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StartseiteInformationen am MorgenZiegen als Brandschützer17.06.2019

PortugalZiegen als Brandschützer

Die Folgen der verheerenden Waldbrände in Portugal sind auch nach zwei Jahren immer noch allgegenwärtig. Um künftig solche Katastrophen zu verhindern, setzt das Land mittlerweile verstärkt auf Waldbrandprävention - und dabei auf vierbeinige Helfer.

Von Marc Dugge

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Hirte in traditioneller Hirtenkleidung hütet Ziegen in der Serra de Estrela, Region Centro, Portugal. (picture alliance / imagebroker)
Neue und zugleich alte Aufgabe für Ziegen: Staubsauger für trockene Äste und Zweige (picture alliance / imagebroker)
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Ein Wasserbecken am Rande der Ortschaft Nodeirinho. Zwölf Menschen hatten hier über Stunden in dem Wasser ausgeharrt, bis sie die Feuerwehr retten konnte. Ein Denkmal erinnert heute daran. Der Staatspräsident persönlich hat es vor einem Jahr eingeweiht, die Waldbrände von damals sind ein Trauma für ganz Portugal.

Katastrophe noch allgegenwärtig

Nur wenige Hundert Meter von hier befindet sich die Straße, auf der 47 Menschen mit ihren Autos von den Flammen eingeschlossen wurden. Keiner überlebte. Und auch zwei Jahre später sind die Hügel rund um das Dorf kahl, vereinzelt ragen immer noch verkohlten Baumstämme in den Himmel. Auch für Luis Fontinha ist die Katastrophe noch allgegenwärtig.

Eine mediterrane Landschaft mit schwarz verkohlten Baumstämmen bei Nodeirinho in Portugal. (Deutschlandradio / Marc Dugge)Verkohlte Bäume: Waldbrand-Schäden bei Nodeirinho (Deutschlandradio / Marc Dugge)

"2017 hat viele von uns gezeichnet. Ich habe damals im Bausektor gearbeitet – und wegen des Feuers meinen Job verloren. 24 Stunden lang konnte ich meine Töchter nicht erreichen. Ich wusste nicht, wo sie waren und wie es ihnen geht. Das ist noch sehr präsent – und auch die Angst vor dem Feuer. Ich habe ja nur Gegenstände verloren, andere ihr Leben."

Plötzlich Ziegenhirte - mit Hilfe des Staates

Luis will, dass so eine Katastrophe wie damals nie wieder geschieht. Und Teil der Lösung sein. Diese Tiere sollen ihm dabei helfen:

Luis ist neuerdings Ziegenhirte. Animiert hat ihn dazu der portugiesische Staat. Der unterstützt derzeit 39 Herden mit insgesamt 4.900 Ziegen – unter anderem auch die von Luis. Denn Ziegen sind ideale Brandverhüter.

"Ziegen sind robuste Tiere, können auch in Höhenlagen eingesetzt werden. Ziegen essen Unterholz, sie können den Wald säubern. Außerdem kann man sie noch für andere Zwecke nutzen: Mit ihrer Milch kann man Ziegenkäse machen oder das Fleisch für Zicklein-Braten verkaufen."

Waldstaubsauger bei der Arbeit

Ein zugewachsenes, schlecht gepflegtes Waldstück brennt besonders gut. Herumliegende Holzstämme oder trockene Zweige wirken wie Brandbeschleuniger. Wer sein Waldstück nicht von Unterholz reinigt, muss deshalb in Portugal mittlerweile hohe Strafen fürchten. Die Regierung hat die Strafen nach den letzten Waldbränden deutlich angehoben. Und da werden Ziegen als Waldstaubsauger besonders interessant.

Eine braune Ziege knabbert an einem Baumstamm in Portugal, im Bildhintergrund sind weitere Tiere der Herde zu sehen. (Deutschlandradio / Marc Dugge)Ziegen halten den Wald frei von Unterholz und Büschen (Deutschlandradio / Marc Dugge)

"Wer ein Waldstück auf konventionelle Arbeit säubert, muss mit Kosten von rund 400 Euro pro Hektar rechnen. Ziegen sind da viel billiger. Der Preis liegt da eher bei 25 Euro pro Hektor. Das ist ein Riesenunterschied!"

Neue alte Aufgabe für die Ziegen

20 Hektar haben seine Ziegen schon weggeputzt. Für jede Ziege bekommt er im ersten Jahr 120 Euro vom Staat. Neu sei die Idee der Ziegen-Räumtrupps allerdings nicht, so Domingos Patacho, Förster und Umweltaktivist.

"Die Ziegen haben heute wieder eine Funktion, die sie in Portugal auch schon früher innehatten. Es sind Tiere, die eigentlich alles essen, die nicht besonders wählerisch sind. Wanderhirten waren früher mit den Tieren in den Wäldern unterwegs, um sie zu reinigen. Heute will diese Arbeit aber kaum einer mehr machen. Das Klima ist rau und die Bezahlung ist schlecht."

Die Waldbrände der Gegend haben eben auch mit der Landflucht zu tun. Wo keiner mehr wohnt, herrscht häufig Wildwuchs. Auch Hirte Luis war weg, er hat ein paar Jahre in England gearbeitet. Mit seinen vierbeinigen Brandschützern will er einen Neuanfang in der Heimat wagen. Er hofft, dass sein Projekt ein Erfolg wird. Bedarf an vierbeinigen Brandschützern gibt es in der Gegend jedenfalls genug.

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