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StartseiteVerbrauchertippBei Beitragserhöhungen die Alternativen prüfen09.01.2020

Private KrankenversicherungBei Beitragserhöhungen die Alternativen prüfen

Zum neuen Jahr steigen für viele Privatversicherte die Prämien. Manchmal verläuft das moderat, nicht selten aber auch happig. Willkürlich können die Versicherer die Prämie nicht erhöhen, es gibt gesetzliche Vorgaben. Natürlich kann auch der Tarifwechsel eine sinnvolle Option sein.

Von Peggy Fiebig

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Unterschrift und Stempel "Krankenversicherung" auf einem Blatt Papier, auf dem der Stempel mit der Aufschrift "Krankenversicherung" liegt (imago stock&people / McPhoto)
Kostentreiber von Beitragserhöhungen ist vor allem der medizinische Fortschritt, das heißt oftmals teurere Medikamente und Behandlungsmethoden (imago stock&people / McPhoto)
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"Mir ging es dann so, dass dann irgendwann mit zunehmendem Alter die Beitragserhöhungen immer regelmäßiger erfolgten und auch aus meiner Sicht drastische Höhen annahmen. Also, da lag ich dann glaube ich bei 750 Euro im Monat, die ich dann auch nicht bereit war zu erbringen."

Lutz Krause ist Inhaber eines Malerbetriebes in Berlin. Wie ihm geht es vielen privat Krankenversicherten: Zum neuen Jahr steigen die Prämien. Manchmal moderat, nicht selten aber auch ziemlich happig. Willkürlich können die Versicherer die Prämie allerdings nicht erhöhen, es gibt hier gesetzliche Vorgaben, erläutert Stefan Reker vom Verband der Privaten Krankenversicherungen:

"Voraussetzung einer Beitragserhöhung ist immer, dass die tatsächlichen Kosten in dem Versichertenkollektiv nachweislich auch gestiegen sind. Da gibt es sogenannte auslösende Faktoren und wenn diese tatsächlichen Kosten um mehr als zehn Prozent stärker gestiegen sind, als es kalkuliert war, kann das Versicherungsunternehmen die Beiträge erhöhen. Es muss sogar die Beiträge erhöhen nach der gesetzlichen Vorschrift. Was auch wichtig ist, damit eben die Versicherungsleistung auch solide finanziert ist und nicht irgendwann unter der Inflation zusammenbricht."

Gründe für Beitragserhöhung muss die Versicherung angeben

Kostentreiber ist dabei vor allem der medizinische Fortschritt – bessere und oftmals teurere Medikamente und Behandlungsmethoden. Die ganz konkreten Gründe für eine Beitragserhöhung muss die Versicherung in ihrem Schreiben angeben, erklärt Knut Pilz, Fachanwalt für Versicherungsrecht in Berlin: 

"Zum Beispiel muss drin stehen, wie sich die Leistungsausgaben entwickelt haben, wie stark die gestiegen sind und ob es andere Faktoren, wie die Altersentwicklung, die Sterblichkeitswahrscheinlichkeit, wie sich die geändert haben und wie diese Faktoren die Prämie beeinflussen."

Fehlt diese Begründung oder ist sie nicht ausreichend, ist eine Prämienanpassung unwirksam, sagt Knut Pilz. Was aber kann man tun, wenn die Beitragserhöhung ins Haus flattert, sie auch ordnungsgemäß begründet ist, man aber die hohen Prämien nicht zahlen kann oder will? Auf keinen Fall aus Ärger gleich die Versicherung kündigen, sagt Rechtsanwalt Pilz. Oftmals gibt es Alternativen innerhalb der Gesellschaft, den Tarif zu wechseln. Der große Vorteil hier: Die Altersrückstellungen bleiben erhalten. 

"Da ist der Versicherer auch verpflichtet, den Versicherer umfangreich zu beraten, ihm Tarifwechselmöglichkeiten aufzuzeigen. Das machen nicht alle Gesellschaften so, wie das wünschenswert wäre, aber die Verpflichtung besteht natürlich."

Von Versicherungswechsel ist eher abzuraten

Bei einem Tarifwechsel sollte man unbedingt den bisherigen und den eventuellen neuen Leistungsumfang vergleichen. Auf welche Leistungen kann verzichtet werden – zum Beispiel die Chefarztbehandlung oder das Einbettzimmer - und bei welchen Leistungen lohnt sich eine Beitragseinsparung letztendlich nicht. Außerdem kann mit einem Tarifwechsel gegebenenfalls auch eine neue Gesundheitsprüfung verbunden sein, die je nach Einzelfall eine Hürde sein könnte.

Natürlich kann man, wenn man gar nicht zufrieden mit seinem Versicherer ist, auch ganz das Unternehmen wechseln. Das sollte aber wirklich gründlich überlegt sein, warnt Rechtsanwalt Knut Pilz:

"Da findet immer eine Gesundheitsprüfung statt, also das ist nicht für jeden eine Option. Und da ist es ganz wichtig, dass der Versicherungsnehmer weiß, dass er seine Altersrückstellungen je nach dem, wann er den Vertrag abgeschlossen hat, unter Umständen gar nicht oder eben nur Teile davon mitnehmen kann. Das heißt, das kann wirtschaftlich eine ganz erhebliche Einbuße darstellen und da muss er sich sehr umfassend beraten lassen, ob das wirklich eine Alternative ist, zu einem anderen privaten Krankenversicherer zu gehen."

Zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen beispielsweise gibt auf ihrer Internetseite ausführliche Hinweise für den Tarifwechsel nach einer Beitragserhöhung.

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