Sonntag, 26.09.2021
 
Seit 09:30 Uhr Essay und Diskurs
StartseiteCampus & KarriereProfessoren unter Verdacht26.11.2005

Professoren unter Verdacht

Platzhirschtum an Universitäten

Sie stolzieren mit ihren Mitarbeitern über die Flure der Hochschulen. Sie sind fachliche Kapazitäten und sie wissen das auch. Und genauso verhalten sie sich. Jeder kennt vom Hörensagen Geschichten von Professoren, die sich wie Platzhirsche auf dem Brunftplatz verhalten. Gibt es sie noch - vielleicht an der Uni Duisburg-Essen?

Von Kai Toss

In der Tierwelt sichert ein Platzhirsch sein Revier und schüchtert Nebenbuhler ein. (AP Archiv)
In der Tierwelt sichert ein Platzhirsch sein Revier und schüchtert Nebenbuhler ein. (AP Archiv)

Der erste Versuch, offensichtlich ein Treffer. Ein Wissenschaftler, angesprochen auf seinen Chef.

"Haben sie mich überhaupt gefragt, ob ich damit einverstanden bin?"

Ein Student. Er kennt keine Platzhirsche.

"Unsere Professoren sind eigentlich relativ locker und solche Andeutungen, wie sie jetzt gemacht haben, wie Tasche tragen oder so, habe ich bisher noch nie erlebt. Ich glaube, das existiert mehr in den Vorstellungen von Außenstehenden."

Sein Kommilitone sieht das anders - allerdings ohne konkret zu werden.

"Das mit dem Alpha-Tier kommt bei den meisten Professoren schon ganz gut hin. Manche können sich kollegial benehmen, ziehen aber eine Grenze, über die man niemals treten darf, so ein fachlicher - Intimbereich, in den man nicht treten darf."

Und er sagt, er sei kein Platzhirsch. Er ist - Professor:

"Ich hoffe doch, dass ich einen ganz umgänglichen, kollegialen Stil habe - gegenüber den Mitarbeitern sowieso und mit den Studierenden in angemessener Weise."

Und die Kollegen? Gibt es da keine?

"Ich sage mal nein, kenne ich nicht."

Er auch nicht. Er ist - wissenschaftlicher Mitarbeiter:

"Ich persönlich verstehe mich extrem gut mit meinem Chef, meinem Professor. Wir sind auch per Du. Insofern kann ich an dieser Stelle kein Platzhirschtum feststellen."

Die Leiterin der Uni-Pressestelle, Beate Kostka. Sie kennt alle Professoren. Aber niemand sei darunter, der als kapitaler Platzhirsch durchginge.

"Ich vermute mal, dass es die klassischen Platzhirsche - wie wir sie in den 80er Jahren kennen gelernt haben, so nicht mehr gibt. Da waren die Situationen fast spektakulär. Da gab es richtige Rivalitäten zwischen den Lehrstühlen: Wann geht der Professor mit seinen studentischen und wissenschaftlichen Mitarbeitern über den Flur und wird dann möglicherweise von dem konkurrierenden Lehrstuhl überholt? Da wusste man genau, wann zu welcher Zeit ein Wildwechsel auf dem Flur stattgefunden hat."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk