Programm: Vor- und RückschauSonntag, 05.02.2017

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  • 00:05 Uhr

    Beautiful Extremes
    Eine Lange Nacht über britische Pop-Originale
    Von Florian Ehrich
    Regie: Jan Tengeler

    Sie sind weitgehend unbekannte Klassiker britischer Popmusik: John Martyn, Kevin Coyne und Robert Wyatt. In der unmittelbaren Nachkriegszeit geboren und unterschiedlichsten Einflüssen von Folk und Countryblues bis zu Freejazz und moderner Orchestermusik ausgesetzt, suchten diese Künstler nach einem ganz eigenen Ausdruck. Dabei entfernten sie sich zuweilen weit von gängigen Hörgewohnheiten des Publikums und Erwartungen der Musikindustrie. Während der kantige Kevin Coyne intuitiv bluesbasierte Songs erschuf, die mit minimalem Aufwand ein Maximum an Ausdruck erreichen, entwickelte der Jazzenthusiast Robert Wyatt Musik, die feinsinnigen Humor, Melancholie und politisches Bewusstsein verbindet. John Martyn dagegen verließ seine Folkwurzeln durch den innovativen Einsatz von Effektgeräten und gebrochenen Akkorden und gelangte zu einem eigenständigen Klang, der die Stilgrenzen zwischen Jazz, Folk, Rock, Blues und Reggae fließend überwindet. Die akustischen Zumutungen dieser drei Expressionisten haben bis heute kaum Patina angesetzt. Hinter der eigenartigen, ebenso schönen wie verstörenden Klangwelt dieser ebenso faszinierenden wie schwierigen Menschen verbergen sich jedoch persönliche Dramen, Katastrophen und Abgründe. Auch darüber sprechen Kritiker wie auch Weggefährten in der 'Langen Nacht'. Diese Sendung ist eine Hommage an drei sehr britische Künstler, die kaum dem Klischee des Pop- oder Rockstars entsprechen, in ihrer Heimat aber bisweilen als National Treasure - nationales Kulturgut - verehrt werden.

  • 02:05 Uhr
    02:07 Uhr  Klassik live

    Rheingau Musik Festival 2015

    Maurice Ravel
    Miroirs

    Franz Schubert
    Fantasie C-Dur, op. 15 D 760 ("Wanderer-Fantasie")

    Bertrand Chamayou, Klavier

    Aufnahme vom 17.7.15 aus dem Fürst-von-Metternich-Saal des Schlosses Johannisberg

    03:05 Uhr  Heimwerk

    Carl Philipp Emanuel Bach - Kammermusik

    Carl Philipp Emanuel Bach
    Quartett Nr. 1 für Fortepiano, Flöte und Viola a-Moll, Wq 93
    Trio für Fortepiano, Flöte und Viola F-Dur, Wq 163
    Sonate für Viola da gamba und Cembalo g-Moll, Wq 88

    Camerata Köln:
    Karl Kaiser, Traversflöte
    Michael Schneider, Bassblockflöte
    Ulla Bundies, Viola
    Rainer Zipperling, Violoncello
    Sabine Bauer, Hammerflügel

  • 06:10 Uhr

    Jan Pieterszoon Sweelinck
    'Jesus Christus, unser Heiland'. Choralvariationen für Orgel (PD 60)
    Peter van Dijk, Orgel

    Antonìn Dvořák
    Messe D-Dur, für Soli, Chor und Orgel op. 86
    Hedwig Westhoff-Düppmann, Sopran
    Franziska Gottwald, Alt
    Jan Kobow, Tenor
    Michael Jäckel, Bass
    Tobias Götting, Orgel
    Knabenchor Hannover
    Leitung: Heinz Hennig

  • 07:05 Uhr

    Aktuelles aus Kultur und Zeitgeschehen

    Unheilige Allianz - Was israelische Schriftsteller über Donald Trump und dessen Nahost-Politik denken

