Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

13. Februar 2020Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind das Schreiben von Papst Franziskus sowie der Gesetzentwurf zu Retouren. Weiterhin geht es auch um die Zukunft der CDU nach der Rückzugsankündigung der Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer.

Papst Franziskus (dpa-news / AP / Gregorio Borgia)
Papst Franziskus (dpa-news / AP / Gregorio Borgia)

Zu den Berichten um Ambitionen des früheren Unionsfraktionschefs Merz auf Parteivorsitz und Kanzleramt schreibt die BADISCHE ZEITUNG: "Ein CDU-Chef Merz, das wäre der harte Bruch mit dem Mitte-Kurs Merkels. Davor scheuen viele in der CDU bislang zurück. Auch andere Bewerber dürften jetzt aus der Deckung kommen. Der junge Jens Spahn hat zuletzt an Statur gewonnen, trotzdem könnte es für ihn zu früh sein. Als moderater Versöhner bietet sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an, der aber kaum Emotionen weckt. Je tiefer die CDU in die Krise gerät, desto besser stehen die Chancen für Merz", prognostiziert die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg.

Der MANNHEIMER MORGEN notiert: "Ob das Vorpreschen von Merz klug ist, wird sich zeigen. Wer Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden will, der muss Verbündete und parteiinterne Truppen hinter sich versammelt haben. Merz hat nicht nur Freunde in der Union - seine nach wie vor engen Verbindungen zur Finanzbranche, seine fehlende Empathie für soziale Belange, die nicht vorhandene Regierungserfahrung machen ihn angreifbar. Und dass er sich nach der verlorenen Vorsitzenden-Wahl nie wirklich eingebracht hat in die Parteiarbeit, kreiden ihm viele an", beobachtet der MANNHEIMER MORGEN.

"Friedrich Merz ist aktuell die größte Verheißung für die CDU", glaubt hingegen das WESTFALEN-BLATT und schreibt: "Als einzig lebender Heiliger aller konservativen Christdemokraten vereinigt der 64-Jährige sämtliche ihrer Wünsche und Sehnsüchte auf sich. Ob das aber, was unter den Christdemokraten nun im zweiten Anlauf eine Mehrheit finden könnte, auch bei den Wählern ankommt, steht dann auf einem anderen Blatt. Der Sauerländer bleibt zunächst Projektionsfläche für all das, was der CDU tatsächlich oder auch nur vermeintlich fehlt. Er war lange genug raus aus der Politik, so dass ihn keine Schuld an der beklagenswerten Gegenwart trifft. Aber kann der Mann der Vergangenheit seine Partei auch erfolgreich in die Zukunft führen? Und schließlich: Zwischen Friedrich Merz und Angela Merkel scheint ein Hand in Hand kaum vorstellbar. Bestimmt die CDU Merz zu ihrem neuen Vorsitzenden, wählt sie die eigene Kanzlerin ab", erwartet das WESTFALEN-BLATT aus Bielefeld.

"Man kann gegen Friedrich Merz vieles vorbringen", meint der MÜNCHENER MERKUR und zählt auf: "Seine Vergangenheit bei Blackrock, seine Arroganz, die er andere gern spüren lässt. Aber eines kann ihm keiner absprechen: Mit Merz kehrt die Leidenschaft, die Emotion in die Politik zurück - und damit eine Energie, die Angela Merkel mit ihrer Art des Heruntermoderierens in 15 Jahren rückstandsfrei entfernt hat. Doch genau diese Energie braucht die Demokratie. Es ist ihr Elixier. Es ist konsequent, dass Merz sich als Erster aus der Deckung wagt: Er ist nicht der Mann der Hinterzimmer, in denen die CDU-Strippenzieher gerade einen anderen ausmauscheln wollen. Der 64-Jährige ist ein Kämpfer und in Stil und Inhalt der Gegenentwurf zu Armin Laschet, den die Kanzlerin auserkoren hat, ihr Erbe zu verteidigen. Die CDU steht vor einer historischen Wahl", erklärt der MÜNCHENER MERKUR.

Themenwechsel. In seinem Schreiben mit dem Titel "Geliebtes Amazonien" ist Papst Franziskus nicht auf Forderungen eingegangen, den Zölibat zu lockern. Dazu erläutert die SCHWÄBISCHE ZEITUNG: "Mit einem kleinen Schritt hätte Papst Franziskus viel bewirken können: Doch die Priesterweihe verheirateter Männer lehnt der Argentinier ab. Es geht um eine für katholische Christen existenzielle Frage. Wer feiert mit ihnen Eucharistie? Franziskus bleibt die Antwortschuldig. Der Papst enttäuscht Anhänger und bestätigt Kritiker, wenn er die Forderungen nach einer Lösung ignoriert. Denn beständig fordert er einerseits zur Eigenständigkeit der Ortskirchen auf, andererseits aber verhindert er die Umsetzung der Vorschläge. Er bleibt inkonsequent", folgert die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg.

