Die Nachrichten

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24. April 2019Die Presseschau aus deutschen Zeitungen

Themen sind die neue UNO-Resolution gegen sexuelle Gewalt in Krisengebieten und die Bedeutung des Tods einer Journalistin für den Nordirland-Konflikt. Außerdem geht es erneut um die Lage in Sri Lanka nach den Terroranschlägen. Die Zeitungen befassen sich vor allem mit der Frage, wer die Angriffe auf Hotels und Kirchen am Ostersonntag verübt hat.

Angriff auf katholische Kirche: Viele Menschen in Sri Lanka haben die Katastrophen der vergangenen Jahre noch nicht verarbeitet. (Imago / Pacific Press Agency / Pradeep Dambarage)
Angriff auf katholische Kirche: Viele Menschen in Sri Lanka haben die Katastrophen der vergangenen Jahre noch nicht verarbeitet. (Imago / Pacific Press Agency / Pradeep Dambarage)

Die TAZ schreibt: "Die schrecklichen Terroranschläge in Sri Lanka reklamiert jetzt der sogenannte Islamische Staat für sich. Beweise dafür nennt die Terrorgruppe nicht. Einfach überprüfen lassen sich solche Behauptungen auch nicht. Es spricht allerdings einiges dafür. Ebenso ist die Sorge nicht unberechtigt, dass der IS und seine lokalen Helfer, oder wer letztlich auch immer für die Ermordung der mehr als 320 mehrheitlich christlichen Menschen verantwortlich war, weitere Anschläge folgen lassen könnte", glaubt die TAZ.

Auch die FRANKFURTER RUNDSCHAU kann sich vorstellen, dass der IS hinter den Anschlägen steckt: "Das entspricht den Vermutungen: Für ein Anschlagsstakkato mit Selbstmordattentätern oder Bomben an mehreren Orten waren Terrorprofis nötig. Der Islamische Staat, in seinen Hochburgen im Irak und in Syrien in arger Bedrängnis, konnte etwas brauchen, was in seinem Verständnis als Erfolgsmeldung gilt", argumentiert die FRANKFURTER RUNDSCHAU.

Der SÜDKURIER aus Konstanz erinnert: "Vor wenigen Wochen verloren die IS-Milizen die letzten Reste ihres Schreckensstaats in Syrien. Der Traum vom Kalifatsreich ist vorerst ausgeträumt. Die Niederlage macht die Glaubenskrieger nicht minder gefährlich. Offenkundig will die Terrortruppe der Welt vor Augen führen, dass mit ihr weiterhin zu rechnen ist. So wie alle islamistischen Fanatiker braucht der IS den Religionskonflikt, um in der muslimischen Welt neue Anhänger zu finden", überlegt der SÜDKURIER.

DER TAGESSPIEGEL geht auf die Vermutung ein, die Taten in Sri Lanka seien eine Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch Mitte März gewesen: "Sollte das stimmen, haben fromme Fanatiker mit einem Massaker auf das Gemetzel eines rassistischen Fanatikers geantwortet. Erst 50 Tote in Neuseeland, dann mehr als 320 in Sri Lanka. Es ist zwar noch offen, ob die Terrormiliz IS, die die Anschläge auf der Insel für sich reklamiert, auch tatsächlich beteiligt war, doch schon die Behauptung zeigt: In psychologischer Kriegführung ist der IS immer noch fit. Und dem IS kann kaum etwas mehr ins Konzept passen als tödliche Attacken von Islamfeinden auf Muslime. So kommt eine grausige Spirale in Schwung. Auf Angriff folgt Gegenangriff, eine Eskalation des Hasses wird von der nächsten noch übertroffen", befürchtet DER TAGESSPIEGEL aus Berlin.

Die BADISCHE ZEITUNG aus Freiburg meint dagegen: "So logisch eine Verbindung zu Christchurch erscheint, so irreführend ist sie. Denn das weltweite Dschihadnetzwerk Islamischer Staat braucht kein Massaker an friedlichen Muslimen. Die Islamisten dieser Terror-Internationale morden aus fanatischem Hass, gern auch Christen immer und überall, wo sie können. Die meisten ihrer Opfer aber sind Muslime. Das ist die zweite Irreführung, der man nicht erliegen sollte", notiert die BADISCHE ZEITUNG.

"Wenn Religion ins Spiel kommt, greift eine eigene Logik", führt der WESER-KURIER aus. "Für muslimische Extremisten sind Christengemeinden per se legitime Ziele und zudem leicht angreifbar - anders als gut bewachte Institutionen oder gar ausländische Rassisten. Gleichzeitig trifft man aber doch den Staat, denn immer bricht in der Folge der Tourismus ein, Investoren ziehen sich zurück, die Verhältnisse werden instabil. Es ist ein grausiger Wahnsinn, aber er hat eine innere Logik und er ist effektiv", analysiert der WESER-KURIER aus Bremen.

