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StartseiteKommentare und Themen der WocheBranche unter Druck07.03.2019

Post, Paketdienste und LöhneBranche unter Druck

Die Nachunternehmerhaftung könnte ein Instrument sein, um den unüberschaubaren Markt bei den Paketzustellern ein Stück weit auszutrocknen, kommentiert Volker Finthammer. Sie könnte die Branche in eine andere Richtung lenken - eine, in der ohne Lohndumping gutes Geld verdient werden kann.

Von Volker Finthammer

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Paketzusteller liefert Pakete auf einem vollbeladenen Karren aus. (imago)
Die Paketzusteller machen vielen von uns das Leben leichter, aber auch sie haben ein Recht darauf, anständig behandelt und bezahlt zu werden, kommentiert Volker Finthammer. (imago)
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Dass man mit Paketdiensten auch unter angemessenen Bedingungen noch ganz gut Geld verdienen kann, das zeigt die heute vorgelegte Bilanz der Deutschen Post, die mit ihrer Tochter DHL noch einen Anteil von knapp über 45 Prozent am deutschen Paketmarkt hat und im vergangenen Jahr 1,5 Milliarden Pakete an die Haustüren brachte, mit steigenden Erlösen.

Die Zusteller dort können sich trotz der zunehmenden Belastung durch die stetig steigende Paketflut noch glücklich schätzen. Denn Mitarbeiter von DHL, oder auch UPS, werden noch nach Tarif bezahlt, der deutlich über dem Mindestlohn liegt. Aber der Markt ist hart umkämpft und ohne ein internes Sparprogramm, sähen auch die Zahlen der Post nicht ganz so gut aus.

Hart umkämpfter Markt mit geringen Margen

Gespart wurde an anderer Stelle, unter anderem durch Frühpensionierungen in der Zentrale einem Teilumbau der Sparte. Der ehemalige Staatskonzern kann daher in der Debatte über die Paketzusteller bedingt als Vorbild gelten, was sich aber auch aus seiner historischen Sonderstellung und dem recht hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad erklärt.

Das ist bei den neuen Unternehmen auf dem Markt, die erst seit der vollständigen Freigabe des Paketmarktes vor elf Jahren so richtig mitmischen, eben nicht der Fall. Dort werden nach wie vor alle Instrumente und Wege genutzt, um in dem hart umkämpften Markt mit geringen Margen auf den letzten Metern zu den Kunden, versteckte Kosten- und Wettbewerbsvorteile zu erlangen.

Erst im vergangenen Monat hat der Zoll die Paketzusteller stichprobenartig unter die Lupe genommen und dabei ernüchternde Zahlen zu Tage gefördert. Die Paketzusteller machen vielen von uns das Leben leichter, aber auch sie haben ein Recht darauf, anständig behandelt und bezahlt zu werden.

Wirksamkeit der Nachunternehmerhaftung ist fraglich

Ob die von Arbeitsminister Hubertus Heil propagierte Nachunternehmerhaftung ein wirksames Instrument sein könnte, muss einerseits bezweifelt werden. Denn faktisch gibt es kein Vertrag und kein Konstrukt mit dem sich der Auftraggeber gegenüber dem Subunternehmer absichern kann, dass die Mitarbeiter dort bei der Sozialversicherung gemeldet sind und tatsächlich den Mindestlohn erhalten. Das funktioniert erst recht nicht, wenn es sich um ein Heer von Selbständigen handelt.

Auf der anderen Seite aber könnte die Nachunternehmerhaftung ein Instrument sein, um den unüberschaubaren Markt der Sub- und Nachunternehmer bei den Paketzustellern ein gutes Stück weit auszutrocknen und den Markt in eine andere Richtung zu lenken. Denn das man auch ohne Lohndumping Geld auf dem Paketmarkt verdienen kann, das zeigt die Bilanz der Deutschen Post. Warum sollten die Wettbewerber das nicht auch können?

Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer, Jahrgang 1963, studierte Politik in Marburg und in Berlin. Nach der Wende erste Radioerfahrungen beim Deutschlandsender Kultur in Ostberlin. Seit 1994 beim Deutschlandradio. Redakteur im Ressort Politik und Hintergrund. Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin und in Brüssel. CvD in der Chefredaktion von Deutschlandradio Kultur. Seit September 2016 wieder im Hauptstadtstudio in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik.

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