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StartseiteVerbrauchertippSchadstoffe im Sexspielzeug04.02.2019

Problematische MaterialienSchadstoffe im Sexspielzeug

Sexspielzeug besteht manchmal aus Metall oder Glas, meist aber aus Kunststoff. Darin sind teilweise problematische Schadstoffe enthalten, so eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Das ist umso bedenklicher, als Dildos, Vibratoren und Co. mit den empfindlichen Schleimhäuten in Kontakt kommen.

Von Dieter Nürnberger

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Schadstoffen vollständig auszuweichen, ist wohl kaum möglich. Denn eines haben verschiedenste Untersuchungen der Stiftung Warentest in den vergangenen Jahren gezeigt: Sie können fast überall vorkommen, etwa in Lebensmitteln, Kosmetik oder auch in Kinderspielzeug. Sexspielzeug für Erwachsene kann aus Glas oder Metall gefertigt sein, häufiger jedoch besteht es aus mehr oder weniger weichem Kunststoff, sagt Warentesterin Anne Kliem.

"Wir haben uns Schadstoffe angeschaut, weil Sexspielzeug ja durchaus Hautkontakt oder sogar Schleimhautkontakt hat. Und die Schleimhäute sind sehr empfindlich, sie sind gut durchblutet. Und da ist dann eben die Wahrscheinlichkeit hoch, dass da Schadstoffe übergehen können. Die Stiftung Warentest hat insgesamt 18 Sextoys untersucht. Darunter verschiedene Vibratoren und je dreimal Liebeskugeln und Penisringe."

Problematische Weichmacher

In der Untersuchung ging es nicht um die Funktionalität dieser Bettgefährten. Im Labor wurde allein nach Schadstoffen gesucht. Und kritische Stoffe in fünf von 18 Artikeln gefunden.

"Zum Beispiel den kritischen Weichmacher DEHP. Aber auch polyzyklische, aromatische Kohlenwasserstoffe, die im Verdacht stehen, Krebs zu erregen. Außerdem haben wir Phenol nachweisen können, auch Nickel und kurzkettige Chlorparaffine. Ob eine akute Gefahr für die Nutzer besteht, können wir nicht sagen. Weil es relativ wenige Studien dazu gibt, wie viele Schadstoffe tatsächlich über die Schleimhäute in den Körper gelangen. Allerdings gibt es ebenso Spielzeug-Modelle in der Untersuchung, die auch komplett ohne Schadstoffe auskommen. Deswegen waren wir mit denen, die relativ hohe Schadstoffwerte enthalten haben sehr kritisch."

Die Tücken des Gleitmittels

Ein unangenehmer Geruch eines Kunststoff-Sexartikels ist übrigens kein verlässlicher Hinweis auf Schadstoffe. In der Untersuchung kam es auch vor, dass bei einem batteriebetriebenen Vibrator allein der kleine Ladekontakt aus Metall so hohe Mengen an Nickel abgab, dass er nicht hätte verkauft werden dürfen. Der Kontakt berührt die Haut, wenn der Vibrator beim Sex benutzt wird.

In der Untersuchung zeigte sich ebenso, dass Gleitmittel, welches in Verbindung mit Sexspielzeug recht häufig verwendet wird, seine Tücken haben kann.

"Grundsätzlich sind Gleitmittel eine sehr sinnvolle Sache, weil sie den Gebrauch grundsätzlich sicherer machen. Es ist aber wichtig, dass das Gleitmittel zum Spielzeug passt. Es kann beispielsweise sein, dass bei Silikon-basierten Gleitmitteln das Material angegriffen wird. Deswegen empfehlen wir da, möglichst Wasser-basierte Gleitmittel zu benutzen. Und eben auf die Empfehlungen zu achten, die die Anbieter geben."

Teuer nicht gleich besser

Wobei allerdings Intimspielzeuge aus dem Hauptmaterial Silikon zu den besser bewerteten Produkten in dieser Schadstoff-Untersuchung gehörten. Sie sind zudem meist teurer. Andere verarbeitete Materialien geben allerdings keine Hinweise auf ein schadstofffreies oder belastetes Produkt, hier gab es die unterschiedlichsten Beurteilungen - von sehr gut bis mangelhaft. Eine Untersuchung, die deshalb - so bilanziert Warentesterin Anne Kliem - allenfalls Tendenzen aufzeigen kann.

"Eine der größten Überraschungen unseres Tests war, dass teuer in Bezug auf Schadstoffe nicht unbedingt besser bedeutet. Wir hatten unter den mangelhaften einige, die gar nicht so günstig waren. Ansonsten auch interessant: Die Materialstellen aus Silikon waren die unauffälligsten. Allerdings gibt es nur relativ wenige Sexspielzeuge, die komplett aus Silikon bestehen."   

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