Dienstag, 17. Mai 2022

Programm: Vor- und RückschauSamstag, 29.08.2020

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  • 00:05 Uhr

    Marie. Ein Fall
    Von Susanne Ayoub
    Regie: Eva Garthe
    Mit Gerti Drassl, Stefano Bernardin, Markus Meyer, Wolfgang Hübsch, Andreas Patton und Ulli Maier
    Produktion: ORF 2011
    Länge: 52'21

    In ihrem Hörspiel „Marie. Ein Fall” erzählt Susanne Ayoub eine wahre Geschichte aus dem Jahr 1905, zitiert aus Originaldokumenten, Gerichtsakten, Gutachten, Zeitungsberichten und Briefen. Die Namen der handelnden Figuren sind, ebenso wie Maries Brief, der das Hörspiel umrahmt und durchzieht, fiktiv. Marie Lerch, die 21-jährige, wohlerzogene Tochter eines Bürgermeisters, hat ein heimliches Verhältnis mit dem windigen Kaufmannsgehilfen Wolf Hauser. Ihre Eltern jedoch drängen sie zur Verlobung mit dem angesehenen, wenn auch farblosen Referendar Neumann. Die abschreckende Ehe ihrer Eltern vor Augen, versucht Marie, einen Ausweg aus ihrem Dilemma zu finden. Sie vergiftet Neumann mit Zyankali und schießt ihm, sicher ist sicher, mit einem entwendeten Revolver in den Mund. „Sie verfügt über eine weit über den Durchschnitt hinausgehende Bildung”, attestiert ihr der Anstaltsarzt in seinem Gutachten. Allerdings gebe die Angeklagte „Mangel an Scham- und Ehrgefühl zu erkennen und vertritt laxe Auffassungen über das Wesen der Gesetze”. Dem Gericht tischt Marie Lerch Lügengeschichten auf, verstrickt sich in Widersprüche. Schließlich wird sie zum Tod durch die Guillotine verurteilt. Zu ihrer Hinrichtung strömen über 1.000 Zuschauer herbei.

  • 01:05 Uhr

    Jazz
    Chasing The Bird
    Charlie Parker zum 100. Geburtstag
    Am Mikrofon: Karl Lippegaus

    Spontaneität, Humor und Gefühl tönten schnörkellos und ungeschminkt aus seinem Altsaxofon. Sein Bluesfeeling war tief, seine melodischen Ideen unerhört. Aus Kansas City kam Charlie Parker, genannt „Bird“, nach New York, setzte sich an die Spitze der Jazz-Modernisten und wurde zu Lebzeiten eine Legende. Erst mit 17 Jahren war sein Interesse für das Altsaxofon erwacht; schon bald hatte er sich einen Platz in der großen Jay McShann Band erobert. Mit dem Trompeter Dizzy Gillespie wurde er zum Herold des neuen, komplizierten Stils Bebop. Seine Neuerungen gehören heute zum Grundvokabular jedes Jazzmusikers; Parker-Soli werden an den Musikhochschulen studiert wie Beethoven-Sonaten. Aber sein chaotisches Leben - von Clint Eastwood hollywoodreif verfilmt - endete in Selbstzerstörung.

