Die Nachrichten

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30. März 2020Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Kommentiert werden der Umgang der USA mit der rasanten Ausbreitung des Coronavirus die Frage, wann und wie die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie beendet werden könnten. Außerdem geht es um die Klimaschutz-Aktion "Earth Hour".

Am Brandenburger Tor gingen die Lichter für den Klimaschutz aus. (AP)
Am Brandenburger Tor gingen die Lichter für den Klimaschutz aus. (AP)

Zur Corona-Krise schreibt die RHEINPFALZ: "Selbstverständlich ist es höchste Zeit, über Exitstrategien zu diskutieren - das heißt ja nicht, dass die derzeitigen Maßnahmen als unsinnig angezweifelt würden. Soll das so bleiben, muss die Bundesregierung jetzt und nicht erst Mitte April nachvollziehbare Kriterien formulieren, wann die Beschränkungen schrittweise aufgehoben werden, wann wir langsam zu unserem normalen Leben zurückkehren können", fordert die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen.

"Die Zahlen, die täglich von der Pandemie-Front gemeldet werden, sind nicht dazu angetan, Entwarnung zu geben. Im Gegenteil", vermerkt hingegen die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG und führt aus: "In Großbritannien, dessen Regierung zunächst eine vergleichsweise entspannte Haltung an den Tag gelegt hatte - das hat sich geändert -, werden mittlerweile die Leute auf eine längere Zeit des Stillstands vorbereitet, also darauf, dass alles noch 'schlimmer' werden wird. In Spanien werden die Maßnahmen abermals drastisch verschärft. In Amerika werden Gesetze aus Kriegszeiten angewendet. Für Deutschland schließt der Präsident des Robert Koch-Instituts Zustände wie in Italien nicht aus. Mit anderen Worten: Die Fallzahlen könnten auch bei uns so beängstigend steigen, dass die Kapazitäten bald erschöpft wären", warnt die F.A.Z.

"In dieser Situation der Politik die Pistole auf die Brust zu setzen, ist gefährlich", glaubt auch die EMDER ZEITUNG. "Der herrschende Stillstand ist in der Tat furchtbar. Nicht nur für Unternehmer, sondern auch für die weitaus größere Gruppe der Arbeitnehmer. Doch bei aller wirtschaftlichen Not: Noch haben wir die Möglichkeit, durch anhaltende Beschränkungen den Kampf gegen das Virus zu gewinnen. Die nächste Phase könnte dann sein, wie in Italien und Spanien entscheiden zu müssen, wer leben darf und wer sterben muss. Das sollten die Entscheider bedenken", ist in der EMDER ZEITUNG zu lesen.

Die BADISCHE ZEITUNG merkt an: "Deutschland steht am Beginn der Krankheitswelle. Falsche Hoffnungen sollte sich daher niemand machen. An eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist momentan nicht zu denken. Über Auswege aus dem Ausnahmezustand nachzudenken verbietet sich deshalb aber nicht – im Gegenteil. Die Gesellschaft wird nicht über Nacht auf Normalbetrieb umschalten können. Es wird wohl eher ein schrittweiser Prozess sein. Denn so schnell die Krise auch gekommen ist - aus ihr herauszufinden, wird dauern. Sich nun zeitnah über das Wie zu verständigen und tragfähige Konzepte auszuarbeiten gehört nun ebenso zu den wichtigen Aufgaben der Politik", meint die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg.

"Es ist richtig und wichtig, sich jetzt Gedanken zu machen, wie der Weg zurück in die Normalität aussehen kann und wann er beginnen darf", findet auch der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER: "Nach allem, was man abschätzen kann, wird es aber einige Wochen dauern, bis es möglich sein wird, die Beschränkungen komplett aufzuheben. Bis wir wieder von Normalität reden können, braucht es viele Monate. Doch jeder kann dazu beitragen, die Zeit zu verkürzen", betont der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.

Die VOLKSSTIMME aus Magdeburg beobachtet: "Bislang ist weit überwiegend eine bemerkenswerte Disziplin zu beobachten. Von Woche zu Woche aber werden die strengen Corona-Auflagen zu wachsendem Unmut führen. Doch die Welt befindet sich in einem Ausnahmezustand. Es geht um Leben und Tod. Es wird auf noch unbestimmte Zeit Einschränkungen geben. Sonst kann das Coronavirus nicht eingedämmt werden. Zugleich muss schon jetzt für die Zeit nach Corona geplant werden. Die Menschen brauchen eine Perspektive - und Hoffnung", bemerkt die VOLKSSTIMME.

