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StartseiteFirmenporträtAusstatter für den Streifenwagen27.12.2019

Polizeiausrüster FassbenderAusstatter für den Streifenwagen

Auf alle Wechselfälle des Lebens müssen Polizisten in ihren Streifenwagen vorbereitet sein. Dafür brauchen sie eine spezielle Ausrüstung an Bord. Die zu besorgen, ist das Geschäft einer Firma im Bergischen Land. Viel Konkurrenz hat die nicht.

Von Mirko Smiljanic

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Lastwagen rollen am 21.10.2015 auf der Autobahn 12 nahe der deutsch-polnischen Grenze an einem Streifenwagen der Bundespolizei vorbei. (pa/dpa/Gabbert)
Bundesweite einheitliche Standards gibt es für Einsatztechnik in Streifenwagen nicht (pa/dpa/Gabbert)
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Dezember 2019, irgendwo zwischen Leverkusen und Kürten. Es dämmert, Nieselregen und Dunst lassen die B 506 fast verschwinden. Mit moderaten 50 Kilometern pro Stunde nähert sich der Wagen einer weiten Rechtskurve. Kein Problem für den Fahrer – trotzdem wird er Sekunden später in einen Unfall verwickelt.

Der Wagen kollidiert mit einem ausgewachsenen Wildschwein, das urplötzlich aus dem Dickicht auftaucht und die Straße überquert. Polizei und Notarzt sind rasch vor Ort und beginnen routiniert mit ihrer Arbeit: Sie versorgen den Fahrer, sichern die Unfallstelle ab, machen Fotos, vermessen Bremsspuren und so weiter.

Alles, was im Streifenwagen dabei ist

Dafür brauchen Polizeibeamten Ausrüstung – viel Ausrüstung. Und die wird unter anderem von der Firma "Fassbender Einsatztechnik" aus Reichshof in Nordrhein-Westfalen geliefert. 

"Man kann sagen, alles das, was im Streifenwagen mitgeführt wird, vom Absperrband bis zur Leichenabdeckfolie, das ist alles in unserem Portfolie enthalten,"

erklärt Firmengründer Stefan Fassbender, der hinter einem Schreibtisch voller Bestellungen sitzt. Gegen Ende des Jahres ordern Polizeibehörden aus ganz Deutschland vermehrt Bandmaße und Atemschutzmasken, Besen und Schaufeln, Erkennungswesten und Handschuhe, Pfefferspray und Kameras, Stative und Taschenlampen – die Liste ließe sich beliebig verlängern. Das Lieferprogramm umfasst mittlerweile mehrere Tausend Einzelposten.

Mit dem Alarm-Zug-Drehschalter fing es an

Das war nicht immer so. Gegründet hat Stefan Fassbender die Firma 1990, um ein einziges Produkt zu verkaufen.

"Der Grund war, dass ich früher beim Rettungsdienst der Stadt Köln tätig war und es dort Bedarf gab an verschiedenen Artikeln, zum Beispiel ein sogenannter Alarm-Zug-Drehschalter, und den gab es wenn er kaputt war einfach nicht zu kaufen. Den gab es einfach nicht! Man hatte am Rettungswagen entweder das Blaulicht an oder man hatte es aus und dann stand man da. Und der Boschdienst hatte diese Artikel nicht, und ich hab mir dann irgendwann überlegt, da muss doch Abhilfe geschaffen werden, hab ein Gewerbe angemeldet und bei Hella 20 Alarm-Zug-Drehschalter."

Die weggingen wie warme Semmeln! Der Mitarbeiter des Kölner Rettungsdienstes hatte eine Marktnische gefunden und in der Folgezeit rasch ausgebaut hat. Mittlerweile versorgen fünf Angestellte Polizeidienststellen im gesamten Bundesgebiet mit Einsatztechnik, hinzukommen Geschäftskontakte nach Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien und in die Niederlande. Knapp eine Million Euro jährlich erwirtschaftet "Fassbender Einsatztechnik" – die sich die Rechtsform einer "Einzelfirma" gegeben hat.

Alles außer Waffen

Computer, Kommunikationssystem und Waffen hat das Unternehmen nicht im Sortiment. Ohne Hightech kommt aber auch der Polizeiausrüster aus dem Bergischen Land nicht aus. So habe man etwa Systeme zur digitalen Unfallaufnahme im Angebot, erklärt Andreas Lürding von "Fassbender Einsatztechnik".