    Stolz zeigen! Europa in der Selbstfindungskrise - Ein Interview mit der Politologin Gesine Schwan

    Apocalypse Now - Im Taumel der Geschichte? Ein Interview mit dem Historiker Philipp Blom

    07:50 Uhr  Kulturpresseschau

    Auszüge aus den Feuilletons der Woche

    Fremd im eigenen Land - Die USA und ihr Präsident Donald Trump. Ein Interview mit der Schriftstellerin Irene Dische

    Denk ich an Deutschland: der Schriftsteller Jan-Philipp Sendker

    Am Mikrofon: Michael Köhler

  • 08:35 Uhr

    Religiöses Wort
    Reformpädagoge und jüdischer Märtyrer: Janusz Korczak zum 75. Todestag
    Von Christian Feldmann, München
    Katholische Kirche

  • 08:50 Uhr

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

  • 09:05 Uhr

    Vor 50 Jahren: Loriots erste Fernsehserie 'Cartoon' läuft an

  • 09:10 Uhr

    Neue Musik

  • 09:30 Uhr

    Der Mythos von der kulturellen Identität
    Von Daniel Hornuff

    Deutschland heute: Ein alter Mythos ist wiedergeboren - der Mythos von der kulturellen Identität. Nicht nur Pegida und AfD beschwören ihn; ebenso zeigt er sich in Debatten um das Kulturgutschutzgesetz wie in der Glorifizierung von Nationalmannschaften. Jeweils geht es um die Schaffung homogener Gebilde. Nationalstolz und Leitkultur klingen harmlos und doch bereiten sie rechtem Extremismus den Boden. Der Mythos von der kulturellen Identität ist die hässliche Fratze der Aufklärung. Was aber heißt es, diesen Mythos zu überwinden? Wird Kultur dann relativ, austauschbar und beliebig? Oder liegt genau darin die zivilisatorische Aufgabe: auszuhalten, dass Kultur auf keinen gemeinsamen Nenner zu bringen ist?

    Daniel Hornuff, geboren 1981, ist Vertretungsprofessor für Kunstwissenschaft an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Er hatte Lehraufträge an den Universitäten München, UdK Berlin, Wien, Mozarteum Salzburg, Tübingen und an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. 2013 legte er seine Habilitation mit einer Arbeit über die Kultur der Schwangerschaft und venia legendi für das Fach Kunstwissenschaft vor.

  • 10:05 Uhr

    Übertragung aus der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Wohlen bei Bern
    Predigt: Pfarrer Daniel Hubacher
    Evangelische Kirche

  • 11:05 Uhr

    Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelkammertages

  • 11:30 Uhr

    Reisenotizen aus Deutschland und der Welt

    Sanfter Bergtourismus in alpiner Kultur
    Bergsteigerdörfer im Winter
                                                                                           
    Der Pater und die Mini-Welt
    Ave Maria Grotto in Cullman, Alabama

    Zwischen Exotismus und Assimilierung
    Tromsö am Nationaltag der Samen

    Von Austernfischern und Seehunden
    Wunderbares Wattenmeer

    Am Mikrofon: Andreas Stopp

  • 13:30 Uhr

    Musik und Fragen zur Person
    Der Kunst- und Medienhistoriker Michael Diers im Gespräch mit Joachim Scholl

    „Bilder bestimmen unser Leben“
    Der Kunsthistoriker Michael Diers analysiert in seinen Arbeiten die immer größer werdende Wirkung von Bildern, die über die Medien verbreitet werden.
    Seit seinen wissenschaftlichen Anfängen beschäftigt sich Michael Diers, Jahrgang 1950, mit der prägenden Kraft von Bildern in Gesellschaft und Politik. In zahlreichen Büchern und Schriften hat er die symbolische Bedeutung von Gemälden und Fotografien dargestellt, als politische Ikonografie, die gerade in unserer hochmedialisierten Zeit immer bedeutsamer wird. In seinem jüngsten Buch 'Vor aller Augen' zeigt der in Hamburg und Berlin lehrende Forscher, wie Bilder schon in früheren Epochen politisch funktionalisiert wurden und die Wahrnehmung von Zeit und Gesellschaft bis heute maßgeblich steuern. Schwungvoll belegt Michael Diers die These von Walter Benjamin, der schon vor bald 100 Jahren erkannt hat: "Geschichte zerfällt in Bilder, nicht in Geschichten.“

