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StartseiteSport am WochenendeSaudi-Arabien will aufs Green28.03.2020

Premier Golf LeagueSaudi-Arabien will aufs Green

Eine Investorengruppe will offenbar mit saudischem Geld das existierende Monopol der etablierten Organisationen im Profi-Golf brechen. Dafür will sie die Top-Spieler unter Vertrag nehmen. Tiger Woods signalisierte bereits, dass ihn das Projekt durchaus interessiert. Doch der Widerstand scheint groß.

Von Jürgen Kalwa

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Golfprofi Rory McIlroy. (www.imago-images.de)
Golfprofi Rory McIlroy ist nicht begeistert von der geplanten neuen Liga. (www.imago-images.de)
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Abgesehen von ein paar stillen Tagen rund um die Jahreswende gibt es im Turnierkalender im internationalen Profi-Golf keine Zeit zum Luftholen. Das beginnt für die amerikanischen Spieler Anfang Januar auf Plätzen auf dem fernen Hawaii und geht danach wie bei einem Wanderzirkus kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten. Begleitet von einem Tross von begeisterungsfähigen Fernsehkommentatoren.

In anderen Teilen der Welt sieht es ähnlich aus. Auf der European Tour kommt ein Spieler dabei am weitesten herum. Man macht nicht nur Abstecher auf Plätze in der EU wie zu den BMW International Open in Eichenried bei München. Man fliegt nach Nord- und Südafrika, auf die arabische Halbinsel und in mehrere Länder in Asien.

Voller Terminkalender, prall gefüllte Prämientöpfe

Die Ambitionen sind jedoch überall dieselben: Wer seine Startberechtigung nicht verlieren will, muss bei ganz vielen Turnieren dabei sein und dort möglichst gut abschneiden.

Das gilt auch für die berühmtesten unter ihnen wie den Weltranglistenersten Rory McIlroy. Der kam deshalb in den letzten zwölf Monaten auf 25 Termine. Seine Einnahmen 2019 aus den prall gefüllten Prämientöpfen: Etwas mehr als 20 Millionen Dollar. Den dicksten Batzen steckte er am Ende der Saison ein und klang mehr als zufrieden: "To play like that and get the win, to win the FedEx Cup, yeah, it’s awesome."

Theoretisch müsste dem Mann aus Nordirland, der seit ein paar Jahren wie so viele andere Golfprofis auch in Florida lebt, angesichts der Belastung ein neues Projekt gefallen: Die Premier Golf League, die eine Gruppe von wohlhabenden Investoren auf die Beine stellen will.

Tiger Woods nach seinem Sieg bei der PGA-Tour Championship (John Amis/AP/dpa)US-Golfstar Tiger Woods (John Amis/AP/dpa)
Das Konzept besteht aus maximal 18 Pflichtterminen, davon zehn in den USA. Die Konkurrenz ist klein und exklusiv. Denn man will nur 48 Spieler an den Start gehen lassen und sie mit Geld überhäufen. Ältere Golfer wie Tiger Woods gaben sich interessiert.

McIlroy, obwohl berühmt dafür, jeden Dollar mitzunehmen, wo er nur kann, war jedoch ganz und gar nicht beeindruckt. Er würde nämlich gerne selbst bestimmen, ob er und wo und wann er antritt.

"Das hat mir als Golfer und als selbständiger Unternehmer nicht gefallen. Und auch nicht, woher das Geld kommt."

Vermutlich spielen saudische Interessen eine Rolle

Darüber, aus welchen Quellen die Millionen kommen, gibt es keine klaren Aussagen. Nur Anzeichen, dass im Hintergrund, wie jüngst in anderen Sportarten auch, saudische Interessen eine Rolle spielen.

Der Schweizer Dominik Senn, einer der erfolgreichsten und bestvernetzten Spieleragenten im internationalen Golf, sieht in der Initiative klare Anzeichen für einen Verdrängungswettbewerb:

"Das ist eine Kriegserklärung. Wenn man so etwas will, dann pflückt man ja eigentlich nur die schönsten Äpfel vom Baum und versucht, das Beste zu holen. Die PGA Tour wird da nicht so einfach zuschauen. Und ihre Sponsoren und TV-Partner auch nicht."

Das Projekt sei eher etwas für ältere Spieler mit großen Namen. Für solche, die im Stress des Turnieralltags keine nennenswerten Erfolge mehr erzielen. Die aber noch keine 50 Jahre alt sind und deshalb nicht auf der lukrativen Champions Tour der alten Herren antreten können.

"Weil alle anderen, die nicht sicher sind, wie lange sie sich in den Top 48 oder Top 50 der Welt bewegen, müssten eine hohe Risikoabwägung machen, ob sich das lohnt, ausgeschlossen zu werden."

Könnte nicht von langer Dauer sein

Senn ist übrigens grundsätzlich skeptisch, was das neue Projekt angeht.

"Das kann heute eine super Idee sein. Wir finanzieren das und stampfen das mal aus dem Boden. Aber wenn irgendeiner, der am Schalthebel sitzt, den Daumen nach unten dreht, dann ist das morgen wieder fertig."

Deshalb hätte das Timing für den neuen Fernsehvertrag nicht besser sein können. Die Eckdaten gab Jay Monahan, der Commissioner der PGA Tour, in der letzten Woche bekannt. Laufzeit: bis 2030. Einnahmen: 700 Millionen Dollar pro Jahr.

Streaming und Datenmaterial en masse

Zu den innovativen Überlegungen gehören der Ausbau des digitalen Streaming-Angebots. Und in Verbindung damit die Möglichkeit, computergeneriertes, statistisches Datenmaterial en masse anzubieten. Das Publikum gerade in Amerika scheint solchen Ideen gegenüber aufgeschlossen.

Noch einmal Dominik Senn:

"Gerade im Golf sieht man, dass diese Nutzung von Social Media und vor allem diese Streaming-Aktivitäten in verschiedenen Bereichen immer besser und immer größer wird und immer mehr auch von den Golf-Fans genutzt wird. Ich sehe, wie sie mit der 'Shotlink'-Technologie und anderen Technologien arbeiten. Dass jetzt auch das Wettgeschäft dazu kommt, wo man sehr interessante Wetten bis zum letzten Putt machen kann."

Neue Veranstalter, die das ignorieren oder nicht bewerkstelligen, werden es schwer haben, verwöhnte Golfkonsumenten hinter dem Ofen hervorzulocken. Die Monopolstellung der etablierten Organisationen scheint deshalb bis auf Weiteres ungefährdet.

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