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StartseiteInformationen am MorgenDie Macht von Fox News10.07.2019

Politisches TV in den USADie Macht von Fox News

Manchen Moderatoren des konservativen TV-Senders FOX News wird nachgesagt, dass sie einen größeren Einfluss auf US-Präsident Donald Trump haben, als einige seiner engsten Berater. Dabei solle man die Macht des Senders laut Experten nicht überschätzen. Denn er bestätige nur bereits bestehende Sichtweisen.

Von Philipp May

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Morgensendung "Fox and Friends" beim TV-Sender Fox News: US-Außenminister Mike Pompeo als Studiogast im Interview (imago / Ron Przysuch)
Auch US-Außenminister Mike Pompeo war schon Gast bei der Morgensendung "Fox and Friends" (imago / Ron Przysuch)
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6 Uhr morgens, ich hole mir schnell einen Kaffee und dann beginne ich mein kleines TV-Experiment.

Und damit dürfte ich mit einiger Wahrscheinlichkeit gerade das Gleiche machen wie Donald Trump. Der guckt nämlich auch immer Frühstücksfernsehen, natürlich Fox News und die Sendung heißt: Fox and Friends.

Drei Moderatoren sind zu sehen, zwei Männer eine Frau, die sich über die aus wichtigsten Themen des Morgens unterhalten. Ein ganz großes Thema heute in allen Zeitungen: Dass die US-Frauen bei der Fußball-WM dem Titel gewonnen haben und sich gleichzeitig positioniert haben, unter anderem gegen Donald Trump. Auch die drei von Fox and Friends greifen das auf:

"Wird er sie ins Weiße Haus einladen und werden sie dann auch hingehen?"

"Und wenn Sie nicht gehen, was passiert dann?"

"Na dann werden sie schon ihre Antwort bekommen und es wird mit Sicherheit eine treffende Antwort sein. Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten, der für Gleichberichtigung von Frauen eingetreten ist und alle diese guten Sachen macht, wenn der die einlädt, dann gehst du ins Weiße Haus und feierst deinen Sieg."

"Es ist eine Schande, dass Sie eine politische Sache draus gemacht haben. Aber gleichzeitig bin ich so begeistert, dass die Vereinigten Staaten gewonnen haben. Wir sind wieder Nummer Eins!"  

Der vermeintlich harte Linksruck der Demokraten

Kurze Werbepause. Weiter geht es mit dem eigentlichen Thema der nächsten drei Stunden: Der vermeintlich super harte Linksruck in der demokratischen Partei.

"Vor vier Jahren hat es noch keine Anhaltspunkte gegeben, dass sie illegale Grenzübertritte entkriminalisieren wollen. Es hat auch noch keine Unterstützung für Städte gegeben, die Migranten nicht zurück deportieren."

"Absolut! Wir sehen, sie entkriminalisieren die Grenze, unterstützen die Migrantenstädte, versorgen die Illegalen mit Führerscheinen und kostenloser Krankenversorgung. Und dann überprüfen sie nirgendwo deren Identität."

Wieder große Einigkeit und vor allem Empörung in der Runde über die Demokraten, was sich auch mit dem nächsten Interviewgast nicht ändert.

Scott Taylor, republikanischer Kongressabgeordneter aus Virginia. Wobei Interview für das, was jetzt kommt, eigentlich das falsche Wort ist.

"Ich bin ja oft bei euch, bei Fox and Friends, und ich weiß das immer zu schätzen. Ihr macht einen fantastischen Job, seit fantastisch und Patrioten", sagt Taylor, ganz offensichtlich ein "Friend" von Fox und hat dann noch eine große Ankündigung zu machen.

Er spüre im demokratisch regierten Virginia den Hunger nach einem Führungswechsel, sagt er: "Wir haben eine Führungskrise. Deswegen werde ich bei der nächsten US-Senatswahl kandidieren."

Die Antwort der Moderatoren: "Very cool!"

Fox News spiegelt den konservativen Block Amerikas

Im Hintergrund läuft Werbung, ich mache mal leiser und ziehe ein kleines Zwischenfazit nach drei  Stunden Frühstücksfernsehen Fox and Friends: Ich habe viel Kritik an den Demokraten und viel Lob für Trump und die Republikaner gesehen.

