Die Nachrichten
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11. Mai 2021Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Mit einem Blick nach Jerusalem, wo erneut Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern ausgebrochen ist. Außerdem Stimmen zu den Segnungsfeiern katholischer Gemeinden für gleichgeschlechtliche Paare.

Janine Wissler (l), Parteivorsitzende der Partei Die Linke, und Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke, stellen sich als Spitzenkandidatenduo für die Bundestagswahl vor. (dpa)
Treten für "Die Linke" als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl an: Janine Wissler (l), Parteivorsitzende und Dietmar Bartsch, Fraktionsvorsitzender (dpa)

Zunächst aber analysiert die PFORZHEIMER ZEITUNG die Spitzenkandidaten der Partei "Die Linke" für die Bundestagswahl. Das Blatt sieht in dem Duo aus Janine Wissler und Dietmar Bartsch eine gute Wahl für die Parteiseele: "Denn es deckt äußerlich und programmatisch die Bandbreite der Partei ab. Frau und Mann, Ost und West, jünger und nicht mehr ganz so jung, weiter und nicht ganz so weit links. Ob die Kandidaten damit auch bei den Wählern punkten können, ist eine andere Frage. Eigentlich müsste es gut laufen für die Linke. Die Corona-Pandemie hat vielfach zu sozialen Verwerfungen geführt, und die einst linke Volkspartei SPD schwächelt. Doch allzu oft ist die Linkspartei mit Nabelschau und abgehobenen intellektuellen Debatten beschäftigt. So löst sie keine Begeisterung aus", befindet die PFORZHEIMER ZEITUNG.

Die Magdeburger VOLKSSTIMME erkennt in Janine Wissler ein Problem: "Die Co-Parteichefin steht für das Haupthindernis bei den Linken für eine grün-rot-rote Koalition: die Außenpolitik, insbesondere die Ablehnung von Nato und Bundeswehr-Auslandseinsätzen. Das wird Dietmar Bartsch, erfahrener Haudegen der Linken, nicht ausgleichen können. Susanne Hennig-Wellsow, Wisslers Kollegin im Vorsitzendenamt, wäre die erfolgversprechendere Kandidatin gewesen. Im links regierten Thüringen hat sie genug Erfahrung mit Kompromissen. Den Linken fehlt zudem eine Galionsfigur. Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht hinterlassen tiefe Lücken", analysiert die VOLKSSTIMME.

Für die FREIE PRESSE ist das Grundproblem der Linkspartei, dass sie bis heute nicht flächendeckend in der Republik angekommen ist: "Aus den Landtagen von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist sie längst wieder herausgeflogen – und in die von Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat sie es noch nie geschafft. Zum Einzug in den Bundestag hat es bisher zwar noch jedes Mal gereicht. Nur muss das ja nicht immer klappen. Im Zusammenspiel mit der Coronakrise dürfte der Abschied von den Merkel-Jahren zur Wahl so einiges ins Wanken bringen – nur dass von einer anhaltenden Schwäche der Union nicht die Linke profitiert, sondern die FDP", hält die FREIE PRESSE fest, die in Chemnitz erscheint.

Das BADISCHE TAGBLATT weist auf einen inhaltlichen Schwachpunkt der Linkspartei hin: "Ihr Leib- und Magenthema, den Sozialstaat, haben auch SPD und Grüne im Angebot. Die Linke wird höchstwahrscheinlich zur Regierungsbildung nicht gebraucht. Daher muss die Partei darauf achten, im Wahlkampf überhaupt noch eine Rolle zu spielen. Das angestrebte zweistellige Ergebnis, an dem sich Wissler und Bartsch messen lassen wollen, ist aus heutiger Sicht in weiter Ferne. Die Fünf-Prozent-Hürde ist viel näher", warnt das BADISCHE TAGBLATT, das in Baden-Baden erscheint.

Ähnlich sieht es TAGESZEITUNG aus Berlin: "Wie die SPD steht auch die Linkspartei bei der Bundestagswahl in der Gefahr, bei dem groß inszenierten Zweikampf der Grünen mit der Union unter die Räder zu kommen – mit gravierenden Folgen. Dass es so weit kommt, kann sich niemand wünschen, dem die sozialen Verhältnisse in der Bundesrepublik nicht egal sind. Ob Corona- oder Klimakrise: Gerade Arme und sozial Deklassierte sind davon immer härter betroffen als Wohlsituierte. Es ist wichtig, dass sie eine starke Stimme im Parlament haben", ist die TAZ überzeugt.

