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Startseite@mediasresAlles super im Radioland10.07.2019

Pressemitteilungen zur "Media-Analyse"Alles super im Radioland

Zweimal im Jahr gibt es auf einen Schlag Dutzende Pressemitteilungen von Radiosendern. Der Grund dafür sind die jeweils aktuellsten Zahlen zur Radionutzung. Dabei sparen die Pressestellen nicht mit Floskeln und dem Betonen der eigenen Stärke.

Von Christoph Sterz

Leipzig (Sachsen): Nach seiner Dauerschicht von 100 Stunden am Mikrofon reißt Moderator Hajo Wilken am 07.10.1998 im Studio von "RADIOROPA-oldie-fm" in Leipzig den rechten Arm hoch. Der 26jährige gebürtige Emdener hat damit den Weltrekord, der nach Aussagen des Senders bei 90 Stunden lag, um zehn Stunden überboten. Wilken arbeitet seit dem 1. September 1998 bei dem Leipziger Sender. (LEI01-071098) | Verwendung weltweit (ZentralbildWolfgang Kluge)
Jubel, wie hier Ende der 1990er Jahre beim damaligen Radiosender "Radioropa Oldie FM", gibt es häufig bei der Bekanntgabe der neuen Hörerzahlen (ZentralbildWolfgang Kluge)
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Wie viele Hörerinnen und Hörer schalten welchen Radiosender ein? Und wie oft und wie lange bleiben die Nutzerinnen und Nutzer dabei? Auf diese Fragen bekommen Radiomacher zweimal im Jahr eine Antwort: Dann veröffentlicht die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AGMA) frische Zahlen zur Radionutzung in Deutschland.

Aber es bleibt nicht bei den seitenlangen Tabellen der AGMA. Die Pressestellen vieler Radiosender nehmen sich die Zahlen der Hörerbefragung vor und machen daraus Pressemitteilungen, in denen selten mit Eigenlob gespart wird.

Der WDR zum Beispiel spricht mit Blick auf mehr Hörerinnen und Hörer bei drei seiner Hörfunksender von "beeindruckenden Zahlen", lässt aber zumindest die "leichten Verluste" bei seinen Kultur- und Spartenprogrammen nicht unerwähnt.

Gewinnen statt verlieren

Der RBB stellt seinen Radiosender "Antenne Brandenburg" sogar als Gewinner dar und spricht vom "meistgehörten Radioprogramm im Land Brandenburg". Dabei ist "Antenne Brandenburg" einer der größten Verlierer der aktuellen "Media-Analyse".

Weniger Hörerinnen und Hörer hat auch der sächsische Privatsender "Radio PSR" zu verzeichnen. Das Unternehmen erwähnt zwar "leichte Verluste", spricht aber dennoch von einer "ungebrochen hohen Beliebtheit im Hörermarkt". Die NRW-Lokalradios haben ebenfalls ein leichtes Minus, beginnen ihre Pressemitteilung aber trotzdem damit, dass "Lokalradio in NRW weiter sehr beliebt" sei. Außerdem ist die Rede von einer "konstant hohen Bindungskraft".

Interessant ist auch, dass sich zahlreiche Radiosender in ihren Pressemitteilungen als "Spitzenreiter" oder "Marktführer" bezeichnen, allerdings oft nur in ganz bestimmten Bereichen. Über den hessischen Privatsender "Planet Radio" ist beispielsweise zu lesen, dass er "das meistgehörte junge Radioprogramm in Hessen" bleibe.

Verschiedene Kennziffern

Die "Media-Analyse" basiert unter anderem auf tausenden Telefonbefragungen, bei denen abgefragt wird, welche Sender der oder die Angerufene schon einmal gehört hat, welche davon in den letzten vier Wochen und welche an wie vielen Werktagen pro Woche gehört wurden. Außerdem geht es um den gestrigen Tag, bei dem die Studienmitarbeiter zu jeder einzelnen Viertelstunde wissen wollen, welchen Sender man gehört hat.

Das führt dazu, dass die Pressestellen der Sender aus einer Vielzahl an Zahlen wählen können. Je nach Pressemitteilung wird deshalb zum Beispiel mal der "Hörer pro Durchschnittsstunde" als Wert genannt und mal die "Tagesreichweite". Die Pressestelle des rheinland-pfälzischen Privatsenders "RPR 1" schreibt auf Anfrage, dass die "maßgeblichen Parameter" der "weiteste Hörerkreis", die "Tagesreichweite" sowie die "Konvergenz" sei.

Die Kommunikationsabteilung des Deutschlandradios, zu dem auch der Deutschlandfunk gehört, teilt auf Anfrage mit, dass für werbetreibende Sender "vor allem die Durchschnittsstunde zählt, deren Hörerzahlen für die Werbepreise ausschlagend ist". Für die werbefreien Programme sei dagegen die Tagesreichweite "die stabile Bezugsgröße".

Um die Zahlen richtig einzuordnen zu können, sei der Blick auf eine einzelne Untersuchung nicht ausreichend. Tendenzen ließen sich "erst durch eine Einordnung mit früheren Zahlen erkennen". Diese Vergleichszahlen finden sich aber nur in sehr wenigen Pressemitteilungen.

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