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StartseiteForschung aktuellBäume sind stärker als gedacht17.03.2016

Positive Studien zum Klimawandel Bäume sind stärker als gedacht

Wenn es um Klimawandel geht, sind gute Nachrichten rar. Das Wissenschaftsmagazin "Nature" hat nun jedoch verkündet, dass Bäume sich viel besser an steigende Temperaturen anpassen als gedacht. Im selben Heft wird auch Chinas Beitrag zum globalen Klimawandel beleuchtet - mit einem überraschenden Ergebnis.

Von Volker Mrasek

Der Nebel, dunkle Wälder - an Twin Peaks fasziniert nicht zuletzt die geheimnisvolle Landschaft. (Deutschlandradio / Juliane Schiemenz)
Bäume haben eine hohe Adaptionsfähigkeit an den Klimawandel. (Deutschlandradio / Juliane Schiemenz)
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Pflanzen leben von Kohlendioxid aus der Luft, und sie geben Sauerstoff an sie ab. Das stimmt, ist aber nicht die ganze Wahrheit! Genauso wie Tiere gehen Pflanzen auch den umgekehrten Weg: Sie verwerten Sauerstoff und produzieren das Treibhausgas CO2. Das passiert in Pflanzenteilen, in denen keine Photosynthese abläuft, in Wurzeln und Stämmen etwa. Und auch dann, wenn die Sonne nicht mehr scheint, also nachts. Man nennt den Prozess Respiration ...

"Die Enzyme, die hier eine Rolle spielen, sind um so aktiver, je höher die Temperatur ist. Deswegen fürchtet man, die globale Erwärmung könnte Pflanzen dazu bringen, ihre Respiration zu steigern und viel mehr CO2 abzugeben."

Diese Sorge ist aber vielleicht übertrieben. Davon geht Peter Reich aus, Professor für Waldökologie an der Universität von Minnesota in den USA.

Experimente im richtigen Wald

Im Fachblatt "Nature" präsentiert seine Arbeitsgruppe jetzt die Ergebnisse eines ungewöhnlichen Experiments mit zehn verschiedenen Laub- und Nadelbaumarten - darunter Eichen, Ahörner, Kiefern und Fichten. Bis zu fünf Jahre lang setzten die Forscher die Bäume einer erhöhten Temperatur von etwas mehr als drei Grad Celsius aus. Das Ergebnis überrascht:

"Die Bäume haben ihren Stoffwechsel mit der Zeit viel stärker an die Wärme angepasst als vermutet. Ihre Respiration stieg lediglich um fünf Prozent. Für Bäume, die sich nicht anpassen, hätte man ein Plus von fast 25 Prozent erwartet. Man darf also annehmen: Der Klimawandel wird die Respiration von Landpflanzen und die damit verbundenen CO2-Emissionen vermutlich gar nicht so sehr steigern wie angenommen."

Bemerkenswert an den Experimenten ist nicht nur, dass sie Jahre dauerten. Sie fanden zudem draußen im Wald statt, unter realistischen Bedingungen. Und nicht im Gewächshaus wie andere Studien vorher. Die Forstökologin Rebecca Montgomery:

"Wir haben Heizstrahler auf Masten im Forst montiert, die die Bäume durch ihre Infrarot-Strahlung erwärmten. Und wir haben Heizdrähte verlegt, um auch die Temperatur im Waldboden zu erhöhen."

Rund ein Viertel der CO2-Emissionen aus menschlichen Aktivitäten saugt die Vegetation wieder auf und kühlt so das Klima. Sie ist eine Senke für das Treibhausgas, wie man sagt. Weil das Kohlendioxid als zusätzlicher Dünger wirkt und Bäume üppiger sprießen lässt. Kurbelt der Klimawandel aber die Respiration an, also die pflanzliche CO2-Produktion, könnte die positive Klimawirkung von Wäldern verloren gehen.

Nach den Ergebnissen der neuen US-Studie muss man das aber nicht befürchten.

Allerdings gibt es eine Einschränkung. Die Forstökologen testeten nur Bäume aus mittleren und höheren Breiten. Zwei Drittel der Wälder dieser Erde wachsen jedoch in den Tropen und Subtropen. Ob auch sie ihre Respiration nur wenig steigern, wenn es wärmer wird - das bleibt offen.

Klimastudie mit Überraschung aus China

Auch eine andere Klimastudie in der neuen Ausgabe von "Nature" hält eine Überraschung bereit. Demnach ist Chinas Beitrag zur globalen Erwärmung in den letzten drei Jahrzehnten annähernd gleich geblieben, obwohl das Land seinen CO2-Ausstoß fast verdreifachte. Wie kann das sein? Der Atmosphärenforscher Dominick Spracklen von der Universität Leeds in England:

"China hat in dieser Zeit auch den Ausstoß von Schwefel-haltigem Schwebstaub erheblich gesteigert. Er stammt vorwiegend aus Kohlekraftwerken ohne Rauchgasreinigung. In der Atmosphäre entstehen daraus Schwefel-Aerosole. Sie reflektieren das Sonnenlicht und kühlen so das Klima. Das hat den Erwärmungseffekt durch CO2 zum Teil wieder aufgehoben."

Der positive Klimaeffekt ist aber teuer erkauft. Die kühlenden Schwefelpartikel aus den Kohle-Meilern sind nämlich Luftschadstoffe und ein Hauptbestandteil des Smogs, der auf dem Land lastet und für viele vorzeitige Todesfälle verantwortlich gemacht wird. China kämpft dagegen an und rüstet nun auch Kraftwerke mit einer Entschwefelung aus. Die Schwebstaub-Mengen sollten also wieder zurückgehen.

Das bedeutet: Der Kühleffekt der Aerosole über China mag überraschend stark sein, wie die neue "Nature"-Studie zeigt. Aber er dürfte wieder abklingen. Um so größere Anstrengungen werden in China nötig sein, um die eigenen CO2-Emissionen zu drosseln.

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