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StartseiteCorsoCharts, Bestsellerlisten und Beliebtheitsrankings 16.10.2018

Populäre KulturenCharts, Bestsellerlisten und Beliebtheitsrankings

Popkultur galt lange Zeit gegenüber einer ernsten, höheren Kultur als minderwertig. Was ist populäre Kultur und was kann überhaupt populär werden? "Alles" - sagte Germanist Niels Penke im Dlf. Das Populäre sei selbst zur Kategorie geworden - als das Erfolgreiche, das sich anhand von Rankings misst.

Niels Penke im Gespräch mit Fabian Elsäßer

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Sitzende Ballerina von Jeff Koons auf dem Rockefeller Plaza in New York (imago stock&people / Richard Levine)
Sitzende Ballerina von Jeff Koons (Rockefeller Plaza - New York) (imago stock&people / Richard Levine)
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Helene Fischer und die Bayreuther Festspiele – das sind zwei Welten. Massenunterhaltung hier, Hochkultur da. Doch Moment: in ihrem Genre sind die Bayreuther Festspiele ja auch sehr populär.  Auf die rund 58.000 Karten je Spielzeit kam in manchen Jahren bis zu eine halbe Million Kartenbestellungen. Es ist eben doch nicht so leicht mit der ewigen Trennung zwischen E und U, ernster Kunst und Unterhaltung, die in Deutschland so viel größer ist als in anderen Ländern.

Das Populäre als rein quantitative Bestimmung

Matthias Schaffrick und Niels Penke vom Germanistischen Seminar der Universität Siegen schaffen sie kurzerhand ab in ihrem Buch "Populäre  Kulturen – eine Einführung". Darin heißt es etwa: "Populär ist das, was Beachtung findet und Charts, Bestsellerlisten und Beliebtheitsrankings anführt." Auf die Frage, ob das nicht vieles ausschließen würde wie Indie-Pop zum Beispiel, sagte Penke im Dlf:

"Das Populäre ist eine rein quantitative Bestimmung. Pop hingegen verstehen wir als ästhetisches Verfahren, das populär sein kann, aber nicht sein muss."

Warum sich populäre Kultur und Hochkultur heute aus Sicht von Penke gar nicht mehr so gut unterscheiden ließen, sagte der Germanist:

"Hochkulturelle Institutionen stünden heute auch unter dem Druck, sich quantitativ zu legitimieren, über Auslastungstahlen, Besucher, Beachtung."

Wir haben noch länger mit Niels Penke gesprochen - hören Sie hier die Langfassung des Gesprächs

Der Blick auf die populären Kulturen würde verraten, das heute alles komplexer und diverser sei - so Penke weiter. Das hätte auch mit der Digitalisierung und dem Wandel der Massenmedien zu tun:

"Viele nutzen Netflix, aber gucken alle etwas anderes. Dieser 'Wetten dass...?'- Effekt - das, was Massenmedien mal geleistet haben - alle mit der gleichen Information, mit dem gleichen Format, zu bedienen, das hat sich diversifiziert."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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