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8. Dezember 2018Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Annegret Kramp-Karrenbauer heißt die neue Chefin der CDU. Diese Personalie beschäftigt die Zeitungskommentatoren in allen Regionen Deutschlands.

Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (Kay Nietfeld/dpa)
Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (Kay Nietfeld/dpa)

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt: "Welches Gewicht die Vorsitzende Kramp-Karrenbauer haben wird, hängt wesentlich davon ab, wie das unterlegene Lager in der CDU mit seiner Niederlage umgeht. Trollt es sich innerlich oder bekämpft gar die Siegerin, dann wird nicht nur dieser innerparteiliche Frühling der CDU rasch zu Ende sein. Dann werden die Christdemokraten genau das, was sie sich über die verschiedenen Flügel hinweg vorgenommen haben, nicht schaffen: Ihre Basis wieder zu verbreitern, die vielen verlorenen Wähler wieder zurückholen", befürchtet die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Das FLENSBURGER TAGEBLATT sieht es so: "Die neue Vorsitzende mag von Stil und Nüchternheit ihrer Vorgängerin Merkel ähneln. Annegret Kramp-Karrenbauer hat aber einen ganz anderen Hintergrund - aus dem äußersten Westen und aus der katholischen Soziallehre kommend. Ansonsten: So konservativ, dass es mit den Positionen ihres unterlegenen Mitbewerbers Merz durchaus kompatibel ist. Ihre Häutung von der Generalsekretärin zur Parteichefin wird schnell erfolgen", ist sich das FLENSBURGER TAGEBLATT sicher.

Ähnlicher Meinung ist die FREIE PRESSE aus Chemnitz: "Wer von Kramp-Karrenbauer erwartet, sie setze Merkels Politik einfach fort, der wird im Positiven wie Negativen enttäuscht werden. Sicher findet sie einen ähnlich sachlichen und ausgleichenden Ton. Aber in einigen politischen Fragen wird sie sich deutlich abheben und entschlossener zeigen. Die Innere Sicherheit gehört auf jeden Fall hinzu. Das hat sie schon im Saarland gezeigt. Kramp-Karrenbauer wird noch viele überraschen", prognostiziert die FREIE PRESSE.

Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG notiert: "Zum Abschied bekam Angela Merkel einen Taktstock geschenkt. Die neue Dirigentin der CDU braucht ihn freilich dringender. Denn das Orchester, das Kramp-Karrenbauer nach wochenlangem Wettmusizieren mit Merz und Spahn nun übernimmt, neigte unter der Vorgängerin zunehmend zu Dissonanzen. Nun aber ist immerhin die Leitungsfrage entschieden: Die CDU hat, denkbar knapp, die Kontinuität dem Experiment vorgezogen. Doch auch mit Kramp-Karrenbauer wählte die Partei nicht ein einfaches Weiter-so. Die dreifache Mutter unterstrich mit ihrer kämpferischen Rede auf dem Parteitag, dass sie schon rhetorisch keine 'Mini-Merkel' ist", urteilt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.

Die FULDAER ZEITUNG führt aus: "Nein, ein Ruck wird mit Kramp-Karrenbauer weder durch die Union noch durchs Land gehen. Dass sie die Flügel der Partei wieder zusammenführt, der Kanzlerin auch mal deutlich Paroli bietet und der AfD das Wasser abgräbt, all das ist eher unwahrscheinlich. Zudem wird das Merz-Lager nicht locker lassen und weiter auf Korrekturen dringen. Es wird darauf ankommen, wie es Kramp-Karrenbauer gelingt, die mit ihrer Vorgängerin Merkel Unzufriedenen einzubinden. Scheitert sie mit diesem Vorhaben, könnte die nächste Eruption schneller kommen, als der Partei lieb ist", bemerkt die FULDAER ZEITUNG.

"Es wird wahrscheinlich nicht sehr lange dauern, und die ersten ostdeutschen Politiker trauern der Ära Merkel nach", erwartet die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle: "Denn: Soviel Osten wie mit der Frau aus der Uckermark wird es in der Politik nicht noch einmal geben. In der CDU werden nun diejenigen Oberwasser bekommen, die meinen, der Osten hat schon zu viele Milliarden erhalten und ist dann auch noch undankbar. Am 9. November 2019 jährt sich zum 30. Mal der Tag des Mauerfalls. Der Spalt zwischen Ost und West wird sich bis dahin sicherlich nicht schließen", unterstreicht die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG.

Die Zeitung DIE WELT erläutert: "Mit Kramp-Karrenbauer folgt nun erstmals in einem großen Land der westlichen Welt eine Frau auf eine Frau an der Spitze einer Regierungspartei. Damit könnte auch erstmals auf eine Regierungschefin eine weitere folgen. Wer einen Beweis dafür sucht, wie weit vorne Deutschland in manchen Fragen weltweit liegt, findet mit dem Hamburger Ergebnis einen Beweis dafür."