Die SÜDWEST-PRESSE befasst sich mit den öffentlichen Segnungsfeiern in vielen katholischen Gemeinden für gleichgeschlechtliche Paare: "Die Homosexuellen bekennen sich zueinander, und es ist ihnen wichtig, dafür Gottes Segen zu erbitten. Gerade den zweiten Teil übersehen die Kritiker. Schließlich könnten die Paare einfach so zusammenleben. Schön, dass sie es mit dem Segen tun – und dass es immer mehr Priester gibt, die ihn spenden. Das wird hoffentlich alltäglich. Für die Priester ist es ein Akt des Ungehorsams, mit dem sie deutlich machen: Sie sind für alle Gläubigen da. Ihnen sind die Menschen vor Ort wichtiger als ein paar Theologen in Rom, die jeden Kontakt zum Leben verloren haben. Das verdient Respekt", schreibt die SÜDWEST-PRESSE, die in Ulm erscheint.

Nach Ansicht der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zeigt die Kontroverse um die Segnungen einmal mehr, dass die Kirchenbasis - Zitat: "sehr viel weiter ist als die Amtskirche. Und es ist eine Bewegung in der Breite der Kirche. Die katholischen Seelsorger, die nun öffentlich segnen, sind zwar überwiegend im großstädtischen Milieu zu finden, aber nicht nur: Auch in kleinen Landgemeinden wird gesegnet. Deutlich wird aber auch, wie tief die Gräben sind zwischen konservativen und reformorientierten Katholiken. 'Schisma, Häresie, Exkommunikation' rufen die Erzkonservativen. Die Fronten sind verhärtet, wie will man je wieder zusammenkommen?", fragt sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz weist darauf hin, dass es auch außerhalb der Kirchenführung Vorbehalte gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren gibt: "Und gegen die schleichende Einebnung des Unterschieds zur Ehe kann der Vatikan sogar mit guten Gründen etwas haben. Das heißt noch lange nicht, dass man solche Beziehungen ablehnen muss. Hier könnte der vor allem verbal starke Papst Franziskus vermitteln: Die Botschaft in die katholischen Lande, es möge jeder nach seiner Fasson selig werden, wäre hilfreich für katholische Einheit in Vielfalt", meint die ALLGEMEINE ZEITUNG.

Der TAGESSPIEGEL findet, die Kirche sollte den Priestern dankbar sein: "Sie nehmen in die Hand, was der Vatikan nicht zu leisten vermag: längst überfällige Modernisierung. Seit Jahren treten die Deutschen in Massen aus der Kirche aus. Umfragen haben gezeigt, dass nicht nur Missbrauchsfälle und Kirchensteuern dafür verantwortlich sind, sondern auch veraltete kirchliche Moralvorstellungen. Die widerspenstigen Kleriker geben jetzt ihre ganz eigene Antwort auf einen Zweifel - und retten ihre Institution so möglicherweise vor der Bedeutungslosigkeit", unterstreicht der Berliner TAGESSPIEGEL.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU lenkt unsere Aufmerksamkeit nach Ost-Jerusalem, wo der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern eskaliert ist: "Seit Jahren schon gehört der Jerusalem-Tag zu den spannungsreichsten in der 'heiligen Stadt'. Diesmal hat Israels Feier zu ihrer Wiedervereinigung nur krasser gezeigt, wie geteilt Jerusalem ist. Der im Sechstagekrieg eroberte arabische Ostteil ist dem Westteil nicht gleichgestellt. Die dort lebenden Palästinenserinnen und Palästinenser sind bloß geduldete Residenten mit eingeschränkten Bürgerrechten. Das israelische Gesetz macht sogar einen Unterschied zwischen jüdischen und arabischen Besitzansprüchen. Die früher eher lauen internationalen Proteste gegen eine solche diskriminierende Politik sind lauter geworden. Gut so. Ob das Israels Regierung zu einem Umdenken bringt, steht auf einem anderen Blatt", notiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

Für die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG sind die jüngsten Ausschreitungen ein Beleg dafür, wie fragil das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern ist: "Als Provokation empfundene Anlässe wirken wie ein Brandbeschleuniger. Im jüngsten Fall war ein Auslöser die drohende Zwangsräumung palästinensisch bewohnter Häuser. Wann wird es auch dem Letzten klar, dass sich der Konflikt nur mit diplomatischem Fingerspitzengefühl lösen lässt? Den Raketenbeschuss durch militante Palästinenser können die israelischen Sicherheitskräfte nicht tatenlos hinnehmen. Die Schließung der Fischereizone vor dem Gazastreifen im Gegenzug ist aber auch nicht hilfreich. Die Spirale von Gewalt und Gegengewalt wird so niemals zu durchbrechen sein", fürchtet die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG. Damit endet die Presseschau.