Was macht das mit den Zuschauern? Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie glauben zwölf Prozent der Fox-News-Zuschauer an den Menschen gemachten Klimawandel und 78 Prozent der Fox-News Seher halten Trump für den erfolgreichsten Präsidenten in der Geschichte der USA.

Das wirft natürlich Fragen auf und die hat mir der Medienwissenschaftler Michael Socolow von der University of Maine beantwortet.

Fox News spiegelt den konservativen Block Amerikas wieder und bestärkt ihn, sagt Socolow. Er schätzt ihn auf rund 30 Prozent der Wahlberechtigten.

Natürlich würden die Meinungssendungen auf Fox News keinen journalistischen Standards entsprechen, aber:

"Kabelfernsehen in den USA funktioniert nun mal so, dass das Programm entsprechend den Wünschen seiner Zielgruppe angepasst wird, Genauso wie MSNBC seine Meinungsinhalte absolut seiner linksliberalen Zielgruppe anpasst, tut FOX News das für seinen Wählerblock. So läuft das halt heute hier."

Der Mann, mit Einfluss auf Trump

Primetime, 20 Uhr - jetzt schauen rund drei Millionen Menschen zu. Zuerst: Eine Stunde lang Tucker Carlson. Er gilt als der Moderator, der teilweise mehr Einfluss auf Donald Trump haben soll als seine engsten Berater. Er ist ein Isolationist und ein Nationalist, also genau wie Trump, und seine Sendung ist im Prinzip ein reiner Monolog. Seine Lieblingsfeinde: Das so genannte Establishment, vorwiegend die Demokraten:

"In den fast 200 Jahren ihres Bestehens sind die Demokraten von einer normalen Partei zu einem religiösen Kult geworden. Widerspruch wird dort nicht mehr geduldet. Jeder der den Linkskurs kritisiert, wird als rassistischer Häretiker gebrandmarkt."

Und zum Beweis lässt Carlsen einen Mitarbeiter des ultrarechten Newsportals Breitbart News zu Wort kommen, der gerade ein Buch über die Erfolge von Donald Trump veröffentlicht hat:

"Die Demokraten sind zu einer Partei der offenen Grenzen geworden, der nachgeburtlichen Abtreibung, Sie unterstützen Menschenschmuggel an der Grenze. Es ist der totale Irrsinn. Und wie sie schon gesagt haben, jetzt will Joe Biden auch noch kostenlose Krankenversorgung für illegale Einwanderer."

Ein Journalist, der Wahlkampf macht

Nach einer Stunde Tucker Carlsen geht es mit dem berühmtesten Moderator aus der Fox-News Welt weiter: Sean Hannity, der kurz vor den Zwischenwahlen letzten Herbst sogar noch zusammen mit Trump Wahlkampf machte.

"Versprechen gemacht, Versprechen gehalten", rief er damals in die Menge. Und auch heute gibt es für ihn nur eine Richtung: die Erfolge von Donald Trump gegen die Bösartigkeit der Mainstream-Medien und die vermeintlich korrupten Demokraten, allen voran Trumps wahrscheinlicher Gegenkandidat Joe Biden, beziehungsweise er nennt ihn anders:

"Schläfriger, gruseliger, verrückter Onkel Joe".

Mittlerweile ist es 10 Uhr Abends. Vor 16 Stunden habe ich den Fernseher eingeschaltet, die ganze Zeit lief hier ununterbrochen Fox News. Joe Hannity übergibt jetzt an die nächste Scharfmacherin: Laura Ingraham.

Ich frage mich, was macht diese Art des politischen Fernsehens. Wie viel Einfluss hat Fox News mit dieser Art der Berichterstattung, eine Stimmung im Land nachhaltig zu drehen, zu verändern. Deshalb hab ich Michael Socolow, dem Experten von der University of Maine, noch einmal eine Sprachnachricht geschickt. Gerade eben habe ich dankenswerterweise die Antwort von ihm bekommen. Und damit entlasse ich sie und mich aus diesem Experiment.

"Fox News verstärkt die Motivation von Republikanern, Republikaner zu wählen, aber Fox News überzeugt keine Leute. Als Nicht-Konservativer wird dich Fox News kaum dazu bringen, konservativ zu wählen. Wenn Fox News so viel Macht hätte, dann müsste Donald Trump viel populärer sein und dann hätte er nicht die Zwischenwahlen verloren. Die Macht von Fox News wird maßlos überschätzt."

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