Die SÜDWEST PRESSE aus Ulm folgert: "Angriffe auf religiöse Symbole oder auf Gläubige entfachen Feuer, die zu Flächenbränden werden können. Die Spirale aus Gewalt, Rache und Vergeltung hat neuen Schwung bekommen. Sie droht, religiöse Toleranz und Respekt vor Anders- oder Nichtgläubigen mitzureißen. Die Forderung nach Religionsfreiheit - weltweit - ist deshalb kein Luxus, sondern ein Muss, das deutsche Politiker bei jedem sich bietenden Anlass formulieren müssen", appelliert die SÜDWEST PRESSE.

Damit zum zweiten Thema. Der UNO-Sicherheitsrat hat gestern auf deutsche Initiative eine Resolution zur sexuellen Gewalt in Konfliktgebieten verabschiedet. In der NEUEN OSNABRÜCKER ZEITUNG heißt es dazu: "Es ehrt den blassen deutschen Außenminister Heiko Maas, dass er den Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat nutzt, um auf das Thema sexualisierte Gewalt in Krisengebieten aufmerksam zu machen. Auch, dass er dies gemeinsam mit UNO-Botschafterin Angelina Jolie tut, ist gut. Je mehr Präsenz, je mehr Prominenz das Thema bekommt, desto besser. Allein: Es hapert nicht an Appellen, sondern an der Umsetzung", moniert die NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG.

"Heiko Maas hat ein Gespür für publicityträchtige Auftritte", stellen die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN fest. "Der SPD-Politiker nutzt die Gunst der Stunde und den deutschen Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat in New York, um das Schicksal von Frauen in Krisengebieten zumindest ein wenig zu verbessern. Ganz neu ist das Thema nicht. Schon vor 19 Jahren verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, die darauf abzielte, Frauen in Kriegsgebieten vor Übergriffen zu schützen. Der Widerhall ließ allerdings zu wünschen übrig. Ob es der neuen Resolution anders ergehen wird, steht in den Sternen", bemerken die BADISCHEN NEUESTEN NACHRICHTEN aus Karlsruhe.

Aus Sicht der in Koblenz erscheinenden RHEIN-ZEITUNG gibt es dennoch gute Gründe für die Resolution: "Wer wie Deutschland einen ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat anstrebt, der muss auch als nicht ständiges Mitglied seine Themen setzen. Aus deutscher Sicht sind das: Frauen, Frieden und Sicherheit, die zusammengehören. Denn wo Frauen und Mädchen terrorisiert werden, soll auch deren gesamtes Volk getroffen und häufig auch vernichtet werden. Der Weltfrieden ist ein großes, vermutlich nicht erreichbares Ziel. Aber in manchen Regionen wären sie schon für einen kleinen Frieden dankbar", unterstreicht die RHEIN-ZEITUNG.

Mit dem Bekennerschreiben nach dem Tod einer Journalistin in Nordirland beschäftigt sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG: "Die sogenannte New IRA bekennt sich zur Tötung einer Journalistin in Derry, aber dann – auch wieder nicht. Das Schreiben ist an Zynismus nicht zu überbieten, weil es im Kern sagt: Es tut uns leid, dass Lyra McKee im Weg war; Schüsse auf die Polizei sind legitim, es wurde eben nur die Falsche getroffen. Was die Menschen in Nordirland schon lange wissen, wollen viele Politiker in London nicht wahrhaben: Der Frieden ist mehr als brüchig, die alten Gräben sind nur notdürftig zugeschüttet. Alle paar Wochen gibt es Anschläge, immer wieder auch Tote – in den letzten Jahren hat die Gewalt in der Nordhälfte der irischen Insel stetig zugenommen. Daran ist nicht allein die Brexit-Debatte schuld. Aber sie heizt alte Feindschaften und alte Hoffnungen an", hält die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG fest.

"Die Gefahr, dass der Konflikt nun wieder eskaliert, wächst", ist auch die HESSISCHE/NIEDERSÄCHSISCHE ALLGEMEINE aus Kassel überzeugt. "Im Londoner Unterhaus scheinen sich manche dieser Gefahr nicht bewusst zu sein. Die Hardliner in Reihen der Konservativen und der nordirischen Unionistenpartei verweigern eine Lösung, die eine harte Grenze auf der irischen Insel verhindern soll und gießen damit Öl ins nordirische Feuer. Die Nordiren stimmten vor fast drei Jahren mehrheitlich gegen den Brexit. Sollte das Vereinigte Königreich mitsamt Nordirland tatsächlich aus der EU ausscheiden, würden die Rufe nach einer irischen Wiedervereinigung sicher wieder lauter werden. Fraglich dabei ist nur, ob sich der Unmut dann auch wieder in Straßenschlachten und Anschlägen äußern wird, oder sich die Gemäßigten durchsetzen." Mit diesem Auszug aus der HESSISCHEN/NIEDERSÄCHSISCHEN ALLGEMEINEN endet die Presseschau.