  • 06:10 Uhr

    Berichte, Interviews, Reportagen

    08:50 Uhr  Presseschau

    Aus deutschen und ausländischen Zeitungen

    Am Mikrofon: Friedbert Meurer

  • 09:05 Uhr

    Vor 100 Jahren: Der amerikanische Jazzmusiker Charlie Parker geboren

  • 09:10 Uhr

    Raven trotz Corona
    Die Berliner Clubszene geht nach draußen

    Am Mikrofon: Manfred Götzke

    Berlin - die Welthauptstadt der Clubs - befindet sich seit März im unfreiwilligen Ruhezustand. Die berühmt-berüchtigten Tanz- und Techno-Tempel waren die ersten, die wegen Corona schließen mussten - und werden wohl auch die letzten sein, die wieder regulär öffnen. Doch viele feierwillige Nachtschwärmer haben sich schon vor Monaten Alternativen gesucht. Jedes Wochenende sollen zwischen 10 und 50 illegale Open-Air-Raves in Berlin stattfinden: in den Wäldern und in den Parks. Der wohl bekannteste dieser Party-Hotspots ist die Hasenheide in Berlin-Kreuzberg. Inzwischen versucht die Berliner Politik, legale Alternativen zu finden: Draußen feiern, aber mit Hygienekonzept und Abstand, so der Plan. Manche Clubs öffnen zwar schon wieder - aber nur ihre Außenbereiche. Mit Konzerten und Sitz-Partys im Biergarten versuchen sie, ihre Verluste zu minimieren. Denn eins ist klar: Raven im Club wird in diesem Jahr nicht mehr möglich sein. Manfred Götzke war für das Wochenendjournal in der Berliner Hasenheide unterwegs, hat mit DJs und Clubbetreibern gesprochen und auf - legalen - Open Airs getanzt.

  • 10:05 Uhr

    Am Mikrofon: Die Schauspielerin Sophie Rois

    „Draußen tobt der Konsens, während ich hier drin Tradition und Anarchie gleichermaßen aufrechterhalte“, sagt Sophie Rois in René Polleschs Stück „Diktatorengattinen“. Zusammen mit Pollesch entwickelte die Schauspielerin eine Form des hochreflexiven Boulevards an der Berliner Volksbühne, wo die gebürtige Österreicherin von 1993 bis 2017 Ensemblemitglied war. Sie spielte mit Christoph Schlingensief und Christoph Marthaler, und wurde mit Frank Castorf und Pollesch zu einer der prägenden Gestalten dieses Theaters. Sie bringt, wie es in der Begründung für den Berliner Theaterpreis der Stiftung Preußische Seehandlung heißt, auf die Bühne, was die Stadt zur Metropole mache: „Jenen Glamour, der auf Brüchen beruht und das Widerstreitende spielerisch als das Zusammengehörende zeigt.“ Mittlerweile ist Sophie Rois am Deutschen Theater engagiert und klettert dort aktuell mit Pumps auf einem überdimensionalen Stück Erdbeertorte herum, in Clemens Maria Schönborns Inszenierung „Sophie Rois fährt gegen die Wand“, einer freien Bühnenadaption von Marlen Haushofers Roman „Die Wand“. Auch an das Kino verleiht sie ihre eigensinnige Präsenz: 1993 spielte sie in Detlev Bucks „Wir können auch anders“ und 2010 verkörperte sie in Tom Tykwers „Drei“ eine Frau mit zwei Männern. Sophie Rois veranstaltet ab kommendem Herbst auch wieder ihre Vaudeville-Abende „Have a Cup of Tea“ mit ihren seltsam schönen Interpretationen von Musik der britischen Band The Kinks.

  • 11:05 Uhr

    Ein Sommer mit den Gesichtern Europas - Die Redaktion empfiehlt:

    „Die WG der Welterklärer - Im europäischen Forschungslabor CERN“
    Von Tom Schimmeck
    (Dlf 2012)

  • 12:10 Uhr

    Berichte, Interviews, Musik

    Demo gegen Corona-Regeln in Berlin

    Wie umgehen mit Corona-Leugnern? Interview mit Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef in Berlin

    Linken-Parteispitze Kipping und Riexinger hört auf

    Corona-Kosten: Scholz' Gedankenspiele über Steuererhöhungen für Gutverdiener

    Starker Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Frankreich

    Marsch auf Washington - Bürgerrechtler demonstrieren gegen Rassismus

    Black Panther-Hauptdarsteller Chadwick Bosemann gestorben

    Sport

    Am Mikrofon: Sandra Schulz

  • 13:10 Uhr

    Abgestimmt statt ausgegrenzt - Europa und der Umgang mit der Pandemie

    Militärmanöver im Mittelmeer - (De-)Eskalation im Gasstreit?