  • 15:05 Uhr

    Das Magazin
    Neues aus der Szene
    Am Mikrofon: Udo Vieth

  • 16:10 Uhr

    Aus dem literarischen Leben
    Das Buch der Woche

    Die Reise in den Westen. Ein klassischer chinesischer Roman
    Mit 100 Holzschnitten nach alten Ausgaben
    Übersetzt und kommentiert von Eva Lüdi Kong
    (Reclam Verlag)
    Ein Beitrag von Helwig Schmidt-Glintzer

    Am Mikrofon: Hubert Winkels

  • 16:30 Uhr

    Wissenschaft im Brennpunkt
    Signifikant erschüttert
    Das Verhältnis zwischen Trump und Wissenschaft
    Von Lennart Pyritz und Thomas Reintjes

    Die Gedanken sind frei. Diejenigen, die dafür bezahlt werden, dass sie denken, sind es nicht immer: Von Trumps Einreiseverbot für Menschen aus bestimmten muslimisch geprägten Ländern sind auch Wissenschaftler betroffen. Unternehmen und Forscher liefen Sturm gegen das Dekret, das die Branche in ihren Grundfesten erschüttert. Doch es dürfte noch schlimmer kommen: Vor TV-Kameras äußerte Trump, Medikamente sollten schneller und unkomplizierter auf den Markt kommen, dafür will er die Regulierung durch die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel lockern. Auch Trumps personelle Entscheidungen bedrohen den Wissenschaftsbetrieb. Er umgibt sich mit Klimawandel-Skeptikern und Evolutions-Leugnern. Seine designierte Bildungsministerin Betsy DeVos engagiert sich für obskure Therapiezentren gegen Depressionen und Verhaltensstörungen.
    Nicht nur in den USA formiert sich massiver Widerstand. Was können die Hüter der Vernunft dem Beben entgegensetzen?

  • 17:05 Uhr

    Debatten und Dokumente
    Die Kultur hat die Verpflichtung, solidarisch mit den Verfolgten zu sein -Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Gespräch

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen
    Die Perlenfischer - Georges Bizets vergleichsweise unbekannte Oper inszeniert in Kaiserslautern der Intendant Urs Häberli

    Ende der Komfortzone? - Lutz Hübner und Sarah Nemitz Stück "Willkommen" in Düsseldorf

    "Kunst & Medien als Protest" - Ein Kölner Kolloquium über alternative Öffentlichkeiten in der Türkei

    Thea Dorn als Writer in Residence in Pennsylvania - Ganz nah dran am Trump-Wahnsinn

    Unheilige Allianz - Was israelische Schriftsteller über Donald Trump und dessen Nahost-Politik denken

    Am Mikrofon: Henning Hübert

  • 18:40 Uhr

    Mit Faktencheck gegen Fake News - Was auf Facebook, Twitter und Co. zukommen könnte

  • 19:10 Uhr

    1. Fußball-Bundesliga, 19. Spieltag:
    FC Augsburg - SV Werder Bremen
    Eintracht Frankfurt - SV Darmstadt 98

    2. Fußball-Bundesliga, 19. Spieltag:
    VfL Bochum - Karlsruher SC
    Eintracht Braunschweig - FC St. Pauli
    Dynamo Dresden - 1. FC Union Berlin

    Tennis - Davis Cup: in Frankfurt: Deutschland - Belgien
    Sportförderung - Kooperation zwischen OSP MV und Arbeitsagentur
    Sportförderung - Sollte die Bundeswehr als Sportförderer abgeschafft werden?

