Die Nachrichten
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18. April 2021Die Presseschau

Beherrschendes Thema ist die anstehende Entscheidung von CDU und CSU über einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten. Außerdem geht es um das Gedenken an die Menschen, die während der Corona-Pandemie gestorben sind, und um den Zustand des russischen Oppositionellen Nawalny.

Porträtaufnahme, die die Köpfe von Markus Söder und Armin Laschet zeigt. (imago-images / Sven Simon)
Der Machtkampf in der Union dauert an. (imago-images / Sven Simon)

Mit dem Machtkampf in der Union befasst sich die schweizerische NZZ AM SONNTAG: "Jedermann hat das Recht, sich in den Fuß zu schießen. Dennoch ist davon abzuraten. Die Unionsparteien hält das nicht davon ab, sich ausgiebig selbst zu verstümmeln. Erst suchte die CDU quälend lange einen Vorsitzenden, dann inszenierte Markus Söder genüsslich das Rätselraten über seine Absichten, schließlich der Machtkampf mit Armin Laschet auf offener Bühne. Wenn es das Ziel der Union gewesen sein sollte, ihren Kanzlerkandidaten und sich selbst maximal zu beschädigen, dann ist ihr das gelungen. Die Klärung der Machtfrage verläuft so ungeordnet und chaotisch, wie es für das Ende einer langen Herrschaft typisch ist. Alles zerfällt, es fehlt ein starkes Zentrum. Zwerge balgen sich um das Erbe von Riesen", heißt es in der NZZ AM SONNTAG.

Die RHEINPFALZ AM SONNTAG ergänzt: "Armin Laschet hat in der Frage der Kanzlerkandidatur für die Union mit Sicherheit nicht damit gerechnet, geschlossene Reihen in der CDU vorzufinden. Doch dass die Anzahl der Abtrünnigen bei den Christdemokraten so groß ist, dürfte auch ihn überrascht haben. Natürlich sind schlechte Umfragewerte Gift für eine Diskussion um Wahlchancen. Schlechte Umfragewerte sind ein anderes Wort für drohenden Machtverlust. Mit den Absetzbewegungen innerhalb der CDU könnte Söders Plan aufgehen. Das zeigt auch die Forderung des pfälzischen CDU-Bezirkschefs Christian Baldauf, zur Entscheidungsfindung eine CDU-Kreisvorsitzendenrunde einzuberufen. Anders als seine Landesparteichefin Julia Klöckner setzt Baldauf auf Söder – und der hat bei den Kreischefs allergrößte Sympathien", bemerkt die RHEINPFALZ AM SONNTAG.

Weniger Streit um die Kanzlerkandidatur gibt es bei den Grünen, wie die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG hervorhebt: "Die Grünen haben verstanden, dass sie mit Geschlossenheit weit kommen können. Intern beginnen bereits die Gedankenspiele, wer welches Ministerium übernehmen könnte, wer Staatssekretär wird, es gibt viele Posten zu vergeben. Und auch wer nicht ganz vorne auf der Landesliste steht, hat gute Chancen, in den nächsten Bundestag einzuziehen. Das diszipliniert ungemein. Doch die Grünen sind trotz allen Machtinstinkts kein monolithischer Block geworden. Zwischen Kreuzberger Grünen und Stuttgarter Realos liegen weiterhin inhaltliche Welten. Und einmal an der Regierung, werden es die Grünen mit für sie schwierigen, ja schmerzhaften Fragen zu tun bekommen", prophezeit die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.

Die österreichische Zeitung DER STANDARD geht auf die Nominierung von Friedrich Merz als Bundestagskandidat des Hochsauerlandkreises ein: "Wer hier für die CDU antritt, schafft es auch ins Parlament. Wie willkommen man ihn dort heißen wird, wird von Merz selbst abhängen. Nach seiner sehr wahrscheinlichen Wahl ist er einer von vielen Abgeordneten. Wird er sich mit dem Job als 'einfacher Abgeordneter' begnügen? Oder in der Fraktion gleich mehr wollen? Sein Name ist immer noch klingend, viele schätzen seine klare Sprache und seine konservativen Positionen. Aber er hat es sich auch bei vielen mit seinen vielen Querschüssen und der Besserwisserei verscherzt. In seiner Bewerbungsrede vor der Abstimmung versprach er den Delegierten, 'keinen bequemen und angepassten Abgeordneten' zu bekommen. Das kann eine Verheißung sein. Im Falle Merz klingt es allerdings ein bisschen wie eine Drohung", schreibt DER STANDARD aus Wien.

Der Berliner TAGESSPIEGEL geht auf den heutigen Gedenkakt mit Bundespräsident Steinmeier für die Toten der Corona-Pandemie ein: "Zumindest für einen Tag richtet sich der Blick damit nicht auf die neuesten Zahlen der Infizierten und Verstorbenen, sondern darauf, dass diese Zahlen Menschen meinen, dass sie für lauter einzelne Schicksale stehen. Es geht um die vielen Jahre, die verloren wurden, um so viel Leben, das noch zu leben gewesen wäre. Oft konnten die Hinterbliebenen den Sterbenden auf dem letzten Weg nicht zur Seite stehen und selbst keinen Abschied nehmen. Sie blieben zurück, hilflos und verzweifelt und viel zu oft allein. Dies ist mehr als ein individueller Verlust, es ist ein kollektives Trauma", heißt es im TAGESSPIEGEL.

Die NEW YORK TIMES befasst sich mit dem inhaftierten russischen Oppositionellen Nawalny, dessen Gesundheitszustand offenbar kritisch ist: "Nawalnys Frau und Ärzte schlagen Alarm, dass sich die Gesundheit des Kreml-Kritikers rapide verschlechtert und sein Herz jede Minute aussetzen könnte. Sie und viele andere Unterstützer fordern, dass seine Ärzte ihn sofort behandeln dürfen. Die Entscheidung darüber liegt beim russischen Präsidenten Putin, und er sollte umgehend zustimmen. Vielleicht würde Putin es vorziehen, seinen effektivsten Kritiker los zu sein. Aber er sollte verstehen, dass der Tod Nawalnys nur die Worte von US-Präsident Biden bestätigen würde, der Putin als 'Killer' bezeichnet hat. Putin ist lange genug im Amt, um zu wissen, wie das im Ausland und bei den Russen ankommen würde, die bereits Ermüdungserscheinungen mit seiner zunehmend autoritären und ergebnisoffenen Herrschaft zeigen", kommentiert die NEW YORK TIMES.

Thema in der türkischen Zeitung YENI SAFAK ist der geplante Abzug der US-Truppen aus Afghanistan: "Die Taliban kontrollieren über die Hälfte des Landes, es scheint aussichtslos zu sein, dass die proamerikanische afghanische Regierung diesen Zustand umkehren kann. Niemand hatte geahnt, dass der US-Krieg in Afghanistan 20 Jahre dauern würde. Eigentlich sollte innerhalb einiger Monate eine stabile Ordnung errichtet werden, danach sollten die US-Truppen das Land wieder verlassen. Aber so ist es nicht gekommen. Nach der Sowjetunion ist auch für die Vereinigten Staaten Afghanistan zu einem Sumpf geworden. Der Einsatz endet für die USA mit einem Fiasko. Wie man es auch am Beispiel Irak sehen konnte, haben sie die Macht, zu zerstören, aber nicht die Kraft, eine stabile Ordnung zu errichten", lautet das Fazit von YENI SAFAK aus Istanbul.