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Präsidentschaftswahl in FrankreichFillons Chancen sinken - seine Frau soll grundlos Gehalt kassiert haben

Francois Fillon mit seiner Ehefrau Penelope (imago / Stephane Lemouton)
Francois Fillon mit seiner Ehefrau Penelope (imago / Stephane Lemouton)

Francois Fillon galt als Hoffnungsträger der Konservativen bei der französischen Präsidentschaftswahl. Nun wird ihm vorgeworfen, in der Vergangenheit seiner Frau grundlos Gehalt gezahlt zu haben. Fillon weist die Vorwürfe zurück. Seine Umfragewerte sinken dennoch.

Fillon wird vorgeworfen, seine Frau von 1998 bis 2002 auf Staatskosten ohne Gegenleistung angestellt zu haben, über die Jahre soll sie 500.000 Euro an öffentlichen Mitteln erhalten haben. In einem Fernsehinterview drohte der konservative Politiker am Donnerstagabend Zeitungen mit Klagen, sollten sie von einer "fiktiven Anstellung" seiner Frau Penelope sprechen. Seine Frau habe tatsächlich für ihn gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen eingeleitet.

Beliebtheit Fillons sinkt

Der frühere Premierminister galt als klarer Favorit bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl: Bisherigen Umfragen zufolge dürfte er neben der Rechtsextremen Marine Le Pen in die Stichwahl im Mai einziehen und dort gewinnen. Die Affäre schadet seinem Ansehen allerdings schwer. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Instituts Odoxa kommt der eigentliche Wahlfavorit nur noch auf 38 Prozent Zustimmung. Das seien vier Prozentpunkte weniger als bei einer Erhebung vom 8. Januar und 16 Punkte weniger als bei einer vergleichbaren Umfrage des Instituts Ifop-Fiducial Anfang November. Einen negativen Eindruck von Fillon haben der Odaxa-Erhebung zufolge inzwischen 61 Prozent.

Präsidentschaftswahl in Frankreich

Fillon tritt bei der Wahl für die Konservativen an, Le Pen für den rechtsextremen Front National. Bei den Sozialisten entscheidet eine Stichwahl Ende Januar zwischen Benoît Hamon und Manuel Valls über den Kandidaten, beide waren nach einem ersten Wahlgang übriggeblieben. Weitere aussichtsreiche Kandidaten sind der parteilose Einzelbewerber Emmanuel Macron sowie Jean-Luc Mélenchon, der für die Linke antritt. Die französischen Grünen treten mit dem Europaabgeordneten Yannick Jadot an. Die Präsidentschaftwahl findet am 23. April statt, der bisher stets benötigte Termin für eine Stichwahl ist der 7. Mai.

Fillon nennt Vorwürfe "niederträchtig"

Fillon weist alle Vorwürfe zurück - er versucht, seine Kandidatur zu retten. "Es gibt nicht den leisten Zweifel: Meine Ehefrau hat jahrelang für mich als parlamentarische Mitarbeiterin gearbeitet", sagte der frühere Abgeordnete und Ex-Premierminister in den Abendnachrichten des Senders TF1. Dies sei legal und "vollkommen transparent" gewesen. So habe sie seine Reden korrigiert, Besucher für ihn empfangen, ihn bei Veranstaltungen vertreten und Presseschauen für ihn erstellt. "Als ich mich für die Präsidentenwahl bewarb, wusste ich, dass ich mit allen möglichen Verleumdungen konfrontiert werden würde - aber nicht mit der, dass meine Frau angegriffen wird, um mich zu treffen", sagte er.

Die Vorwürfe gegen ihn seien "niederträchtig" und sollten ihn als Kandidaten der in drei Monaten stattfindenden Präsidentschaftswahl "abschießen", sagte Fillon. Er werde Klagen gegen die Zeitungen einreichen, "die behaupten, dass meine Frau eine fiktive Anstellung hatte". Eine Aufgabe seiner Präsidentschaftskandidatur schloss der 62-Jährige aus - es sei denn, die Justiz beschuldige ihn formell einer Straftat.

Ersatz wäre fraglich

Anders als in Deutschland dürfen Abgeordnete in Frankreich Familienmitglieder als parlamentarische Mitarbeiter einstellen, die Praxis ist sogar weit verbreitet. Strafbar ist aber eine Scheinbeschäftigung, also eine Bezahlung ohne tatsächliche Gegenleistung. Fillon übergab den Ermittlern am Donnerstag Unterlagen, die die Beschäftigung seiner Ehefrau belegen sollen.

Bereits jetzt stellt sich die Frage, was bei einem Rückzug Fillons passiert. Der frühere konservative Premierminister Alain Juppé, der Fillon in der Vorwahl der Republikaner im November unterlegen war, schloss am Freitag aus, den Präsidentschaftskandidaten im Falle eines Rückzugs zu ersetzen. Auf eine entsprechende Frage antwortete der Bürgermeister von Bordeaux: "Nein, das ist eindeutig und definitiv."

Galerie der französischen Präsidenten seit Charles de Gaulle (picture-alliance / dpa-infografik) (picture-alliance / dpa-infografik)

(nch/bor)

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