Die Nachrichten
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18. Oktober 2020Die Presseschau

Die heutigen Sonntagszeitungen kommentieren unter anderem den tödlichen Angriff auf einen Lehrer in Frankreich. Weitere Themen sind die Gespräche über ein Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien sowie die Maßnahmen der Politik zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Ein Schild in München, auf dem auf die Maskenpflicht im öffentlichen Raum hingewiesen wird. (imago images/Alexander Pohl)
Ein Schild in München, auf dem auf die Maskenpflicht im öffentlichen Raum hingewiesen wird. (imago images/Alexander Pohl)

Die RHEINPFALZ AM SONNTAG wünscht sich ein koordinierteres Vorgehen und weniger Aktionismus: "Die zweite Corona-Welle rollt gerade an, und die Politiker in den Landesregierungen gleichen aufgeregten Hühnern, von denen jedes was gackern muss: Beherbergungsverbot! Weihnachtsferien verlängern! Sperrstunde! Denn: Wir müssen jetzt ganz schnell was tun! Ja, wir müssen was tun. Aber eben nicht irgendwas. Die Landesregierungen hätten den Sommer nutzen können, um Stufenpläne zu entwerfen, sie miteinander abzustimmen, kurz: sich auf eine zweite Welle vorzubereiten. Der Kampf gegen Corona ist für alle ein anstrengender Langstreckenlauf des Verzichts. Wer da die Puste nicht verlieren will, braucht wenige, klar formulierte und beständige Regeln für das Unbeständige", unterstreicht die RHEINPFALZ AM SONNTAG aus Landau.

Aus Sicht der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG sind Konflikte bei der Suche nach den richtigen Lösungen unvermeidlich: "Ohne Streit geht es vielleicht in China, aber nicht in Deutschland. Es ist beruhigend, dass die Ministerpräsidenten verschiedener Meinung sind. Noch im März folgten sie der Bundesregierung bedingungslos. Verständlich, solange Corona neu und die Verunsicherung groß war. Heute wäre es ein Armutszeugnis. Und für uns Bürger wäre es ein Armutszeugnis, wenn wir bei jeder Kontroverse gleich schmollen würden, nach dem Motto: Wenn ihr Politiker keine klaren Ansagen macht, halten wir uns einfach an gar nichts mehr. Das ist kindisch und wird nicht erwachsener dadurch, dass man hochtrabend von 'Akzeptanz' redet. Wer findet Sperrstunden schon toll? Natürlich sind die unterschiedlichen Regeln verwirrend. Aber das Regelwirrwarr ist auch ein Regelwettbewerb. Mal sehen, was sich bewährt", schreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.

Die in Zürich erscheinende NZZ AM SONNTAG stellt fest, dass die populistischen Parteien in Europa und weltweit bisher kaum politisches Kapital aus der Corona-Krise schlagen konnten: "Den Populisten geht es nicht gut in Zeiten von Corona. Wo sie regieren, versagen sie bei der Eindämmung des Virus. Wo sie in der Opposition sind, haben sie Mühe, sich Gehör zu verschaffen. Matteo Salvini, der lautstarke ehemalige italienische Innenminister und Rosenkranzküsser, ist weg vom Fenster. Die FPÖ in Wien liegt am Boden. Marine Le Pen findet nur eine müde Replik auf die nächtlichen Ausgangssperren, die Emmanuel Macron in Frankreich verhängt hat. Donald Trumps desaströses Management der Pandemie könnte ihn in gut zwei Wochen die Wiederwahl kosten. Bei der Corona-Krise sind die Populisten sprachlos. Der Feind hat kein Gesicht, keine Religion, nicht einmal der mutmassliche Ursprung der Pandemie in China taugt recht für Schuldzuweisungen. Diese Krise ist existenziell. Sie lässt sich nicht eindämmen durch Phrasen, Überheblichkeit und Verschwörungstheorien, sondern durch verantwortungsvolle Bürger im Verein mit einer auf dem Boden der Wissenschaft stehenden Regierung", resümiert die NZZ AM SONNTAG aus der Schweiz.

Die WELT AM SONNTAG befasst sich mit dem mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlag auf einen Geschichtslehrer in einem Vorort von Paris: "Der Lehrer hat seinen Schülern Karikaturen des im Islam verehrten Mohammed gezeigt, offenbar anlässlich einer Lektion in Sachen Meinungsfreiheit. Der Anschlag traf den Lehrer, er trifft auch seine Schüler und seine Angehörigen. In zweiter Linie galt der Mord auch der Meinungsfreiheit, der Freiheit insgesamt, dem Westen und seinen Werten. Sie gilt es zu verteidigen, immer und immer wieder", notiert die WELT AM SONNTAG.

Die schwedische Zeitung DAGENS NYHETER bemerkt, mit der Tat sei - Zitat: "... die Forderung nach einer freien und vernünftigen Diskussion über die Rolle der Religion in der Gesellschaft bis in europäische Klassenzimmer vorgestoßen. Es geht hier nicht um einen Kampf der Zivilisationen, sondern um einen Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei. Es geht auch nicht um einen Kampf zwischen dem Christentum und dem Islam oder zwischen Europa und dem Nahen Osten, sondern zwischen Glaubens- und Meinungsfreiheit einerseits und Zensur, Unterdrückung und Mord andererseits. Solange es in Europa nicht möglich ist, den Islam oder auch den Propheten zu kritisieren oder gar zu verspotten, wird es Selbstzensur geben und wird das Blut unschuldiger Menschen fließen. Gewalt ist aber nur die verzweifelte Waffe von Verlierern, die nicht in der Lage sind, Menschen zu überzeugen. Gewiss, beim westlichen Kampf gegen den Terror wurden viele Fehler gemacht. Aber Europa muss gegen islamistische Fanatiker zusammenhalten, die Publizisten, Zeichner und Lehrer bedrohen und ermorden. Das ist auch ein Akt der Solidarität mit denen, die gegen muslimische Diktatoren kämpfen", meint die Zeitung DAGENS NYHETER aus Stockholm.

Die Zeitung HABERTÜRK aus Istanbul thematisiert die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU über ein Handelsabkommen für die Zeit nach der Brexit-Übergangsphase - ein wichtiger Punkt ist der Streit über Fischereirechte: "Die meisten EU-Länder wollen Boris Johnson im Fischereistreit nachgeben. Er soll einen Sieg behalten, den er in seinem Land verkaufen kann. Frankreichs Präsident Macron droht den Briten dagegen mit Sanktionen, wenn französische Fischer nicht in britischen Gewässern fischen dürfen. In dem Fischereistreit geht es nicht um die Wirtschaft, es ist vielmehr Symbolik. Die Fischerei ist zwar wichtig, aber wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass sie im Bruttosozialprodukt Großbritanniens lediglich 0,12 Prozent ausmacht. Die Situation in Frankreich dagegen ist etwas heikler. Die Regierung in Paris versucht die Fischer zu beruhigen, weil sie sich auch davor fürchten, nach der Pandemie nicht mehr fischen zu dürfen. Beruhigt sind sie noch nicht. Wie es scheint, werden sie wieder demonstrieren, und die Proteste der Fischer können sehr unangenehm sein." Mit dieser Analyse aus der türkischen Zeitung HABERTÜRK endet die Presseschau.