"Dass der Heilige Vater Franziskus kein wirklicher Reformpapst mehr werden wird, ist schon länger klar", betont die VOLKSSTIMME und führt aus: "Und seit gestern wissen wir auch, dass sich am Zölibat vorerst nicht das Geringste ändern wird. Dabei gibt es längst eine Vielzahl von Ausnahmen vom Zölibat. Ein amüsanter Aspekt ist, dass die Ehelosigkeit ausgerechnet für das Amt des Papstes keine Voraussetzung darstellt. Zum Heiligen Vater kann nach Kirchenrecht nämlich jeder gläubige, männliche Katholik gewählt werden. Dennoch: Der Zölibat wird fallen, so oder so", glaubt die VOLKSSTIMME aus Magdeburg.

Die STUTTGARTER ZEITUNG fragt: "Ist der mit großen Erklärungen angetretene und dann mit Erwartungen überfrachtete Franziskus am Ende? Nicht unbedingt. Sicherlich: Aus Rom kommt nichts Konkretes. Es ist offenbar falsch, darauf zu warten. Andererseits hat der Papst schon recht: Wenn unten, in den Ortskirchen, kein neuer Schwung entsteht, kann von oben kommen oder nicht, was will", unterstreicht die STUTTGARTER ZEITUNG.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU bemerkt: "Gegner jeglicher Veränderung wie den Kölner Kardinal Rainer Woelki wird 'Geliebtes Amazonien' freuen. Für die anderen ist dieses Dokument kein Liebesbrief, keine Frohbotschaft, sondern ein Beerdigungsschreiben."

Die SÜDWEST PRESSE sieht in dem Papstschreiben jedoch auch einen positiven Aspekt: "Mit seinem Schreiben beschreitet Papst Franziskus neue Wege. Nicht sein Deutungsrahmen, sondern jenes Papier, das die Amazonas-Bischöfe nach dreiwöchiger Beratung beschlossen haben, macht er zum offiziellen Dokument für die Weltkirche. Damit ist vor allem eines nicht geschehen: Den Forderungen wurden keine endgültige Abfuhr erteilt", hebt die SÜDWEST PRESSE aus Ulm hervor.

Kommentiert wird auch der vom Kabinett beschlossene Gesetzentwurf, der es Online-Händlern erschweren soll, Retouren zu vernichten. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG kommentiert dazu: "Alles ist ja bis zum Überdruss gepredigt worden. Dass man besser beim Einzelhändler einkauft als beim Online-Riesen. Dass es Wahnsinn ist, ein Kleidungsstück in drei Größen zu bestellen und zwei zurückzuschicken. Dass es sich lohnt, mehr Geld für ein hochwertiges Produkt auszugeben, als für das gleiche Geld acht Sachen zu kaufen, die nach einem Jahr schon Abfall sind. Und dass es nicht schaden kann, sich öfter mal die Frage zu stellen: Brauche oder will ich das wirklich? All das wissen Konsumenten. Abgesehen von ein paar wenigen shoppen sie weiter wie gehabt. Dass die Politik den Handel nun verpflichtet, zurückgeschickte Artikel nicht mehr zu vernichten, sondern weiter zu verwenden, ist eine gute Nachricht. Vormachen aber sollte man sich nichts: Das Prinzip Verschwendung heißt nicht Amazon. Das sind schon immer noch wir alle", heißt es in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ist zu lesen: "Deutschland wird damit nicht zum Vorreiter in der Abfallvermeidung in Europa, auch wenn die Umweltministerin es so verkauft. Stattdessen werden für die Unternehmen ein weiteres Mal die bürokratischen Hürden erhöht, obwohl sich die Bundesregierung doch eigentlich genau das Gegenteil auf die Fahnen geschrieben hatte", moniert die F.A.Z.

Die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG schlägt vor: "Eine Gebühr von 2,95 Euro pro Sendung würde etwa 16 Prozent aller Retouren vermeiden – so das Ergebnis einer Studie der Uni Bamberg. Dass der Rückversand kostenlos ist, ist ohnehin ein Trugschluss. Die Kosten für den Versand sind nämlich im Preis der Ware enthalten. Online-Händler sind ja schließlich nicht wohltätig unterwegs, sondern denken rein wirtschaftlich. Und da müssen alle Kosten gedeckt sein. Wenn der Rückversand etwas kostet, dann müssten die Kosten nicht mehr auf den Warenpreis aufgeschlagen werden. Die Käufer, die weniger retournieren, würden dann sogar profitieren." Mit diesem Zitat aus der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG endet die Presseschau.