks in Köln. 

Gemeinsam sprach er dort mit ihnen über die Situation der Künstler*innen und der gesamten Kleinkunstszene seit dem ersten Lockdown und diskutierte die Folgen, die eine derzeit drohende, langfristige Schließungen von Theatern und Agenturen für die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft mit sich bringen kann.

Martin Zingsheim,Clara Gerlach, Christos Smilanis und Johanna Zeul sitzen auf Stühlen im Hörspielstudio des Deutschlandfunks (Deutschlandradio/Christoph Weyer)Martin Zingsheim in bester Gesellschaft mit Clara Gerlach, Christos Smilanis und Johanna Zeul (Deutschlandradio/Christoph Weyer)

"Kultur ist demokratierelevant"

Clara Gerlach, Bürgermeisterin der Grünen in Düsseldorf bezeichnete die Kulturszene als "demokratierelevant" und zeigte als Kommunalpolitikerin selbst Unverständnis für die späte Berücksichtigung der Kultur von Seiten der Regierung. Zugleich erinnerte sie daran, dass es vor allem in NRW durch zusätzliche Stipendien und Soforthilfen durchaus Unterstützung auf Landesebene gegeben habe und verteidigte in diesem Zusammenhang die NRW-Kulturministerin, Isabel Pfeiffer-Poensgen. Angesichts deren Engagements für die gesamte Szene bezeichnete Clara Gerlach die scharfe Kritik, die unlängst an ihrer unglückliche Verwendung des Begriffes "Extrawurst" geäußert wurde, als überzogen.

Christos Smilanis, Inhaber einer Künstler*innen-Agentur in Düsseldorf und Mitbegründer der Intitiave "Kultur erhalten", bestätigte die vergleichsweise bessere Situation der Kulturbranche in NRW, kritisierte aber in sehr deutlichen Worten die fehlende finanzielle und politische Unterstützung aller Soloselbstständigen bundesweit, vor allem zu Beginn der Pandemie. Zudem wies er darauf hin, dass die angekündigte Novemberhilfe zwar ein willkommener, aber auf lange Sicht längst nicht ausreichender Ausgleich für die hohen Verluste der Branche darstelle, zumal die Auszahlung erst Ende des Monats beginne. Zugleich betonte er, dass die Inititiative "Kultur erhalten" und die Mehrzahl der Künstler*innen trotz allem die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie unterstützten. In diesem Kontext berichtete er auch von seiner zusätzlichen Arbeit als ausgebildeter Krankenpfleger, bei der er täglich mit den gravierenden Folgen von Covid konfrontiert wird.

Johanna Zeul erinnerte schließlich an die globalen Folgen der Pandemie und wies darauf hin, dass vor allem Musiker*innen in anderen Ländern mit noch existenzielleren Problemen konfrontiert seien, als in Deutschland. So sorgten sich viele Künstler*innen in den USA zum Beispiel nicht um die späte Auszahlung von Geldern, sondern lebten bereits in Zelten, da jegliche finanzielle Unterstützung fehle. 

Kaum Wohnungen für Soloselbstständige Künstler*innen

Von der oft ebenfalls schwierigen Wohnungssuche für soloselbständige Künstler*innen in deutschen Städten konnte auch der Poetry-Slammer Sulaiman Masomi berichten. In seinem Stand-up erzählte er von seiner Wohnungssuche in Köln, bei der er nach über 150 Besichtigungen nur Absagen erhalten habe. Nicht zuletzt, weil er das vermeintliche Defizit als soloselbstständiger Künstler noch mit einem Migrationshintergrund toppen könne. Eine Kombination, durch die er sich selbstironisch als "Traum aller deutschen Vermieter" bezeichnete. Damit kritisierte Sulaiman Masomi auch den gesellschaftlichen Status, den sowohl Soloselbstständige als auch Migranten in Deutschland oft noch immer haben. 

Sulaiman Masomi steht am Mikro im Hörspielstudio des Deutschlandfunks (Deutschlandradio/Christoph Weyer)Sulaiman Masomi während seines Auftritts bei "Zingsheim braucht Gesellschaft" (Deutschlandradio/Christoph Weyer)

"Das Glück hat nur Burn-out"

Die Kabarettistin Tina Teubner wagte in ihren Liedern, begleitet von Ben Süverkrüp am Klavier, schließlich einen positiven Blick auf die Pandemie und erzählte, dass bei ihr die besten Texte immer in Krisenzeiten entstanden seien. So appellierte sie in einem ihrer Songs an die Kraft der schönen Erinnerungen und blickte selbst aus der Zukunft zurück auf die Zeit der Pandemie: "Weißt du noch damals, als Corona war und wir am Sofa lagen und Deutschlandfunk gehört haben? Da warst du so schön!". 

Ben Süverkrüp sitzt am Flügel, Tina Teubner spielt Geig (Deutschlandradio/Christoph Weyer)Tina Teubner und Ben Süverkrüp (Deutschlandradio/Christoph Weyer)

Sendetermine

Zuhören ist "Zingsheim braucht Gesellschaft - Krise der Kultur" am 18. und 25. November um 21:05 Uhr in der Sendung "Querköpfe"

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