Freitag, 19.10.2018
 
Seit 02:10 Uhr Dlf-Magazin
Startseite@mediasresEin Paradigmenwechsel08.10.2018

Pressefreiheit in HongkongEin Paradigmenwechsel

Der Foreign Correspondents Club in Hongkong hat vor zwei Monaten einen Regimekritiker eingeladen - jetzt wurde das Arbeitsvisum des Club-Vorsitzenden nicht verlängert. Ein Paradigmenwechsel in Sachen Pressefreiheit, so China-Korrespondent Steffen Wurzel im Gespräch mit mediasres.

Steffen Wurzel im Gespräch mit Stefan Koldehoff

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Der britische Journalist Victor Mallet spricht auf der Bühne bei einer Veranstaltung des Clubs ausländischer Korrespondenten in Hongkong. (afp Paul Yeung)
Hongkonger Behörden haben das Arbeitsvisum des britischen Journalisten Victor Mallet nicht verlängert. (afp Paul Yeung)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Pressefreiheit in Hongkong Die "Festlandisierung" geht weiter

Unabhängigkeits-Debatte in Hongkong Offen diskutieren kaum noch möglich

Hongkong Proteste gegen BBC-Abschaltung

Die Einladung des Aktivisten Andy Chan zu einer Veranstaltung des Foreign Correspondents Club in Hongkong vor zwei Monaten hatte für viel Wirbel gesorgt - Chan setzt sich für die Unabhängigkeit Hongkongs von China ein. Chinesische wie auch Hongkonger Regierungsvertreter hatten damals die Ausladung des Regimekritikers gefordert. Dass der Foreign Correspondents Club die Einladung an Chan daraufhin trotzdem nicht zurückzog, hat nun offenbar Konsequenzen: Das Arbeitsvisum des Vize-Präsidenten des Clubs, des britischen "Financial Times"-Reporter Victor Mallet, wurde ohne Begründung nicht verlängert.

Für China-Korrespondent Steffen Wurzel ein klarer Paradigmenwechsel. "Hongkong ist seit nun etwas mehr als 21 Jahren zwar Teil der Volksrepublik China, aber: In Artikel 27 des Hongkonger Grundgesetzes steht ausdrücklich, dass alle in Hongkong das Recht auf freie Meinungsäußerung genießen, und auch die Pressefreiheit ist darin festgelegt." Nach dem Fall Mallet fürchteten nun viele Journalistinnen und Journalisten, dass sie wegen kritischer Berichterstattung ebenfalls aus Hongkong ausgewiesen werden könnten.

Dies mache nun nochmals ganz klar deutlich, dass in Hongkong nicht mehr alleine die eigentlich autonome Stadtregierung das Sagen habe, sondern dass die Zentralregierung in Peking die Ansagen mache. Bislang seien in Hongkong die Menschen und auch die Behörden viel offener als in China gewesen, so Wurzel, aber das sei nun vorbei.

"Ich glaube, wann immer ich jetzt in Hongkong arbeiten und Interviews führen werde, dass die Leute dort auch vorsichtiger werden und sich vielleicht gar nicht mehr 'on the record' äußern - und das ist genau das, was ich in Festland-China jeden Tag erlebe."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk