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StartseiteRock et ceteraDer Superstar-Versteher04.04.2021

Produzent Daniel LanoisDer Superstar-Versteher

Der Kanadier Daniel Lanois hat Alben u.a. von Bob Dylan und Neil Young produziert und für Peter Gabriel oder U2 co-produziert. Doch der Superstar-Versteher hat auch eigene Visionen und mit "Heavy Sun" nun ein weiteres eigenes Album veröffentlicht.

Von Thomas Elbern

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Ein Mann mit Gitarre sitzt auf einem Sofa und hat die Füsse auf einen Hocker gelegt. Im Hintergrund steht ein Klavier und mehrere Pflanzen. (Marthe Vannebo)
Der Kanadier Daniel Lanois ist elfmaliger Grammy-Gewinner. (Marthe Vannebo)
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Musik: "Power"

Daniel Lanois ist trotz seines großen Erfolges im Musikbusiness immer noch sehr "down to earth" geblieben. Er ist kein abgehobener Produzent, sondern eher der Kumpeltyp im Studio, der weiß, wie man einen organischen Sound hinbekommt.

"Einen Fuß in der Vergangenheit, einen in der Zukunft" - das war seine Vision für das Album "Heavy Sun", das stilistisch irgendwo zwischen Reggae, Blues und Gospel angesiedelt ist.

"Die eigentliche Idee von "Heavy Sun" war die, einen Gospelchor aufzunehmen. Diese Art von Gesang kenne ich schon, seit ich ein Kind bin. Ich sang in diversen Chören und habe mich mit Gospelmusik aus der ganzen Welt beschäftigt, da ich Mitglied in einem christlichen Verein in Kanada war. Dadurch kamen immer wieder Gospelbands in unser kleines Kellerstudio, die ich dort mit meinem Bruder Bob aufnahm. Ein großes Glück für mich als Kind, die tollsten Sänger zu hören. So kam der Gedanke auf, mal eines Tages ein Gospel Album zu produzieren. Mein guter Freund, der amerikanische Sänger Rocco DeLuca teilte meine Euphorie, und wir holten Johnny Shepherd und Jim Wilson und hatten unsere Gruppe zusammen."

Ob als Produzent oder als Musiker, Genregrenzen hat Lanois nie gescheut. Kaum war er mit seinem modernen Gospelalbum "Heavy Sun" fertig, begann er mit Klavierkompositionen. Aber auch sperrige Elektroniktracks, die er 2018 zusammen mit dem kanadischen Produzenten Venetian Snares veröffentlicht hat, stehen stilistisch nur scheinbar im Widerspruch mit den eher traditionellen Songs, die er auf seinem Soloalbum "Here is what is" von 2007 präsentiert. Denn Lanois liebt das Spiel mit musikalischen Stilen, solange diese für ihn eine Herausforderung sind.

Ein musikalischer Freigeist mit Grammys im Schrank

Sieben Grammy Awards hat er für seine Produktionen eingeheimst und wurde 2002 in die Canadian Music Hall of Fame aufgenommen. Lanois, der mit seinem Bruder schon mit 17 im Keller der Eltern im kanadischen Ancaster/Ontario die ersten Aufnahmen machte, war immer schon ein musikalischer Freigeist. Und wer ihn mit seiner Band Black Dub mal live gesehen hat, bekommt an einem Abend die ganze Bandbreite seines Schaffens zwischen Dub, Blues, Soul und tonnenschwerem Rock zu hören. Und gerade beim "Heavy Sun"-Album frönt er seiner Liebe zum Reggae, welchen er aber auf seine Art interpretiert: Slow Motion Grooves, Soulelemente und vierstimmige Gesänge. "Heavy sun" ist aber kein Roots Album geworden, sondern spielt mit Elementen des Downbeat.

"Ich habe eine Menge Zeit in Jamaica verbracht, was wohl auch an meiner Liebe zu der Musik von dort liegt. Ich habe dort nie ein Album produziert, aber den Vibe in mich aufgesogen. Das kann man dem "Heavy Sun" Album auch gut anhören, allerdings haben wir versucht, so wie wir das hier nennen, nicht in die Soundfalle zu geraten. Wir lernen von den Originalen, den Roots Legenden, aber versuchen trotzdem, Platten für die Zukunft zu produzieren."

Musik: "Under the heavy sun"

Man kann Daniel Lanois nicht unabhängig von seiner Produktionsarbeit betrachten. Zusammen mit Peter Gabriel tüftelte er sein Erfolgswerk "So" aus oder half Brandon Flowers von den Killers oder Emmylou Harris dabei, ihren Sound zu finden. Auch an den wichtigen U2-Erfolgsalben "The Joshua Tree" und "Achtung baby" war er beteiligt. Und wer in dem Computerspiel "Red Dead Redemption 2" mit der Van der Linde-Gang durch den wilden Westen reitet, macht das zu den Klängen von Daniel Lanois.

Mit den großen Stars im Regieraum

Mit Bob Dylan übrigens nahm Lanois die Alben "Time out of mind" und 1989 "Oh Mercy" auf. Gerade "Oh Mercy" hat diesen organischen, für Lanois so typischen Sound, der sich um die markante Stimme Dylans schmiegt. Eine verhaltene Instrumentierung, die vor allem von Daniel Lanois Gitarrenspiel lebt. Lanois scheint hier alle Zeit dieser Welt zu haben, so unauffällig und gleichzeitig markant unterstreicht er die Songs von Dylan.

"Ich bin in erster Linie Musiker. Ich achte darauf, dass die Arrangements gut funktionieren und die musikalischen Teile gut zusammenpassen. Aber wohl viel wichtiger als das ist, das die Seele der Musik am Ende klar erkennbar ist. Das die Magie rüberkommt. Ein Beispiel ist der Song "Most of the time", den ich mit Bob Dylan aufnahm. Wir hatten eine tolle Gesangsaufnahme von Bob, da habe ich die Instrumente drumherum platziert. Wäre diese Stimme nicht gewesen, hätte es keinen Sinn gemacht, weiterzumachen. Also beten wir dafür, dass die Magie zu uns kommt." 

Musik: "Most of the time – Bob Dylan"                                                                                                   

Daniel Lanois hat Höhen und Tiefen im Musikbusiness hautnah miterlebt. Er hat an Produktionen mitgewirkt, in denen riesige Etats zur Verfügung standen. Kein Wunder, denn das waren Zeiten, in denen noch viel mehr Tonträger verkauft wurden und die Plattenfirmen so ihre Kosten wieder einspielen konnten. Im Zeitalter des Streamings sieht das anders aus. Aber das hat ihm den Spaß an der Sache nicht verdorben. Lanois macht das, was er liebt.

"Eine Sache, die sich nie ändern wird, ist die, dass wir etwas mit dem machen, was wir gerade zur Hand haben. Ich habe an Platten mitgewirkt, wo es riesige Budgets gab und wir durch die Welt reisen konnten, um Aufnahmen zu machen. Ich habe mit U2 in Marokko und dem Süden Frankreichs aufgenommen und das waren großartige kulturelle Erfahrungen. Dann habe ich Platten gemacht, wo es das alles nicht gab, aber es gab hier auch schöne Endergebnisse. Ich saß in einem als Studio umfunktionierten Keller meiner Mutter und nahm einen lokalen Pianisten und Sänger auf, der eine unglaubliche Stimme hat und auch ohne andere Musiker eine tolle Performance liefert. Heraus kam auch hier eine sehr gute Aufnahme."

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