Die Nachrichten
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24. Januar 2021Die Presseschau

Im Mittelpunkt der Kommentare stehen die Corona-Pandemie und der Machtwechsel in den Vereinigten Staaten.

Auf einem verschneiten Schild steht "Covid". (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Robert Michael)
Die Corona-Pandemie ist noch nicht überstanden. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Robert Michael)

DER TAGESSPIEGEL aus Berlin sorgt sich um die Gefahren durch Mutationen des Corona-Virus: "Ein ansteckenderes und vielleicht auch tödlicheres Virus wird bald auch bei uns die dominierende Corona-Variante sein. Sie wird, wenn die Schulen und Kitas geöffnet würden, sich über diese massiv verbreiten, so wie sie es in England getan hat und in Portugal tut. Auf andere Mutanten müssen wir uns auch vorbereiten, die ebenfalls stärker ansteckend sein können. Wie sich in Brasilien und Südafrika zeigt, werden die derzeitigen Impfstoffe wohl nicht gegen alle wirken. Wir müssen uns also auf ein eher langes Rennen mit dem Virus einstellen, Impfstoffe an die neuen Varianten anpassen, verstärkt an Therapien und Prävention forschen. Dabei den weniger gut Gestellten und deren Kindern zu helfen versuchen. Und alles tun, um uns selbst und andere nicht anzustecken", empfiehlt DER TAGESSPIEGEL.

Die WELT AM SONNTAG blickt auf die Impfstrategie der Bundesregierung: "Man sollte Jens Spahn nicht vorwerfen, dass er – wie wir alle – im Nebel der Pandemie mit seinen Einschätzungen oft danebenlag. Rechtfertigen aber muss er sich dafür, dass er selbst die Nebelmaschine anwirft. Aktuelles Beispiel: Spahns Gesundheitsministerium erweckt den Anschein, dass es feste Zusagen für Impfstoff-Nachlieferungen gibt. Auf FDP-Nachfrage wird jetzt aber deutlich, dass die Verhandlungen noch laufen. Insgesamt ist es so: Was in Deutschland und Europa mit Impfstoffherstellern besprochen wird, bleibt vertraulich. In der Pandemie aber darf man das Vertrauen in die Politik nicht erschüttern, man muss es stärken. Deshalb sollte die Regierung die Hintergründe der Impfstoffbestellung öffentlich machen", verlangt die WELT AM SONNTAG.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG geht auf die Nöte von Eltern während der Pandemie ein: "Zu den besonders Erschöpften zählen die Eltern kleiner Kinder. Sie sind sogar zu erschöpft, um ihre Erschöpfung an die große Glocke zu hängen. Die Energie, die noch da ist, brauchen sie, um weiterzumachen. Man muss sich nur mal umhören unter jungen Eltern, egal ob sie als Umzugsunternehmer arbeiten, als Lehrer oder gerade gar nicht, weil das Baby noch so klein ist. Sie haben die Sorgen, die alle haben, plus die rund um die Kinder. Das sollten all die im Blick haben, die es den Eltern leichter – oder schwerer – machen können. Die Arbeitgeber, die vielleicht noch nicht alles tun für ein flexibles Homeoffice im Lockdown; die Politiker, die die psychischen Folgen der Beschränkungen bedenken müssen; aber auch jene, die mit jungen Eltern zu tun haben und ihre eigenen Probleme bisher für die größten hielten", bemerkt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.

Die Probleme mit dem Homeschooling sind Thema in der RHEINPFALZ AM SONNTAG: "Runterladen, Ausdrucken, Bearbeiten, Hochladen, so sieht der moderne Bildungsvierkampf in Deutschland aus, wo der Live-Stream von Frontalunterricht als Nonplusultra der Online-Beschulung gilt. Das ist keine adäquate Wissensvermittlung im Digitalzeitalter. Das Gewohnte lässt sich nicht online abpausen, es muss eine neue Pädagogik her. Wobei es bereits gute Lernwerkzeuge im Netz gibt, doch sie sind derzeit bloße Lückenfüller, nicht Teil eines durchdachten Konzepts. Die Erfahrungen von heute müssen sich morgen in der Lehrerausbildung ebenso wiederfinden wie in den Lehrplänen. Denn Online-Unterricht bietet viele Chancen - sofern man ihn richtig angeht", betont die RHEINPFALZ AM SONNTAG, die in Landau erscheint.

Die schweizerische NZZ AM SONNTAG geht auf den Machtwechsel in den USA ein: "Der neue US-Präsident Joe Biden fand die richtigen Worte bei seiner Amtseinführung. Fast noch mehr Begeisterung löste die junge afroamerikanische Poetin Amanda Gorman aus, die mit ihrem Gedicht 'The Hill We Climb' und mit ihrem Auftritt im gelben Prada-Mantel die Inauguration zur perfekten Show machte. Nicht schon wieder, denkt man sich als Aussenstehende. Amerika braucht in dieser Krise keine glänzenden elitären Ausnahmeerscheinungen, sondern Normalität, Realität, Bescheidenheit. Etwas, womit sich alle identifizieren können. Denn die Amerikaner, die stundenlang für Essensausgaben anstehen müssen, wissen, dass für sie ein Auftritt im Capitol unerreichbar ist. Sie wissen, dass sie nie sein werden wie Gorman oder die Obamas. Biden wurde gewählt, eben weil er kein Überflieger ist, sondern ein mittelmässiger Politiker, der die Leute mit 'Folks, we can do this' abholt. 'Just do it!', möchte man ihm zurufen. Bitte ohne abzuheben", meint die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.

Zum Wechsel im Weißen Haus heißt es in der LOS ANGELES TIMES: "Die Tage beginnen und enden nicht mehr mit Tweets. Die Regierungssprecherin lügt nicht über die Größe der Menschenmenge oder beleidigt Reporter. Veranstaltungen im Weißen Haus haben klare Themen. Und der Präsident hält sich an das Drehbuch. - Washington erlitt ein Schleudertrauma als Präsident Biden das Amt von Donald Trump übernahm, ein Übergang, der als einer der schärfsten Kontraste in der Geschichte der USA gilt. Nach vier Jahren Chaos und Kontroversen, die von einem medienbesessenen Präsidenten angefacht wurden, erlebt das Land die erschütternde Normalität - und relative Ruhe - eines Nachfolgers, der weit weniger fernsieht, seinen Mitarbeitern vertraut, die meisten seiner Aufgaben im Stillen erledigt und auch mehr seiner Gedanken für sich behält", notiert die LOS ANGELES TIMES.

Die GULF TIMES aus Katar ergänzt: "Jeder Wechsel eines Präsidenten bringt eine neue Politik und eine neue Agenda. Aber dieser Wechsel ist anders. Die amerikanische Nation hatte in den letzten vier Jahren nicht nur eine konservative republikanischen Regierung, sie war auch im Griff eines riesigen und unersättlichen Egos. Präsident Trump war nicht annähernd so sehr damit beschäftigt, die Politik voranzubringen, wie für sich selbst zu sorgen. In gewisser Weise hat Trump der Nation ein Trauma zugefügt. Darunter litten nicht nur die Menschen, die Opfer einer schlechten Politik wurden - etwa durch seine gescheiterte Strategie bei Covid-19 oder seine grausame Familientrennungspolitik an der Grenze. Sondern darunter litten wir alle, die dem unerbittlichen, täglichen Ansturm von Trumps Lärm ausgesetzt waren", schreibt die GULF TIMES aus Doha. Das war die Presseschau.Redaktion: Andreas Diel, SprecherIn: ...