    Grand Old and Lost? Die Republikanische Partei und das Erbe Donald Trumps

    Am Mikrofon: Anne Raith

  • 13:30 Uhr

    Auslandskorrespondenten berichten

    Minsk ist gar nicht so weit: Ex-Sowjetrepubliken und die Proteste in Belarus

    Echte Reformen? Termin für algerisches Verfassungsreferendum steht

    Corona in Nordkorea: Die meisten Ausländer sind gegangen

    Kinder- und Zwangsehen bald legal? Mögliche Gesetzesänderung in Somalia

    Am Mikrofon: Britta Fecke

  • 14:05 Uhr

    Das Bildungsmagazin

    Lernen und lehren in Zeiten von Corona
    Welche Fortbildungen brauchen Lehrkräfte, um ihren Unterricht zu verbessern?
    In „Campus & Karriere" gehen wir diesen Fragen nach: Welche Fortbildungsangebote brauchen bzw. bekommen Lehrkräfte, um ihren Unterricht zu verbessern? Welche sind besonders effektiv und nachhaltig? Wie könnten Lehrer und Schüler in die Fortbildungsplanung eingebunden werden? In welchem Umfang sollten auch Ferienzeiten für die Weiterqualifizierung genutzt werden?

    Gesprächsgäste:
    Peter Daschner, Mitglied im Vorstand des Deutschen Vereins zur Förderung der Lehrerfortbildung
    Miguel Góngora, ehemaliger LandesschülerInnensprecher in Berlin
    Sebastian Schmidt, Realschullehrer in Neu-Ulm
    Am Mikrofon: Regina Brinkmann

    Hörertel.: 00800 - 4464 4464
    campus@deutschlandfunk.de

    In kürzester Zeit in den Lockdown, das griff auch tief in den Schulalltag ein. Und nicht wenige Eltern mussten zuhause beobachten, wie schlecht die Lehrkräfte den Herausforderungen des digitalen Fernunterrichts gewachsen waren. Studien belegen, dass die Schülerleistungen bei gut qualifizierten Lehrkräften drei bis viermal so hoch sind wie bei schlechter qualifizierten. Umso erstaunlicher ist es, wie stiefmütterlich die Lehrerfortbildung hierzulande bislang behandelt wurde. Sie ist im europäischen Vergleich unterfinanziert und geht oft am Bedarf vorbei. So gibt es zwar in allen Bundesländern die Verpflichtung zur Lehrerfortbildung. Konkrete Vorgaben, wie viele Stunden jeder Pädagoge zu absolvieren hat, gibt es aber nicht.

  • 15:05 Uhr

    Das Musikmagazin

    Wie eine Fata Morgana: Sophie Hunger mit „Halluzinationen“
    Die Singer-Songwriterin Sophie Hunger arbeitet auf ihrem neuen Album „Halluzinationen“ mit den bewusstseinserweiternden Kräften von Musik zwischen Krautrock, Club und Experiment. „Halluzination ist für mich ein anderes Wort für Musik“, sagte die Sängerin und Instrumentalistin im Deutschlandfunk. 

    Techno-Avantgardistin aus Wales: neues Album „Inner Song“ von Kelly Lee Owens
    Als Kelly Lee Owens vor drei Jahren ihr erstes Album veröffentlichte, war die Musikkritik hin und weg. Kaum jemand bringe Techno und Dream Pop so elegant zusammen wie die Waliser Musikerin, meinten die KritikerInnen. Mit ihrem zweiten Album „Inner Song“ gelingt es ihr, erneut zu überzeugen.

    „Whole New Mess“ von Angel Olsen: Altes neu aufbereitet
    Auf ihrem neuen Album „Whole New Mess“ präsentiert die Singer-Songwriterin Angel Olsen hauptsächlich unplugged Versionen alter Tracks. Ein krasser Gegensatz zu den orchestralen Großarrangements des Vorgängers. Und möglicherweise auch der Versuch, sich neu zu erfinden.

