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StartseiteInterview"Medien gehen Trump und Johnson auf den Leim"06.10.2019

Populismus"Medien gehen Trump und Johnson auf den Leim"

Bei dem Erfolg von Politikern wie Donald Trump und Boris Johnson spielten Medien eine problematische Rolle, sagte der Historiker Bernd Greiner im Dlf. Dadurch, dass sie auf jede Provokation reagieren, würden sie sich ungewollt zu Komplizen dieser Politik machen.  

Bernd Greiner im Gespräch mit Änne Seidel

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Links sitzt Boris Johnson, rechts Donald Trump vor ihren jeweiligen Landes-Flaggen (imago/ZUMA Press/White House)
Politiker wie Johnson und Trump spielen mit Machtbedürfnissen und Allmachtsphantasien, sagte der Historiker Bernd Greiner (imago/ZUMA Press/White House)
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Der Historiker Bernd Greiner machte im Dlf darauf aufmerksam, dass Politiker wie Boris Johnson und Donald Trump den Medien durch ihre Provokationen ständig ungewöhnliche Nachrichten bieten würden. Das sei für die Medien eine große Versuchung und leider würden sie "über jedes Stöckchen springen", das ihnen hingehalten werde. Diese Situation sei aus historischer Sicht neu. Greiner rief die Medien darum dazu auf, über diese Rolle selbstkritischer als bisher nachzudenken.

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Greiner analysierte zudem die Vorgehensweise von Politikern wie Donald Trump, Boris Johnson, Benjamin Netanjahu, Matteo Salvini oder auch Heinz-Christian Strache. Der Erfolg dieses Politikertyps sei ein weltweites Phänomen. In einer Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit würden sie mit dem Schutz-, Macht- und Kontrollbedürfnis großer Teile der Bevölkerung spielen - und zwar perfekt. So würden sie etwa suggerieren für alle komplexen Probleme - wie etwa Strafzölle und Einwanderung - einfache Lösungen zu haben. Gemeinsam sei allen, dass sie besser als andere desorientierte Stimmungen lesen könnten - und diese Desorientierung für ihre Zwecke ausbeuten.

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Wie können Politiker reagieren?

Politikern und Journalisten gab Greiner den Rat, nicht auf die Provokationen der Populisten einzugehen. Politiker sollten tradierten Feindbildern eine Absage erteilen und Zivilität selber vorleben. Auf keinen Fall dürfe das legitimen Schutzbedürfnis der Bevölkerung zum Spielball der eigenen politischen Karriere werden. Man müsse es stattdessen ernstnehmen.

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