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StartseiteVerbrauchertippWiderrufsrecht nach Fehlgriff03.07.2018

Private VerkaufspartysWiderrufsrecht nach Fehlgriff

Bei einem Gläschen Sekt und in netter Runde Freunde, Nachbarn und Verwandte zum Kauf von Lifestyle-Produkten anregen - solche Partys in privaten Räumen boomen. Ist der Spaß vorbei und das Produkt gefällt dann doch nicht, gibt es auch hier ein Widerrufsrecht.

Von Ursula Reinsch

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Ein Mann präsentiert drei jungen Frauen Plastikgeschirr der US-Marke Tupperware in einer privaten Küche. (AFP /  Jean-Philippe Ksiazek)
Eine "Tupper-Party" im privaten Kreis (AFP / Jean-Philippe Ksiazek)
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Handelsverband Freude über gute Kauflaune

Verkaufspartys - im Fachjargon Direktvertrieb - werden fast nur von Frauen für Frauen veranstaltet. Entsprechend ist auch das Sortiment, das dort angeboten und verkauft wird. Es reicht von Plastik-Schüsseln für den Haushalt über Schminkutensilien und Schmuck bis hin zu dem stark wachsenden Markt an Sexspielzeug. Was das Besondere an solchen Partys ist, weiß Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

"Es ist ein besonderes Verkaufsumfeld. Das heißt also, es sind jetzt nicht Unbekannte, sondern Bekannte, vielleicht sogar Freunde oder Freundinnen. Und ich bin da unter einem gewissen Kaufdruck, wenn eine Begeisterung für ein Produkt entsteht, dann kann man sich schon auch schon mal anstecken lassen oder eventuell nicht ausreichend dagegen wehren, wenn man es eigentlich gar nicht haben möchte. Zudem kann auch Alkohol ins Spiel kommen. Dass dann mal gerne eine Sektflasche geköpft wird. Und das ist natürlich nicht die beste Voraussetzung, um vernünftig dann eine Kaufentscheidung zu treffen."

Vertrautheit steigert Kauflaune

Paula M. hat den Cocktail aus Verführung, Vertrautheit, alkoholbedingter Kauflaune auf Verkaufspartys schon häufiger erlebt:

"Der Punkt ist der, dass eigentlich so gut wie immer jeder irgendetwas kauft. Das hängt einfach damit zusammen, dass man den Gastgeber kennt, weiß, der hat Aufwand und er verdient an den Sachen. Ein positiver Punkt ist, dass es einfach sehr lustig oft ist, weil eben Bekannte kommen."

Es geht also um Spaß und diese besondere Stimmung im vertrauten Kreis. Im Zeitalter des anonymen Interneteinkaufs erfüllt es also auch soziale Bedürfnisse, wenn man mit Freunden im Wohnzimmer Nützliches oder auch Nutzloses kauft. Und man kann die Produkte sehen und anfassen. Bereut man später am nächsten Tag den Kauf, ist das kein Beinbruch. Georg Tryba:

"Das Schöne ist, also nach diesen Verkaufspartys, es gibt in der Regel ein Widerrufsrecht. Das heißt, wenn die Waren geliefert werden oder ich sie bei der Party dann mitnehme, kann ich die ganzen Geschäfte binnen 14 Tagen eben widerrufen. Und die Produkte zurückgeben. Darüber muss mich auch der Verkäufer informieren."

Widerrufsrecht

Hat der Verkäufer das vergessen, hat der Kunde ein Jahr plus 14 Tage Zeit, zu widerrufen. Und auch wenn die Ware defekt ist oder mangelhaft, behält der Käufer seine Rechte. Er kann umtauschen oder das Produkt reparieren lassen.

"Also das Widerrufsrecht ist ganz zentral bei den Verkaufspartys."

Seinen Widerruf muss man an den Verkäufer richten. Das kann sowohl der Veranstalter der Party sein, wenn der im eigenen Namen verkauft. Oder im Zweifel der Hersteller. Hier hilft ein Blick in den Vertrag, falls es einen gibt. Um der Klarheit willen sollte der Käufer trotz bester Kauflaune und Vertrauen immer auf einen Kaufvertrag oder zumindest auf eine Quittung, die den Verantwortlichen ausweist, bestehen.

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