In der Online-Ausgabe der ZEIT ist zu lesen: "Kramp-Karrenbauer war in allen Umfragen die in der Bevölkerung und unter CDU-Anhängern beliebteste - weil unanstößigste - Kandidatin. Will sie auch die nächsten Wahlen gewinnen, Europawahl und Landtagswahlen in Ostdeutschland, wo die Gegner nicht Merz und Spahn, sondern die AfD und die Grünen sind, wird sie zumindest Letzteres ändern müssen. Ob ihr das gelingt? Der Typ für bedingungslosen Angriff ist sie nicht, das wäre auch nicht authentisch, so hat sie es in ihrer Bewerbungsrede noch mal klargemacht. Diese wohl wichtigste Rede ihrer Karriere war aber durchaus kämpferisch und bisweilen eigenwillig, unverzagt trotz des hohen Drucks", hält ZEIT ONLINE fest.

Die OBERHESSISCHE PRESSE aus Marburg blickt auf Kramp-Karrenbauers knappes Wahlergebnis: "Kramp-Karrenbauer habe 'das Herz der Partei erreicht', analysierte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier den Sieg der Saarländerin beim CDU-Bundesparteitag. Richtiger wäre: Kramp-Karrenbauer hat knapp 52 Prozent der Herzen der Partei erreicht - im zweiten Wahlgang. Es ist kein miserables Ergebnis bei einer Kampfabstimmung mit drei starken Kandidaten. Es heißt auch nicht unbedingt, dass 48 Prozent der Delegierten verbissene AKK-Gegner sind. Klar ist dennoch: Kramp-Karrenbauers wichtigste Aufgabe ist es nun, die Flügel der CDU hinter sich zu scharen und Wähler aus verschiedenen Milieus anzusprechen. Sie muss der CDU ein schärferes Profil geben, ohne dabei die Regierungsarbeit zu sehr zu stören. Das ist ein Drahtseilakt", stellt die OBERHESSISCHE PRESSE klar.

In der TAZ heißt es: "Eine Mehrheit der Delegierten wollte lieber keine neunziger Jahre in Aspik. Aber eben nur etwas mehr als die Hälfte. Der Riss geht mitten hindurch, zumal sich Friedrich Merz nicht als Vizevorsitzender einbinden lassen möchte. Kramp-Karrenbauer wird mit dem Frust der Konservativen in der CDU zu kämpfen haben, mit dem Wutbürgertum ihrer eigenen Partei. Viele haben von einem Fest der Demokratie gesprochen, aber bei diesem Fest wurden Wunden geschlagen und blaue Flecken. Am Morgen danach werden sie schmerzen", glaubt die TAZ.

Die FRANKENPOST aus Hof kommt zu folgendem Schluss: "Kramp-Karrenbauers Sieg bedeutet eine schallende Ohrfeige für Wolfgang Schäuble, der seinen Liebling Friedrich Merz für den Parteivorsitz in Stellung gebracht hatte - mit dem unmissverständlichen Ziel, dass dieser die Ära Merkel rasch beenden und selbst Kanzler werden möge. Dieser Plan wurde durchkreuzt. Vielleicht deswegen, weil Schäuble sich auf den letzten Metern nicht beherrschen konnte und eine klare Wahlempfehlung für Merz ausgesprochen hat. Das hat Merz geschadet, weil sich wohl viele Delegierte nicht in ihrer Willensbildung beeinflussen und vorschreiben lassen wollten, wem sie ihre Stimme zu geben hätten", vermutet die FRANKENPOST.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU analysiert: "Der Erfolg der neuen Vorsitzenden wird bemessen daran, wie sich Union und AfD in der Wählergunst weiterentwickeln. Und bei dem Duell mit der AfD geht es um mehr als um eine Neubewertung von Angela Merkels Flüchtlingspolitik. Der Erfolg der AfD ist eine Reaktion auf die global wachsenden Unterschiede zwischen Arm und Reich, die mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten der früheren Arbeiterklasse und damit verbunden die in der Bevölkerung verankerten Sorgen über die neue Arbeitswelt im Digitalen. Diese Probleme müssen angegangen werden, will der Populismus wirklich besiegt werden. Es ist eine große Aufgabe, die nun Annegret Kramp-Karrenbauer lösen muss", merkt die FRANKFURTER RUNDSCHAU an.

Zum Abschluss noch eine Stimme zum Jubiläum 70 Jahre Menschenrechtserklärung. Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg kommentiert: "Jeder Einzelner trägt im jeweils eigenen Lebensumfeld die Verantwortung, allen Verletzungen der Menschenrechte entschieden entgegen zu treten. Eine Zerstörung dieser Normen würde zum Rückfall in die Barbarei führen."