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StartseiteCampus & KarriereGegen die gläserne Decke in der Wissenschaft04.07.2014

ProfessorinnenprogrammGegen die gläserne Decke in der Wissenschaft

An deutschen Hochschulen ist gerade einmal jede fünfte Professur mit einer Frau besetzt. Das Professorinnenprogramm der Bundesregierung will das ändern. Es geht nun in die zweite Runde - 147 Hochschulen sollen davon profitieren.

Von Claudia van Laak

Studenten sitzen am Campus Koblenz der Universität Koblenz-Landau im großen Hörsaal. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
Im Studium und der Promotion halten sich Männer und Frauen die Waage. Mit Habilitation und Professur klafft dann die Schere auseinander. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)
Weiterführende Information

Johanna Wanka - "Das Herzstück des Wissenschaftssystems" (Deutschlandfunk, Interview der Woche, 22.06.2014)

Professorinnen-Anteil in Frankreich - Charta statt Quote (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 25.02.2014)

Fachtagung - Mehr Frauen als Profs an die Unis (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 19.06.2012)

150 Millionen Euro umfasst das Programm, davon profitieren in der aktuellen zweiten Runde 147 Hochschulen. Eine Spitzenbewertung in puncto Gleichstellung haben unter anderen die Technische Universität Darmstadt, die TU Dresden, die Universität Göttingen und die Fernuni Hagen erhalten.

Die ausgewählten Universitäten und Fachhochschulen bekommen eine Anschubfinanzierung für bis zu drei Professuren, die sie mit Frauen besetzen. Voraussetzung dafür: Diejenigen, die sich zum ersten Mal beworben haben, mussten ein stimmiges Gleichstellungskonzept vorlegen. Diejenigen, die bereits in der ersten Runde Geld aus diesem Fördertopf erhalten haben, mussten nachweisen, dass sie ihr Konzept erfolgreich umgesetzt haben. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka:

"Beim Professorinnenprogramm werden Hochschulen belohnt, wenn sie sich ernsthaft Gedanken machen, an den Fakultäten, in den Instituten, wie kann man Chancengerechtigkeit befördern, wie kann man Familienfreundlichkeit stärken, wie kann man Frauen in ihrem Werdegang unterstützen."

Nach oben wird die Luft dünner für das weibliche Geschlecht. Aktuell machen mehr Mädchen als Jungen das Abitur - 54 Prozent der Abiturienten sind weiblich. Bei Studium und anschließender Promotion kehrt sich das Verhältnis leicht um, bleibt aber noch relativ ausgewogen. Mit Habilitation und Professur klafft dann die Schere auseinander, die Männer ziehen davon. Zwar hat sich der Anteil der Frauen in den letzten Jahren erhöht, aber immer noch sind acht von zehn Professuren in Deutschland mit Männern besetzt.

"Die gläserne Decke, wenn es darum geht, wirklich in die Spitzenpositionen aufzusteigen, die ist vorhanden. Ich habe es früher immer ignorieren wollen und habe gedacht, wir müssen nur etwas machen für die Vereinbarkeit und Beruf, und dann wird sich das niederschlagen. Das reicht nicht."

Erstes Programm sorgte für Bewegung an den Unis

Das erste Professorinnen-Programm ist positiv evaluiert worden. Die Hochschulen kritisieren allerdings erstens den enormen bürokratischen Aufwand und zweitens das Windhundverfahren. Sprich: Wer zuerst den Antrag einreicht, bekommt auch als Erster Geld. Dies ist auch bei der Auflage des zweiten Professorinnenprogramms nicht geändert worden. Trotz leichter Kritik an der Umsetzung lobt auch Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst - früher Präsidentin der Uni Potsdam - das Programm:

"Der Anstoß durch das Professorinnenprogramm hat in der Tat viel Bewegung in den einzelnen Universitäten und Fachhochschulen ausgelöst, sodass heute flächendeckend die Auseinandersetzung mit Gleichstellungskonzepten wirklich stattfindet."

Allerdings haben sich auch die Gegner der Frauenförderung zu Wort gemeldet. So hat der emeritierte Wirtschaftsprofessor Günter Buchholz eine "Frankfurter Erklärung zur Gleichstellungspolitik" initiiert. Dort heißt es, an Universitäten und Hochschulen werde die Diskriminierung von Männern aktiv, planmäßig und bewusst betrieben, Gleichstellungspolitik breche mit dem Leistungsprinzip und sei ungerecht. Die Unterstützung für diese Erklärung hält sich allerdings in Grenzen – etwa 1200 Personen haben das Manifest bislang unterschrieben.

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