"Wir arbeiten da mit einem Kooperationspartner zusammen, der im Bereich Landvermessung tätig ist, und da haben wir ja ähnliche Ansatzpunkte. Zum Thema "Digitale Unfallaufnahme" können Sie sich verschiedene Szenarien und verschieden Preisgruppen von Gerätschaften vorstellen. Das fängt mit einer einfachen Kamera an bis hin zu lasergestützten Mitteln oder halt Drohnen und so weiter."

Welche Einsatztechnik Streifenwagen im Detail mit sich führen, bestimmen die Polizeibehörden in Eigenregie – bundesweite einheitliche Standards gibt es nicht. Für den einzelnen Polizisten kann das unangenehme Folgen haben.

Bei der Polizei wird stark aufs Geld geguckt

Um Geld zu sparen, steht die Qualität eines Produktes mitunter an letzter Stelle. "Fassbender Einsatztechnik" hat sich auf diese Situation eingestellt.      

"Und da haben wir natürlich die Situation, dass die Behörden von den Mitteln her begrenzt sind, das heißt, spezielle Sachen, die sehr, sehr teuer sind, aber häufig benutzt werden müssen, in entsprechender Stückzahl gar nicht beschafft werden können. Vor dem Hintergrund ist es wichtig, dass man auch Einsatzmittel und entsprechende Techniken anbietet, die im mittelpreisigen Segment angesiedelt sind, so dass sie auch in entsprechender Stückzahl beschafft werden können."

Der kleine Warnwesten-Unterschied

In einigen Punkten legen Deutschlands Polizeibehörden aber doch Wert auf ein einheitliches Auftreten. Die klassische Polizeiweste gehört dazu. Vor Stefan Fassbenders Schreibtisch stehen zwei Polizeidummys mit Warnesten. Sie sehen zwar ähnlich aus, identisch sind sie aber nicht.

"Es gab die Warnweste "Polizei 2000", dann gab es die Warnweste "Polizei 2010", die sehen Sie jetzt und die sieht auch jeder im Fernsehe immer, die ist so gelb und mit einem blauen Balken auf Brust und Rücken, auf dem dann weiß reflektierend steht "Polizei", das ist das, was alle schon kennen."

Aber demnächst aus dem Straßenbild verschwindet. Die neue Weste trägt den Namen "Polizei 2020" und ähnelt in ihrer Markierung britischer Polizeiausrüstung.

"Das geht es um eine Art Schachbrettmuster, das erstens für eine bessere Erkennbarkeit sorgt, und zweitens auf das Gegenüber des Polizeibeamten eine beruhigende Wirkung ha, so ist jedenfalls die Symbolik des Schachbrettmusters erklärt."

Ohne engen Kontakt zu den Polizeibehörden geht gar nichts. Bei der Entwicklung neuer Produkte geben sie in aller Regel erste Ideen vor – so Stefan Fassbender.

"Wir bringen diese Ideen erstmal zu Papier, das Papier sprechen wir mit Techniker durch, mit Designern, und so entsteht dann immer in ganz kleinen Schritten irgendwann ein Endprodukt. Dieses Endprodukt wird dann den einzelnen Behörden vorgestellt, natürlich nicht allen Dienststellen der Polizei, aber so ein paar wichtige, ich sag jetzt mal, München zum Beispiel, Berlin oder auch Köln. Die sagen dann, ja, das ist gut, oder wir ändern dies oder das oder wir ändern die Schrift, wir ändern das Leuchtmittel, wir ändern die Schalter."

Viel Konkurrenz gibt es nicht

Wenn alles gut geht, winkt ein größerer Auftrag, ob er tatsächlich kommt, ist allerdings nicht gesichert. Ein echtes Problem sind diese Unsicherheiten aber nicht, dafür ist die Liste der "Marktbegleiter", wie Fassbender Konkurrenzunternehmen nennt, einfach zu kurz.

"Wir spreche von drei bis vier Firmen in Deutschland. Alles andere, was da auch einen Fuß in die Tür der Polizei bekommen möchte, ist zu vernachlässigen.

Polizeiausrüster bedienen einen Nischenmarkt – allerdings einen großen mit hohem Wachstumspotenzial. 

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