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StartseiteKultur heuteGeringes Budget, maximale Wohnqualität 16.03.2021

Pritzker-Preis für ArchitekturGeringes Budget, maximale Wohnqualität

Der weltweit bedeutsame Pritzker-Preis für Architektur geht in diesem Jahr an das französische Architekten-Duo Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal. Die beiden haben zu einer Re-Politisierung der Architektur beigetragen, sagte Philip Ursprung, Professor für Architekturgeschichte, im Dlf.

Philip Ursprung im Gespräch mit Jörg Biesler

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53 Units, Low-Rise Apartments, Social Housing von den Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal (Foto: Philippe Ruault)
Erweiterter Wohnraum: Ein neu gestaltetes Appartement in einem Sozialwohnungsbau aus den 60er-Jahren in der französischen Stadt Saint-Nazaire (Foto: Philippe Ruault)
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Lacaton- und Vassalle-Ausstellung Freizügigkeit und Licht

Anne Lacaton and Jean-Philippe Vassal haben es geschafft, der Bekämpfung der Wohnungsnot ein Gesicht zu geben und auch die Frage der Ökologie in der Architektur aufzugreifen, sagte Architekturprofessor Philip Ursprung. Als "karg und zurückhaltend" beschreibt er die Entwürfe der beiden - zum Beispiel mit Blick auf das "Palais de Tokyo" in Paris. Mit diesem Gebäude sind Lacaton und Vasall bekannt geworden sind: "Beim näheren Hinsehen merkt man aber doch, wie geschickt - auch kompositorisch - sie mit den Materialien, den Farben, den Volumina umgehen und eben auch ein ästhetisches Erlebnis dieser Architektur schaffen."

Ökologische und soziale Perspektive beim Bauen

Das Architektenduo Lacaton und Vassal arbeitet beispielsweise mit einer Art Wintergarten, den die beiden an Häuser anbauen um mehr Wohnraum zu schaffen, oder sie benutzen wärmedämmende Vorhänge zur Isolation und sparen so Mauerwerk - und damit auch Kosten. "Es geht eigentlich meistens darum, mit sehr geringen Budgets ein Maximum an Wohnqualität zu schaffen", erklärte Philip Urspung im Dlf. 

Die Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal  (Foto: Laurent Chalet) (Foto: Laurent Chalet)Die 1955 im französischen Saint-Pardoux geborene Anne Lacaton und der 1954 im marokkanischen Casablanca geborene Jean-Philippe Vassal haben sich in den 70er-Jahren beim Studium in Bordeaux kennengelernt. In den 80er-Jahren eröffneten sie in Paris ein gemeinsames Architektur-Büro. Zu ihren bekanntesten Bauten gehört das Ausstellungsgebäude Palais de Tokyo in der französischen Hauptstadt. Beide lehren immer wieder an verschiedenen Universitäten, auch in Deutschland.

Niemals abreißen, sondern weiterverwenden

Viele der Sozialwohnungsbauten, die in Frankreich in den 60er- und den frühen 70er-Jahren entstanden sind, seien nun in einem Alter, in dem sie üblicherweise abgerissen und durch etwas Neues ersetzt werden. Das Architektenduo Lacaton und Vassal hat hierzu Alternativen gefunden, sagte Architekturhistoriker Philip Ursprung. So hätten die beiden die an sich brauchbare Bausubstanz genutzt und aufgewertet, indem sie zum Beispiel Balkone angebaut haben.

Der Pritzker-Preis gilt als renommierteste Auszeichnung der Architektur-Branche und ist mit 100.000 Dollar dotiert. Frühere Preisträger und Preisträgerinnen waren unter anderem Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Norman Foster, Yvonne Farrell und Shelley McNamara.

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