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StartseiteKommentare und Themen der WocheNeue Töne und gelungene Show06.03.2019

Politischer Aschermittwoch der CSUNeue Töne und gelungene Show

Neue Zeiten sieht Tobias Krone in der CSU mit Ministerpräsident Markus Söder angebrochen: Er habe die Kraft, die man die letzten Jahre vermisst habe. Die Zeiten des lustlosen Redners Seehofer seien vorbei. Und: Dank EVP-Kandidat Manfred Weber sei auch ein proeuropäischer Stammtisch gelungen.

Von Tobias Krone

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Manfred Weber (r) und Markus Söder drängen sich durch die Menschenmenge. Weber winkt mit der rechten Hand. (dpa/ Peter Kneffel)
Politischer Aschermittwoch der CSU in Bayern: Ministerpräsident Markus Söder (li.) und der Europapolitiker Manfred Weber im Gedränge in Passau (dpa/ Peter Kneffel)
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Die Frühlingssonne beschien sie heute – die CSU auf ihrem politischen Aschermittwoch in Passau. Doch es ist beim genaueren Hinschauen der Glanz einer alten Zeit, den Markus Söder und Manfred Weber da heraufbeschworen – einer Zeit der alten Männer. Immerhin. Die Show ist gelungen. Die Konservativen begingen einen launigen Aschermittwoch.

Söder hat die Kraft, die man die letzten Jahre vermisste

Markus Söder, der in den ersten Monaten seines Ministerpräsidentenamtes schon beunruhigend bräsig wirkte, er blies munter und jovial zum Angriff auf die politische Konkurrenz. Mitunter witzig war das, auch die Chuzpe, mit der Markus Söder seine Kopie des Drei-Tage-Barts von Grünen-Chef Robert Habeck damit erklärte, dass man bei der CSU längst so lässig sei wie die Grünen, dass bei der CSU nur mehr wachse. Derblecken nennt man das auf Bayerisch: die Kunst, den anderen hochzunehmen, ohne auf Selbstironie zu verzichten. Söder hat zudem die Kraft, die man die letzten Jahre über in Passau vermisste. Die Jahre des eher lustlosen Redners Horst Seehofer sind vorbei.

Auch proeuropäischer Stammtisch kann gelingen

Auch der Spitzenkandidat für die Europawahl, Manfred Weber, machte eine gute Figur in der Dreiländerhalle. Von dem Niederbayern erwartete niemand harte Attacken, das ist nicht sein Typ. Dafür setzte er mit seiner  authentischen Art die positiven Seiten seines Europas ins Licht. Ja, auch ein proeuropäischer Stammtisch kann gelingen, und das ist beruhigend. Denkt man an den Politischen Aschermittwoch vor fünf Jahren zurück, als sich Weber das Europathema noch mit CSU-Hardliner Peter Gauweiler teilen musste, der die EU-Kommission bei seiner Aschermittwoch-Rede als "Flaschenladen" bezeichnete. Es war der Auftakt zu einer Serie von herben CSU-Wahlverlusten, die bis ins vergangene Jahr reicht. So eine gauweilersche Entgleisung ist mit dem gegenwärtigen Gespann Weber-Söder nicht mehr vorstellbar. Die Frage ist nur, ob das genug ist, um zukunftsfähige Politik zu verkörpern.

Die Definition von Volkspartei verändert sich gerade radikal

Reicht es, allein den teils selbst mitverursachten Kontrollverlust im politischen Diskurs der vergangenen Jahre zu bannen, um wieder Volkspartei zu sein? – Man kann daran so seine Zweifel haben. Schließlich verändert sich die Definition von Volkspartei gerade radikal. Und nirgendwo lässt sich das so gut beobachten wie auf dem Aschermittwoch, bei dem sich das Selbstbild einer Partei offenbart. Allein beim Geschlechterverhältnis. Die SPD hielt den Aschermittwoch an seiner Geburtsstätte im Passauer Nachbarort Vilshofen ab. Traditionsbewusst – und doch deutlich vorwärts orientiert. Drei Frauen teilten sich hier die Bühne, darunter die vielen unbekannte Europapolitikerin Maria Noichl aus Rosenheim, die bei ihrer Rede im Dirndl deftigen bayerischen Dampf erzeugte – und damit die Zuhörer begeisterte. Eine Frau, die Stammtisch kann. Ja, so etwas geht. Man muss sie eben suchen. Und die CSU sollte damit einmal anfangen.

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