Die Nachrichten

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5. August 2020Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Demonstrationen in Corona-Zeiten - das ist ein Thema in den Kommentarspalten. Außerdem geht es um den geplanten Regelbetrieb in den Schulen und um den von der DFL beschlossenen Leitfaden zur möglichen Rückkehr der Fans in Stadien der Bundesliga. Ferner wird die Zukunft der spanischen Monarchie kommentiert.

Corona Lockdown - Großdemo in Berlin (picture alliance / Marc Vorwerk)
Corona Lockdown - Großdemo in Berlin (picture alliance / Marc Vorwerk)

Doch zunächst ins Inland. Die Zeitung DIE WELT ist der Ansicht: "Es geht nicht um Corona-Leugner auf der einen und Corona-Versteher auf der anderen Seite. So simpel ist die Lage nicht, auch wenn manche sie gerne so darstellen möchten. Der Begriff 'Covidioten' ist der Versuch, eine Eindeutigkeit zu schaffen, die es nicht gibt. Denn diejenigen, die die Existenz des Virus leugnen, mit denjenigen gleichzusetzen, die die Corona-Maßnahmen hinterfragen, tötet jede inhaltliche Debatte. Gesellschaftlicher Konsens aber kann nur durch Austausch von Argumenten entstehen. Was passiert, wenn der nicht mehr möglich ist, hat Deutschland nach dem Sommer 2015 in der Flüchtlingsfrage erlebt", erinnert die Zeitung DIE WELT.

DER NEUE TAG aus Weiden meint: "Angesichts des existenziellen Schocks, den die Corona-Pandemie allen beschert hat, reagieren manche mit Realitätsverweigerung. Ganz so wie Kleinkinder, die sich beim Versteckspiel die Augen zuhalten und meinen, man sieht sie nicht. Andere versteigen sich zu pubertärer Kraftmeierei. Ihre Vorstellung, dass Freiheit vor allem Erlaubnisse erteilt, ist zerstörerisch. Denn wenn Freiheit ohne Verantwortung wahrgenommen wird, verkommt sie zur Willkür. Auf der anderen Seite sind jene, die angesichts der Pandemie vom Ausnahmezustand und der Allmacht des Staates fantasieren. Sie wollen die Freiheitsrechte, etwa das Demonstrationsrecht, einschränken. Dabei gilt es, Verantwortung und Vernunft stark zu machen, nur das schützt alle", unterstreicht DER NEUE TAG.

Die ALLGEMEINE ZEITUNG aus Mainz kritisiert: "Fragt sich nur, warum der Bundesgesundheitsminister erst mitten in den Sommerferien gemerkt hat, dass Urlauber ein Problem - vielleicht sogar die zweite Welle - mitbringen könnten? Die notwendigen Verordnungen hätten durchaus schon zu Beginn der Reisesaison getroffen werden können. Und sie hätten verständlicher kommuniziert werden müssen, um Verwirrung zu vermeiden - nicht nur bei den Urlaubern, die jetzt nicht wissen, was genau für sie gilt. Auch denen, die die Verordnungen auf die Schnelle umsetzen müssen, hätte das geholfen", hebt die ALLGEMEINE ZEITUNG hervor.

Mit der Debatte über einen Regelbetrieb an Schulen in Corona-Zeiten befasst sich DER TAGESSPIEGEL: "Das Fehlen eines überzeugenden Krisenplans steht im krassen Gegensatz zu dem Druck, der auf der anderen Seite besteht: bei den Kindern, die wieder in die Schule wollen, wo sie ihre Freunde und Klassenkameraden sehen, und deren Eltern, die vom Homeschooling ausgepowert sind. So schafft schon allein der Anschein von Diskrepanz im Problembewusstsein diesseits und jenseits der Schulpforten Ärger und Frust. Aber Schule ist nicht nur eine Lernanstalt. Sie ist auch ein Pfeiler der Gesellschaft, die sie mittragen muss", betont DER TAGESSPIEGEL aus Berlin.

Der WESER-KURIER aus Bremen warnt: "Regelschulbetrieb ist allemal ein Wagnis, denn selbst Wissenschaftler sind sich immer noch uneins, welche Rolle Kinder bei der Ausbreitung des Virus spielen. Was im September nach Schulstart geschehen wird, wissen weder Virologen noch Wahrsager. Es bleibt ein Experiment mit ungewissem Ausgang."

Skeptisch äußert sich auch die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg: "Was  niemandem nützt, ist, an einem Regelbetrieb festhalten zu wollen, der keiner ist. Das suggeriert Verlässlichkeit, die es in Pandemiezeiten nicht gibt. Noch ist Zeit, einen Plan B, C oder D anzudenken. Die Zeit muss genutzt werden, um am Ende nicht nur eine Lösung parat zu haben: die Maske."