    Wintersport

    Super Bowl - Brady, die Patriots und die Nähe zu Trump
    Super Bowl - Falcons könnten den ersten Titel holen

    Olympia 2024 - Was bedeutet Trump für die Chancen von LA?

    Am Mikrofon: Philipp May

  • 20:05 Uhr

    Ins Netz gegangen
    Von Verstrickungen und Freiheiten
    Von Bettina Mittelstraß
    Regie: Susanne Krings
    Produktion: DLF 2017

    Rosenblätter, Senf und ein Fuß von einem Wiesel im Netz sollen dem Fischglück dienen, und wer sich ein Weib fängt und es behalten will, der werfe am Hochzeitstag symbolisch ein Netz über die Braut. Am Aberglauben hängt fast keiner mehr, im Netz aber hängt jeder. Vernetzung und Netzwerke sind die Stichworte der Stunde und der Raum, den Maschen, Knoten, Systeme und Verbindungen begrenzen, wird dichter und enger. Nichts darf entrinnen, niemand durchfallen - keine Beute, kein Verbrecher, kein Nutzer, kein Gedanke, kein Sozialfall. Und ist man einmal drin in der filigranen Struktur, führen Selbstbefreiungsversuche meist zu noch größeren Verstrickungen.

  • 21:05 Uhr

    RSB-Kammerkonzert
    re_fuge - Reflexion und Dialog

    Johann Sebastian Bach
    'Die Kunst der Fuge', BWV 1080 Contrapuncti I, III, IX

    Sofia Gubaidulina
    'Reflections on the Theme', B-A-C-H für Streichquartett

    Johann Sebastian Bach
    'Die Kunst der Fuge', BWV 1080 Contrapunctus XVIII (unvollendet)

    Astor Piazzolla
    'Fuga y Misterio' bearbeitet für Streichquartett von Rodrigo Bauza

    Felix Mendelssohn Bartholdy
    Streichquartett Nr. 1 a-Moll, op. 13

    Juliane Manyak, Violine
    Rodrigo Bauza, Violine
    Alejandro Regueira Caumel, Viola
    George Boge, Violoncello

    Aufnahme vom 19.1.17 im silent green Kulturquartier, Berlin
    Am Mikrofon: Uwe Friedrich

    Das letzte, unvollendete Werk Johann Sebastian Bachs ist auch sein rätselhaftestes. In der 'Kunst der Fuge' hat Bach keine Besetzung festgelegt, sie folgt keinem festgelegten Zweck wie die meisten anderen seiner Werke, sondern scheint der Selbstvergewisserung seiner Kunst kurz vor dem Tod gedient zu haben. Zahlreiche Komponisten haben seitdem Orchestrierungen vorgelegt, mit denen sie die musikalische Struktur der 18 Kontrapunkte verdeutlichen wollten, oder schrieben selbst Fugen, die sich deutlich auf das große Vorbild beziehen. Der argentinische Tangokomponist Astor Piazzolla überschrieb seine Auseinandersetzung mit dem Werk als 'rätselhaft', die Russin Sofia Gubaidulina komponierte 'Reflexionen', Felix Mendelssohn Bartholdy ließ die Faszination für den Thomaskantor nie los. Aber auch bildende Künstler haben sich mit Schichtungen, Umkehrungen und thematischen Fugen im doppelten Wortsinn beschäftigt. Es war der ausdrückliche Wunsch der Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, gemeinsam mit der Malerin Lara Faroqhi einen Abend im Kulturquartier silent green, dem ehemaligen Krematorium in Berlin-Wedding, zu gestalten, in dem die Musik nicht allein und auch nicht bloß als fertiges Produkt präsentiert werden sollte. In ihren Werken thematisiert Faroqhi immer wieder die Endlichkeit und das Vergehen der Zeit. Musik wird diesmal nicht nur zu Ende, sondern auch vom Ende her gedacht.