In der RHEINISCHEN POST heißt es: "Der Druck und die Not der Wirtschaft, möglichst rasch zu einem normalen Alltag zurückzukehren, wird in den nächsten Wochen trotz der gigantischen und beispiellosen staatlichen Hilfen für die Unternehmen wachsen. Wir sollten uns aber vor einer Diskussion hüten, die ökonomische gegen gesundheitliche Interessen abwägt. Man kann das Leben nicht gegen Geld aufwiegen. So gehören zu einer Exit-Strategie, die den Namen verdient, auch sehr viel Kreativität und die unmissverständliche Botschaft, dass die Krise neue Wege fordert. Es ist eine Illusion zu glauben, schon in wenigen Wochen können wir den Hebel umlegen und haben unser altes Leben zurück", unterstreicht die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.

In den USA steigen die Zahlen von Infizierten und Toten rasant. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt: "In der Corona-Krise, der größten Bedrohung seit dem Zweiten Weltkrieg, versagt Amerika. Die Hilflosigkeit, mit der die USA dem Virus gegenüberstehen, ist ebenso erschreckend wie verstörend. Das Land, das einst Europa vor den Nazis gerettet und Menschen zum Mond geschickt hat, ist heute nicht in der Lage, seine Ärzte mit 75-Cent-Schutzmasken oder seine Bürger mit Klopapier zu versorgen. Das Versagen der Regierung wird binnen weniger Monate Tausende, vielleicht Zehntausende Menschen das Leben kosten. Das wird die Gesellschaft tief traumatisieren. Zudem werden Millionen Bürger ihre wirtschaftliche Existenz verlieren. Und anders als in Deutschland gibt es kein soziales Netz, um die Abgestürzten aufzufangen", hebt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hervor.

Auch die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG weist auf Auswirkungen der Coronakrise in den USA hin: "Kliniken arbeiten am Anschlag, die Arbeitslosenzahlen steigen rasant. Viele Bürger haben keine Krankenversicherung. Die Infizierung mit Covid-19 muss nicht den Tod bedeuten, für viele Bürger ist das Virus aber ein Ticket in die Armut. Das birgt sozialen Sprengstoff. Inzwischen dämmert das wohl auch dem Mann im Weißen Haus. Mit viel Geld und Einzelmaßnahmen versucht seine Regierung das fehlende Netz sozialer Sicherheit notdürftig auszugleichen. Man wünscht ihm Glück. Doch hat ein Präsident, der erst handelt, wenn es fast zu spät ist, die Wiederwahl verdient?", fragt die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.

Themenwechsel. "Die Corona-Krise hat sogar die Klimafrage verdrängt - das Megathema des vergangenen Jahres", merkt die FRANKFURTER RUNDSCHAU an und schreibt: "Die Erderwärmung aber lässt sich von einem Virus nicht beeindrucken. Zwar sinken der Stickoxid- und der Kohlendioxidausstoß. Aber der vorübergehende weltweite ökonomische Stillstand wird die Klimafrage nicht lösen. Dabei zeigt sich an der Corona-Krise deutlich, dass es nicht ratsam ist zu warten, bis ein Problem mit voller Wucht zuschlägt. Wie bei den Corona-Infektionen ist auch die Kurve der Erderwärmung steil. Es ist daher gut, dass sich am Wochenende der Fokus auf dieses Thema gerichtet hat, zumindest für kurze Zeit. In der 'Earth Hour' gingen in Tausenden Städten weltweit die Lichter aus, um an Klima- und Umweltschutz zu erinnern. Das Brandenburger Tor wurde dunkel, der Kölner Dom war nicht mehr angestrahlt. Es war ein wichtiges Signal. Aber klar ist auch: Eine einzige Stunde für Umwelt und Klima reicht bei weitem nicht aus", betont die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

Das WESTFALEN-BLATT bewertet die Aktion anders: "Während in Deutschland wegen der Corona-Krise wirtschaftlich die Lichter auszugehen drohen und die Leute in ihren Häusern und Wohnungen bleiben, hat die Umweltorganisation WWF ihre Aktion 'Earth Hour' durchgezogen – um auch in Zeiten von Corona ein Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Das kann man für richtig halten, muss man aber nicht. Denn diese fatale Symbolik dient nicht eben einer besseren Stimmung in der Gesellschaft. Ganz zu schweigen davon, dass Kirchen wie der Kölner Dom gerade jetzt im Dunkeln durchgehend leuchten sollten. Die Klimaschutzaktivisten müssen dabei zusehen, wie ein Virus ihr Thema in den Medien verdrängt. Ihre Versuche, Corona und Klima irgendwie zu verknüpfen, um wieder wahrgenommen zu werden, sind ziemlich durchsichtig." Mit dieser Meinung aus dem Bielefelder WESTFALEN-BLATT endet die Presseschau.