Die Nachrichten
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1. August 2021Die Presseschau

Themen sind die Aufarbeitung der Flutkatastrophe und der Kampf gegen das Coronavirus.

Impfzentrum der KVH und Sozialbehörde Hamburg in den Messehallen. (IMAGO / Joerg Boethling)
Die FAS fordert, den Impfdruck zu erhöhen. (IMAGO / Joerg Boethling)

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG führt aus: "Schon jetzt stecken sich wieder mehr Leute mit Corona an, Delta grassiert, die kalte Luft wird ein Übriges tun, und das Impftempo nimmt ab. Sollten im Herbst die Ansteckungen explodieren und bis dahin nicht genügend Bürger geimpft sein, dann könnten die verhassten Beschränkungen zurückkehren. Die Frage ist nur, für wen. Kanzleramtsminister Helge Braun stellte dazu kürzlich fest: 'Geimpfte werden definitiv mehr Freiheiten haben als Ungeimpfte.' Sofort fiel eine Meute von angeblich freiheitsliebenden Menschen über ihn her. Der FDP-Vize Wolfgang Kubicki sprach von einer 'Impfpflicht durch die Hintertür'. Das ist irreführend. Es geht darum, so viele Ansteckungen zu verhindern, dass am Ende nicht doch noch Menschen vor den Krankenhäusern Schlange stehen. Wenn Ungeimpfte sich unter Druck sehen, den Impfstoff anzunehmen, damit sie wieder Party machen können, dann ist das ihr Problem, denn es ist kein Zwang. Es ist Druck. Und den sollte die Politik auf Impfverweigerer noch erhöhen", befindet die F.A.S.

Die SUNDAY TIMES aus London schreibt zur Impfkampagne im eigenen Land: "Das Vereinigte Königreich ist noch immer weit vor den meisten anderen Ländern dank des Startvorteils, aber Spanien hat jetzt schon mehr Menschen zweifach geimpft, Irland droht vorbeizuziehen, Kanada ist es schon. Die Herausforderung hierzulande ist es nun, die niedrige Impfquote bei den Jüngeren anzugehen. Bei den Menschen zwischen 18 und 30 Jahren wurden nur rund 20 Prozent bereits zwei Mal geimpft. Sie haben zwar später ein Angebot bekommen, aber sind auch zurückhaltender als ältere Gruppen. Junge Menschen sehen die Risiken für sich als gering an, und erkennen den Nutzen der Impfung nicht. Das ist falsch. Junge Menschen landen mit Covid auf der Intensivstation", warnt die britische SUNDAY TIMES.

Die israelische Zeitung HAARETZ geht auf mögliche Corona-Impfungen in Schulen ein: "Das Hauptargument für Impfungen in Schulen ist es, soziale Ungleichheit zu reduzieren. Denn nicht alle Eltern haben die Möglichkeit oder das Bewusstsein, die Kinder ins Impfzentrum zu bringen. Das Argument einzelner israelischer Politiker, dass Kinder vor sozialem Druck geschützt werden müssten und deshalb nicht in Schulen geimpft werden sollten, ist bizarr. Vor allem, wenn man überlegt, was die Risiken sind - dass sich die Schüler und ihre Familien infizieren und eine längere Isolation oder Quarantäne durchleben müssen. Wenn Israel so viele Kinder wie möglich impfen ließe, würde das Land einen riesigen Schritt Richtung Herdenimmunität gehen", betont HAARETZ aus Tel Aviv.

Die BILD AM SONNTAG erläutert mit Blick auf steigende Infektionszahlen in Deutschland: "Vor einer Woche hat Kanzleramtschef Helge Braun vorgerechnet, wie hoch die Sieben-Tage-Inzidenz in acht Wochen sein wird, wenn wir nicht gegensteuern. Ergebnis: 852, also sehr, sehr hoch. Und jetzt? Seit Wochen ist klar, dass wir in Deutschland keine Herdenimmunität erreichen werden. Welche Konsequenzen die Bundesregierung daraus ziehen will - unklar. Seit einem Jahr ist klar, dass Reiserückkehrer das Virus einschleppen. Die Testpflicht für Einreisende kam allerdings erst jetzt. Klar: Deutschland ist mitten im Wahlkampf und kaum jemand hat Lust auf unbequeme Entscheidungen. Sie müssen aber getroffen werden", fordert die BILD AM SONNTAG.

Auf den Bundestagswahlkampf in Deutschland geht die WELT AM SONNTAG ein: "In der vergangenen Woche hat sich in Umfragen endlich herauskristallisiert, wen die Deutschen als Kanzler sehen möchten. Sein Name ist 'Keiner der Kandidaten', und er oder sie bekommt fast die Hälfte aller Stimmen. Das ist ein Armutszeugnis für die Kandidaten. Vor allem aber für die Parteien. Die Grünen hätten mit Robert Habeck als Kandidat womöglich über Inhalte statt über Plagiate und Lügen im Lebenslauf reden können. Sie mussten sich aber gegen ihn entscheiden, weil er für die Partei das falsche Geschlecht hat. Die Union könnte womöglich mit Markus Söder besser punkten – er konnte sich aber nicht durchsetzen, weil Gremien anstelle von Mitgliedern über die Kandidatur entschieden. Olaf Scholz könnte der lachende Dritte sein. Und tatsächlich wächst die Zustimmung für den Mann, dessen Sorge davor, selbst eine klare Aussage zu machen, nur noch von der Angst übertroffen wird, dass seine Parteivorsitzende Saskia Esken eine machen könnte. Aber die SPD verharrt um die 15 Prozent auf Platz drei. So torkelt Deutschland einigermaßen desinteressiert nach 16 Jahren Merkel in eine ungewisse Zukunft", befürchtet die WELT AM SONNTAG.

Abschließend zur Aufarbeitung der Hochwasserkatastrophe in Teilen Deutschlands. Der TAGESSPIEGEL AM SONNTAG kommentiert: "Die jüngsten Politikerauftritte im verwüsteten Flutgebiet lösten ein verbreitetes Unbehagen aus. Es gab grundsätzliche Kritik. Die wurde mit der nahenden Bundestagswahl und dem Wahlkampf verbunden, und damit, dass die Politiker sich auf billige Art vor Trümmern als Macher und Retter produzierten. Dabei könnte man das im Sinne der Betroffenen auch als Glück im Unglück bewerten: Wann, wenn nicht in Wahlkampfzeiten, ist schnelle Hilfe der Politik garantiert? Die Kanzlerin aber sagte die Worte, die vielleicht die einzigen sind, die vom Schicksal Getroffene hören wollen. Sie sagte: 'Wir stehen an Ihrer Seite, Bund und Land.' Keine Gefühligkeiten, sondern die Zusicherung von Solidarität und von Nicht-Alleinlassen in der Not. Und darum geht es", konstatiert der TAGESSPIEGEL AM SONNTAG aus Berlin.

Die RHEINPFALZ AM SONNTAG aus Ludwigshafen stellt heraus: Die These, dass das Ahr-Hochwasser nicht vorhersagbar war, lässt sich kaum noch halten. Stimmen die Berichte des Landesamts für Umwelt, die fast minutiös darlegen, wie frühzeitig die dramatischen – und realistischen – Prognosen für den Pegelstand an der Ahr beim Krisenstab in Ahrweiler vorlagen, dann gibt es kaum noch eine Entschuldigung, warum nicht schneller gehandelt, warum nicht früher evakuiert wurde. Es wird höchste Zeit, nicht mehr der Mär von der Unvorhersagbarkeit zu folgen, sondern der Spur des Versagens.