    Am Mikrofon: Fabian Elsäßer

  • 16:05 Uhr

    Bücher für junge Leser

    Vier neue Kinderbücher im Gespräch mit Christine Knödler und Wieland Freund

    Anders Sparring: „Familie von Stibitz - Ein hundsgemeiner Polizist“
    Mit Illustrationen von Per Gustavsson
    Aus dem Schwedischen von Friederike Buchinger
    (Hanser Verlag, München)

    Cecilia Davidsson: „Die Mumins und der letzte Drache“
    Nach einer Erzählung von Tove Jansson
    Mit Illustrationen von Cecilia Heikkilä
    Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
    (Verlag Urachhaus, München)

    Benedict Mirow: „Die Chroniken von Mistle End. Der Greif erwacht“
    Mit Illustrationen von Maximilian Meinzold
    (Thienemann Verlag, Stuttgart)

    Mike Schäfer: „Mein Geld, dein Geld. Von Mäusen, Kröten und Moneten“
    Mit Illustrationen von Meike Töpperwein
    (Verlag Beltz & Gelberg, Weinheim)

    Am Mikrofon: Tanya Lieske

  • 16:30 Uhr

    Admin-los
    Digitalisierung der Schulen krankt auch an fehlendem IT-Verständnis

    Datenschutz-los
    Bei Schul-Software ist die DSGVO stark, bei Hardware weniger

    Digital-Fall
    Das Amtsgericht 4.0 soll die Justiz entlasten

    Steuer-ID
    Die Nummer für die Datenbank mit dem Leben der anderen

    Das Digitale Logbuch
    Mutant

    Info-Update

    Sternzeit 29. August 2020
    Das Warten auf die nächste Nova


    Am Mikrofon: Manfred Kloiber

  • 17:05 Uhr

    Muss der Heilpraktikerberuf stärker reguliert werden?
    Der Wissenschafts- und Medizinjournalist Christian Weymayr und Ursula Hilpert-Mühlig, Präsidentin des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker, im Gespräch
    Am Mikrofon: Manfred Götzke

  • 17:30 Uhr

    Berichte, Meinungen, Rezensionen

    Zum Tod des Schauspielers Chadwick Boseman

    Reihe "nah und fern" - Erinnerungskultur und Gedenkstätten

    Die Diven in Salzburg - Ein musikalischer Rückblick auf die Jubiläumsfestspiele

    Erste Premiere am Gorki: "Berlin Oranienplatz" von Hakan Savaş Mican

    Am Mikrofon: Anja Reinhardt

  • 18:40 Uhr

    Kakophonie des Alltags - Der aussichtslose Kampf gegen den Straßenlärm

  • 19:10 Uhr

    Tour de France - 1. Etappe: Nizza-Nizza
    Tour de France - Küsschen weg, Gleichstellung da? Diversität im Radsport

    US-Sport - Black Lives Matter: Sportler streiken in US-Ligen

    Sexualisierte Gewalt - Urteil im Angler-Prozess

    Olympia 2021: Was der Rücktritt von Shinzo Abe für die Spiele in Tokio bedeutet

    Sport und Corona: Der Sport muss warten - nach dem Bund/Länder-Beschluss

    Fußball - VfL Wolfsburg vor dem Champions-League-Finale der Frauen

    Formel 1 - Qualifikation für den Großen Preis von Belgien in Spa

    Am Mikrofon: Maximilian Rieger

  • 20:05 Uhr

    Lesung: Nicole Henneberg
    Gesprächspartner: Alena Wagnerová und Jörg Später
    Am Mikrofon: Katharina Teutsch

