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StartseiteSport AktuellKritik im Sportausschuss reißt nicht ab26.09.2018

PotenzialanalyseKritik im Sportausschuss reißt nicht ab

Die wissenschaftliche Potenzialanalyse (PotAS) ist in einer ersten Runde für den Wintersport durchgeführt worden – und war nun Thema im Sportausschuss des Bundestages. Das Ergebnis des Berichts stieß bei einigen Mitgliedern des Ausschusses auf massive Kritik.

Von Daniela Siebert

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Südkorea, Pyeongchang: Olympia, Bob, Zweierbob, Frauen, 3. Durchgang, Alpensia Sliding-Zentrum: Pilotin Mariama Jamanka und Anschieberin Lisa Buckwitz aus Deutschland im Eiskanal. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
"Dass wir im Bob- und Rennschlitten-Sport gut sind, das kann ich auch im Fernsehen sehen, dazu brauche ich nicht eine doch relativ teure Potenzialanalyse," sagt André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linken. (picture alliance / dpa / Tobias Hase)
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Eigentlich sind die Fachkreise mit der Lektüre des PotAS-Wintersport-Berichtes längst durch. Denn er liegt seit Wochen vor und bildete bereits die Grundlage für die nächste Stufe des Reformprozesses: sogenannte Strukturgespräche zwischen dem DOSB und den Sportverbänden sowie dem Bundesinnenministerium und anderen sportpolitischen Entscheidungsgremien. Im Bundestagssportausschuss – Journalisten mussten draußen bleiben - sprang man heute nochmal eine Etappe zurück und sah sich die Analyse genauer an. Dort bemühte sich der Leiter der "Potas"-Untersuchung, der Potsdamer Sportwissenschaftler Professor Urs Granacher, den versammelten Fachpolitikern klar zu machen, wie differenziert der Bericht zu lesen ist.

"Dass wir eben nicht nur den Gesamt-Score am Ende des Tages betrachten, sondern, dass die Potenzialanalysen nun die Möglichkeit bieten, aus diesen drei Kategorien – Erfolge, Potenziale und Strukturen - getrennt Handlungsempfehlungen abzuleiten, eine Rangreihenfolge vorzunehmen, und das ist ein ganz neues Element, auch losgelöst von den Erfolgen."

Die Sportpolitiker im Bundestag sind mit den PotAS-Analysen unterschiedlich zufrieden. Detlev Pilger von der SPD sorgt sich vor allem um die Verbände, die nun in der schlechtesten Kategorie gelandet sind: "Wir haben ja darauf plädiert, dass es einen Sockelbetrag gibt, dass also die Sportverbände nicht ohne Förderung bleiben, sich also regenerieren können und da muss man den DOSB auch nochmal ansprechen und fragen 'Ja was tut ihr denn, dass Verbände, die im Augenblick nicht so sportlich erfolgreich sind, sich wieder weiter entwickeln und wieder positiv aufstellen?'" 

Kritik: Sportler werden zu wenig einbezogen

Pilger kritisiert, dass die Athleten selbst in den jetzigen Neuordnungsprozess zu wenig einbezogen werden. Das bemängelt auch Britta Dassler, die sportpolitische Sprecherin der FDP. Dem voraus schickt sie: "Großes Lob an Professor Granacher, weil er halt wahnsinnig schnell diese Sachen umgesetzt hat, aber das ist erstmal nur ein Einstieg." Es müsse nachjustiert werden.

André Hahn dagegen - sportpolitischer Sprecher der Fraktion 'Die Linke' - ist von PotAS komplett enttäuscht. Darin finde er rein gar nichts Neues: "Dass wir im Bob- und Rennschlitten-Sport gut sind, das kann ich auch im Fernsehen sehen, dazu brauche ich nicht eine doch relativ teure Potenzialanalyse. Und was mich besonders verstört hat, ist, dass die Athletenvertretung ganz klar gesagt hat, sie können damit eigentlich nichts anfangen, sie haben keine Sicherheit für die Planung, das war ja eigentlich das Ziel!" 

Studienleiter Urs Granacher hat aus dem bisherigen Echo auf den PotAS-Wintersport-Bericht auf jeden Fall schon Änderungen für den zukünftigen PotAS-Bericht Sommersport abgeleitet. Manche der Fragen, die die Verbände für die Analyse beantworten sollen, müssten besser formuliert werden. "Insgesamt muss das System sehr viel effizienter gestaltet werden, da gibt es auch bei uns sicherlich gründlichen Überarbeitungsbedarf."

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