Die Vereine der Deutschen Fußball Liga haben sich auf einheitliche Vorgaben zur möglichen Rückkehr der Zuschauer in die Stadien geeinigt. Dazu schreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Nun plant der Fußball den nächsten Schritt, und wie immer man dazu stehen mag: Die Entscheidung darüber, ob Tausende Fans mit Abstandsregeln in den Stadien verteilt werden können, liegt bei der Politik. Das ist gut so, weil diese - im ständigen Ringen um den rechten Umgang mit einem volatilen Infektionsgeschehen - hier nicht fintieren kann, sondern klar Stellung beziehen muss. Und das ausgerechnet beim Fußball, der hierzulande stärker als anderswo zur nationalen Identitätsstiftung beiträgt. Gibt es hier Zugeständnisse, muss das heißen, dass mit fortschreitenden medizinischen Erkenntnissen auch die Zeit für Lockerungen reift.Politische Signale gelten für alle, das muss in Berlin klar sein. Es darf keine Lex Fußball geben", mahnt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Die FRANKFURTER RUNDSCHAU notiert: "Es droht - analog zum Leben in Zeiten der Pandemie - eine Spielzeit mit Fragezeichen zu werden. Einen Vertrauensvorschuss bei Politik und Bevölkerung hat sich die vielkritisierte Bundesliga redlich erarbeitet: Der Probespielbetrieb mit dem Re-Start nach zweimonatiger Pause von Mitte Mai bis Anfang Juli funktionierte nahezu komplikationslos."

Die AUGSBURGER ALLGEMEINE lobt: "Der Leitfaden der DFL ist durchweg vernünftig. Kein Alkohol im Stadion, keine Gästefans und keine Stehplätze. Das drückt erheblich auf die Stimmung - und ist doch sinnvoll. Wünschenswert sind volle Arenen. Jeder Fußballfan sehnt sich nach Fußballfesten, die ihre Faszination auch aus der Leidenschaft der Fans beziehen. Noch aber muss die Vernunft gewinnen - damit es künftig wieder laut und voll in den Stadien werden kann."

Zum Fall des ehemaligen spanischen Königs Juan Carlos resümiert die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG: "In den vergangenen 20 Jahren machte Juan Carlos vor allem durch Skandale auf sich aufmerksam: Seitensprünge, Berichte über uneheliche Kinder, luxuriöse Jagdaffären, Amigo-Geschäfte und gefährliche Freundschaften mit arabischen Diktatoren. Das vorerst letzte Kapitel dieses königlichen Niedergangs ist der Skandal um ausländische Schwarzgeldkonten, die mit Schmiergeldern gefüllt worden sein sollen. Unabhängig von der rechtlichen Verfolgung, deren Ausgang offen ist, konnte der König im Ruhestand einer anderen Strafe nicht ausweichen: der öffentlichen Ächtung und Verbannung. Auch wenn das Königshaus Juan Carlos' Rückzug ins Ausland nun als 'freiwillige Entscheidung' darstellt. In Wirklichkeit war es ein von Sohn Felipe durchgesetzter Rauswurf aus dem Palast. Ein zweifellos notwendiger Befreiungsschlag, um Spaniens parlamentarische Monarchie vor einem Ansehensverlust zu retten", unterstreicht die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG aus Halle.

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG heißt es: "Zu Recht hat Ministerpräsident Pedro Sánchez daran erinnert, dass Spanien dringender denn je robuste und vorbildliche Institutionen benötigt. König Felipe muss nun zeigen, dass eine Monarchie auch für das 21. Jahrhundert taugt. Die großen Parteien und einen Großteil der Bürger hat er noch auf seiner Seite. Aber in Katalonien, dem Baskenland und unter den Linken hat man die Krise im Königshaus längst zum Anlass genommen, um die Staatsform in Frage zu stellen", erklärt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.

Abschließend ein Blick in die RHEINPFALZ aus Ludwigshafen: "Zurück bleibt Kopfschütteln über einen Mann, der in unserer bürgerlichen Vorstellung alles hatte und doch immer mehr wollte. Der dafür in Kauf nahm, nicht nur seinen persönlichen Ruf, sondern auch den seiner Familie und der spanischen Monarchie zu beschädigen, gar zu ruinieren. Mitleid muss man angesichts der Vorwürfe, die im Raum stehen, nicht haben mit Juan Carlos. Aber bedauerlich ist es schon, dass jemand, der sich um sein Land unzweifelhaft Verdienste erworben hat, irgendwann offenbar vollends die Balance verloren hat", ist in der RHEINPFALZ aus Ludwigshafen zu lesen.