Dienstag, 25.06.2019
 
Seit 14:35 Uhr Campus & Karriere
StartseiteSport am WochenendePrämien für mutmaßliche Doper?01.12.2011

Prämien für mutmaßliche Doper?

BDR lässt sich Zeit bei Verfahren gegen Steinmeier-Kunden

Bei der Cross-Rennserie des Bundes Deutscher Radfahrer, dem SKS-Cup, holen umstrittene Sieger Prämien und Punkte. Den siebenten Lauf vor zwei Wochen gewann zum Beispiel Johannes Sickmüller vom Hamburger Stevens-Racing Team vor Fabian Brzezinski, einem ehemaligen Stevens-Kollegen. Allerdings: Gegen Sickmüller, Brzezinksi und gegen den früheren Fahrer und derzeitigen Stevens-Sportdirektor Jens Schwedler laufen Dopingverfahren.

Von Grit Hartmann

Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer spricht  in Wiesbaden mit Journalisten. (AP)
Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer spricht in Wiesbaden mit Journalisten. (AP)

Sickmüller, Brzezinski und Schwedler waren Kunden des Hamburger Arztes Tilman Steinmeier, seine Abnehmer für Anabolika und Epo. So steht es im Strafbefehl gegen den Mediziner, den die Hamburger Staatsanwaltschaft schon Mitte 2008 ausstellte. Die Fahrer kamen damals mit Geldstrafen davon.

Die Nationale Antidoping-Agentur musste erst Sanktionen androhen, bevor der Bund Deutscher Radfahrer Anfang 2011 die fälligen Doping-Verfahren einleitete. Seither war nichts mehr zu hören. Auf Deutschlandfunk-Anfrage teilt der BDR lapidar mit, sein Schiedsgericht ermittle. Einen Zeitrahmen wollte Generalsekretär Martin Wolf nicht nennen.
Die NADA , sagt deren Vorstand Lars Mortsiefer, habe dem BDR schon mehrfach ihren Unmut über die Verfahrensdauer mitgeteilt. Sie sei aber derzeit machtlos:

"Wenn man sagt, man hat in diesem Verfahren relativ viele Ermittlungsschritte zu tun, muss Zeugen hören, müsste vielleicht auch noch eine Beweisaufnahme durchführen, dann kann so ein zügiges Verfahren auch mal zwei, drei Jahre dauern. Wenn man immer nachweist, dass man eigentlich ständig am Ball war. Wenn sich Ansatzpunkte ergeben, wenn ein Urteil mal da ist, dass dem nicht so war, dann kann man natürlich dagegen vorgehen."

Es ist wenig wahrscheinlich, dass der BDR Nachforschungen anstellt, die die zweijährige Ermittlungsarbeit der Staatsanwälte toppen. Viel eher sieht es danach aus, als ob der Verband die unter Präsident Rudolf Scharping übliche Verschleppungstaktik verlängert. Sanktioniert wird das selbst dann nicht, wenn es möglich wäre: Mit der verspäteten Einleitung von Verfahren gegen die Steinmeier-Kunden verstieß der BDR im Jahr 2010 klar gegen den NADA-Code. Im Anti-Dopingbericht, der demnächst im Sportausschuss debattiert wird, wird ihm trotzdem lupenreine Sauberkeit attestiert.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk