Montag, 26.10.2020
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteKultur heute"Eine sehr besondere Person der Musik"31.01.2014

Preis an Peter Gülke"Eine sehr besondere Person der Musik"

Der Dirigent und Musikwissenschaftler Peter Gülke erhält den Ernst-von-Siemens-Musikpreis. Winrich Hopp, Mitglied des Kuratoriums, hebt die Vielseitigkeit des Preisträgers hervor.

Winrich Hopp im Gespräch mit Dina Netz

Der Präsident der Sächsischen Akademie der Künste, Peter Gülke, aufgenommen am 29.08.2013 in Dresden (Sachsen) (dpa picture alliance / Sebastian Kahnert)
Peter Gülke erhält den Ernst-von-Siemens-Musikpreis (dpa picture alliance / Sebastian Kahnert)
Weiterführende Information

"Genie der Bewunderung" (Deutschlandradio Kultur, Thema, 08.06.2010)

Dina Netz: Ernst von Siemens war der Enkel des Firmengründers Werner von Siemens. Und er war noch einer der Unternehmer, für die Wirtschaft nicht nur die zahlenmäßige Bilanz bedeutete, sondern die der Meinung waren, dass Wirtschaft ohne Impulse aus der Kultur nicht auskomme. Deshalb stiftete er 1972 den Ernst-von-Siemens-Musikpreis. Und der Preisträger 2014 heißt Peter Gülke, er wurde 1934 in Weimar geboren, arbeitete seit Ende der 1950er-Jahre als Dirigent, unter anderem in Dresden und Weimar. 1983 musste er die DDR verlassen, war dann Generalmusikdirektor in Wuppertal, unterrichtete Musikwissenschaft in der Schweiz, veröffentlichte immer wieder auch Bücher, zum Beispiel über Mozart, Beethoven, Schumann. Peter Gülke ist unter anderem Präsident der Sächsischen Akademie der Künste.

- Ich habe Winrich Hopp, Kuratoriumsmitglied der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung, gefragt: Warum geht der Ernst-von-Siemens-Musikpreis in diesem Jahr an Peter Gülke?

Winrich Hopp: Na ja, Peter Gülke ist schon eine sehr besondere Person in unserem Musikleben. Er ist ausgewiesener Musikwissenschaftler, er ist aber auch praktizierender Musiker. Er war lange Zeit Generalmusikdirektor bei den Wuppertaler Bühnen und er war auch in Weimar tätig als Dirigent. Und ich glaube, das Besondere, was ihn auszeichnet, ist, dass er als Musikwissenschaftler doch immer auch als Musiker spricht. Und ich glaube für meine Seite zumindest, das ist einer der ganz besonderen Gründe, warum man ihm diesen Preis auch hat zuteil kommen lassen. Peter Gülke wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Er hat, glaube ich, das musikwissenschaftliche Leben mit all seinen Aktivitäten wirklich bereichert, geprägt und eben auch mit seiner Entdeckerlust als praktizierender Musiker neue Werke ausgegraben wie Zemlinsky und vieles andere mehr, hat sich für die Moderne verdient gemacht. Er hat in jeder Hinsicht diesen Preis verdient.

Netz: In welcher Hinsicht denn besonders? Ehren Sie dieses Jahr wirklich den Musikwissenschaftler, den Musikschriftsteller, den Musiker, oder wen von denen allen ehren Sie besonders mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis?

Hopp: Ich glaube, das ist diese Verschlungenheit an verschiedenen Aktivitäten, die ihn auszeichnet, die wir besonders mit diesem Preis hervorheben wollen, diese Fähigkeit, Musik zur Sprache zu bringen und nicht nur über Musik zu sprechen, sondern mit der Sprache in die Musik hineinzukommen und Dinge zu berichten, die auch Musiker interessieren können. Ich glaube, das ist das, was ihn auszeichnet. Und in diesem Sinne geht der Preis an ihn.

Netz: In den vergangenen Jahren haben so international bekannte Künstler wie Mariss Jansons, Friedrich Cerha, Aribert Reimann den Preis erhalten. Peter Gülke ist ja nun nicht so ein international bekannter Star und eben nicht nur selbst Künstler, sondern auch Wissenschaftler. Ist diese Akzentverschiebung nun bewusst passiert, um zu zeigen, dass für die Musik auch die wichtig sind, die anders als nur auf der Bühne für sie und an ihr arbeiten?

Hopp: Die Entscheidung für Peter Gülke ist auch darin natürlich motiviert, dass die Musikwissenschaft insgesamt natürlich bei der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung bei den Preisträgern nicht so stark vertreten ist. Ich erinnere an den ersten Preisträger 1992 an den Wissenschaftler Landon aus England, dann später Reinhold Brinkmann, den großen Schönberg-Forscher, und jetzt eben Peter Gülke. Aber das Besondere gegenüber diesen früheren Preisträgern, gegenüber den früheren Musikwissenschaftlern, die den Preis bekommen haben, ist bestimmt diese ungeheuere Kenntnis in der Praxis, die Peter Gülke auszeichnet.

Netz: Herr Hopp, ich habe auf der Homepage des Ernst-von-Siemens-Musikpreises auch so etwas gesehen wie, dass es auch darum ging zu zeigen, wenn man sich der Musikwissenschaft verstärkt widmet, dass man es dann schwerer hat, als Dirigent zum Beispiel gefragt zu sein. Das ist wohl das Schicksal von Peter Gülke, der in den letzten Jahren weniger auf den Bühnen präsent war, dafür mehr als Autor. Ging es Ihnen auch darum, darauf hinzuweisen, dass da ein Konflikt besteht?

Hopp: Na ja, das ist immer so, wenn man vielfältig begabt ist und auf verschiedenen Gebieten tätig ist, dass dann natürlich das Problem entsteht, was ist in der Öffentlichkeit stärker im Vordergrund. Und das ist natürlich ganz besonders bei Peter Gülke die Wissenschaft. Er hat als Dirigent enorme Verdienste und auch als Dirigentenlehrer, auch wirklich außergewöhnliche Werke wieder bewusst ins Repertoire zu holen. Das ist alles ganz besonders bedeutsam und hat bei der Preisfindung auch eine wichtige Rolle gespielt.

Netz: Welches sind denn seine wissenschaftlichen Verdienste, seine herausragenden?

Hopp: Er hat ja ganz früh dieses besondere Buch über das Mittelalter geschrieben, "Mönche, Bürger und Minnesänger". Dann kamen diese schon sehr esoterischen Beethoven- und Schubert-Studien. Während seiner Wuppertaler Zeit kam das große Brahms-Bruckner-Buch. Und jetzt die in letzter Zeit erschienenen Bücher über Mozart und Beethoven. Das ist schon wirklich exquisite Literatur, die auch für all diejenigen, denke ich, wichtig ist, die vielleicht sich nur passager mit Musik beschäftigen.

Netz: Winrich Hopp, Mitglied des Kuratoriums, über den diesjährigen Träger des Ernst von Siemens-Musikpreises, Peter Gülke.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk