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StartseiteCampus & KarriereProfessor kämpft gegen Studiengebühren11.01.2013

Professor kämpft gegen Studiengebühren

Bayerischer Hochschuldozent verliert seinen Vertrag kurz vor Volksabstimmung über Uni-Maut

Seit ihrer Einführung 2007 sorgen in Bayern die Studiengebühren für Kritik. Professor Michael Piazolo, einer der Kritiker der Uni-Maut, bereitete als Landtagsabgeordneter der Freien Wähler ein Volksbegehren gegen die Gebühren vor. Nun wird seine Professur an der Uni München nicht verlängert.

Von Michael Watzke

Die Studierenden in Bayern hoffen auf eine Abschaffung der Studiengebühren. (AP)
Die Studierenden in Bayern hoffen auf eine Abschaffung der Studiengebühren. (AP)

Professor Michael Piazolo hat dieses Jahr kaum Weihnachtsurlaub gehabt. Der Münchner Landtagsabgeordnete der Freien Wähler musste die Veranstaltungen für das Volksbegehren gegen die Studiengebühren in Bayern organisieren.

"Wir haben Faltblätter vorbereitet, wir werden Benachrichtigungskarten verschicken mit der Aufforderung, sich einzutragen. Auch Anzeigen schalten. Dann setzen wir natürlich auf Aktivisten. Wir haben schon insgesamt 90 Aktionsbündnisse vor Ort gegründet. Die werden mit Infoständen auf dem Land vor den Eintragungsstellen stehen und versuchen, die Bürger zu überzeugen. Damit die hingehen und unterschreiben."

Mitten in die arbeitsintensiven Vorbereitungen platzte eine Nachricht, dass Michael Piazolos Professur an der Hochschule München nicht verlängert wird.

"Ich habe aktuell eine Professur an der Hochschule München. Ich war davor auf einer Lebenszeitstelle in Berlin und habe dann ein Angebot von München angenommen, weil das sehr attraktiv war, in meinem Themenfeld 'Europäische Studien'. Das aber, wie es üblich ist bei einer neuen Stelle, zeitlich befristet ist."

Meistens werden solche Stellen nach Ablauf verlängert. In Piazolos Fall nicht. Warum? Etwa weil er sich für die Abschaffung der Studiengebühren einsetzt, die für die Hochschulen bisher eine wichtige Finanzierungsquelle sind? Professorin Isolde Kurz, Dekanin an der Hochschule München, weist jeden Zusammenhang zwischen der Nicht-Verlängerung von Piazolos Professur und seinem Engagement gegen Studiengebühren zurück:

"Da besteht überhaupt gar kein Zusammenhang. Für uns als Fakultät ist es so: Wir haben Professuren zu vergeben und zu besetzen. Die sind teilweise befristet, seit einer bestimmten Zeit sind die immer befristet. Die Stelle von Herrn Piazolo war an die Einrichtung eines Bachelors geknüpft. Bachelor 'European Studies'. Und dieser Bachelor wurde von uns nicht eingeführt, weil er vom Ministerium nicht genehmigt wurde."

Das passierte schon vor drei Jahren. Lange vor Piazolos Entscheidung, ein Volksbegehren gegen die Studiengebühren zu starten. Trotzdem kann der Landtags-Abgeordnete der Freien Wähler die Entscheidung von Wissenschafts-Minister Wolfgang Heubisch, FDP, nicht verstehen.

"Das hat natürlich eine gewisse Pikanterie, dass der Wissenschaftsminister quasi die berufliche Zukunft eines Oppositions-Abgeordneten gestalten kann. Da wird man sicherlich noch mal überlegen müssen, ob das so angesagt ist."

Doch die Bereitschaft, da noch einmal zu überlegen oder sich sogar zu einer persönlichen Diskussion mit Piazolo zu treffen, ist weder im Wissenschafts-Ministerium noch bei der Hochschule München besonders ausgeprägt. Dekanin Isolde Kurz bietet Piazolo zumindest an, weiter Lehrveranstaltungen an der HM zu geben:

"Er ist für uns nach wie vor selbstverständlich ein guter Wissenschaftler. Und er kann auch nach wie vor gerne beim Thema 'Europa' bei uns arbeiten. Er kann auch das politische Engagement und die Kenntnisse, die er hat, an die Studenten als wertvolles Hintergrundwissen weitergeben. Ganz klar."

Unter den Studenten ist Piazolo mit seinem Engagement gegen die Studiengebühren längst ein heimlicher Star. Zumindest unter den Studierenden, die für die Abschaffung der Campus-Maut plädieren. Auf deren Engagement baut Piazolo in den kommenden Wochen. Vom 17. bis zum 30. Januar müssen sie unterschreiben.

"Die Hürde sind 10 Prozent in Bayern. Das heißt, wir müssen es schaffen, 950.000 Menschen in Bayern in die Rathäuser zu bringen. Die müssen sich dort mit ihrem Personalausweis vorstellen und in Listen eintragen. Das ist gerade im Januar nicht ganz einfach zu schaffen."

Denn es gibt in Bayern nur 330.000 Studenten. Es müssten also auch noch deren Eltern, Verwandte und viele andere Bürger unterschreiben. Nur wenn es mindestens 950.000 sind, kommt es zum Volksentscheid. Voraussichtlich im Herbst. Und erst dort entscheidet sich mit einfacher Mehrheit, ob die Studiengebühren in Bayern abgeschafft werden oder nicht. Piazolo ist zuversichtlich.

"Es gab jetzt eine Umfrage, dass 72 Prozent der Menschen in Bayern Studiengebühren ablehnen. Das hat uns natürlich Rückenwind verschafft!"

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