    Mit ihrem Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ eroberte Gabriele Tergit die Literaturszene der Weimarer Republik. Ihr zweiter Roman „Effingers“ wurde erst nach dem Krieg veröffentlicht und dann schnell verehrt als die jüdischen Buddenbrooks. Jetzt erscheinen Tergits Gerichtsreportagen und Erinnerungen „Etwas Seltenes überhaupt“, neu ediert von Nicole Henneberg. Tergit beschreibt darin die wachsende Gewalt zwischen linken und rechten Gruppierungen. Und sie protokollierte den Aufstieg der Nationalsozialisten. Diese erklärten die Jüdin Tergit zur politischen Gegnerin, was sie schließlich zur Flucht aus Deutschland zwang. Über das damals noch junge Medium Zeitung gelang es wagemutigen Autorinnen in der Grauzone zwischen Feuilleton und Literatur eine eigene Handschrift zu entwickeln und ein Publikum zu erobern. Fast alle Autorinnen der 20er-Jahre waren auch als Reporterinnern im Einsatz. So auch die als Kafka-Freundin in die Literaturgeschichte eingegangene Milena Jesenská aus Prag. Als Journalistin durchbricht sie übliche thematische Festlegung auf Mode und Haus und zeigt in lebendigen Reportagen die Alltagsnot nach dem Ersten Weltkrieg in Wien, die Kinderarmut und den Schwarzmarkt. In Prag propagiert Jesenská die Projekte der europäischen Avantgarde. Alena Wagnerová hat den im Oktober erscheinenden Band zusammengestellt und wird gemeinsam mit Nicole Henneberg und dem Biografen Siegfried Kracauers, Jörg Später, über das Genre der literarischen Reportage, über Frauen im Schreibberuf und den Mythos der Goldenen Zwanziger sprechen.

  • 22:05 Uhr

    Revisited Forum neuer Musik 2011
    „Nahe bei der Natur“
    Sabine Liebner spielt John Cage’s „Etudes Australes“

    Am Mikrofon: Frank Kämpfer

    Mit seinem Namen verbinden sich das präparierte Klavier, die Inspiration durch Sternkarten, das Zufallsverfahren und die Einbeziehung des Alltagsgeräuschs. Alles künstlerisch Mitzuteilende sollte frei sein von Subjektivem und Autoritärem. Im Zuge seiner Beschäftigung mit den amerikanischen Transzendentalisten und dem Zen-Buddhismus löste sich John Cage (1912- 1992) radikal von den Determinierungen europäischen Denkens in Musik und Kultur. Im Vorfeld des 99. Geburtstags des US-amerikanischen Künstlers fragte das Forum neuer Musik 2011 „Goes Germany“ nach der besonderen deutschen Rezeption von US-Avantgarde in der Neuen Musik. Dazu gab es ein Sonderprojekt: An vier Abenden spielte die Münchner Pianistin Sabine Liebner im Deutschlandfunk Kammermusiksaal alle 64 „Etudes Australes“, die Cage in den 70er-Jahren für Grete Sultan notierte. Beim Kölner Forum wurde dieses Cage-Highlight von einer Radionacht mit Ruth Crawford Seeger, Heather O‘ Donnell und Jakob Ullmann sowie einem Feature von Jean-Claude Kuner begleitet.

  • 23:05 Uhr

    Spiel mir das Lied von Leben und Tod
    Eine Lange Nacht über Ennio Morricone
    Von Olaf Karnik und Volker Zander
    Regie: Philippe Brühl

    Klassik und Neue Musik, Schlager und Pop, Folklore, Jazz, Folk, Beat und Bossa Nova, elektronische Musik und freie Improvisation, barocker Kontrapunkt und Zwölftonmusik, psychedelische Rockmusik und World Music - es gibt kaum einen Stil, den Ennio Morricone nicht beherrscht oder grandios adaptiert hätte. Zusammengearbeitet hat der Komponist mit so unterschiedlichen Filmregisseuren wie Pier Paolo Pasolini und Sergio Leone, Bernardo Bertolucci und Dario Argento, Roland Joffe, Pedro Almodóvar oder Brian De Palma. Und vom Italo-Western über den Giallo-Thriller bis zur Sex-Komödie, von der Schmonzette über den Polizeifilm bis zum Gesellschaftsdrama hat er die musikalische Sprache ganzer Filmgenres nicht nur in Europa definiert. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts recycelte der amerikanische Regisseur und Morricone-Fan Quentin Tarantino Stücke aus älteren Morricone-Soundtracks so lange für seine eigenen Filme, bis er den Maestro 2016 schließlich als Komponist für „The Hateful Eight“ gewann. Und noch mit 85 Jahren hat Morricone für sich eine neue, modulare Kompositionsmethode entwickelt, die in den Filmen von Giuseppe Tornatore zum Einsatz kommt. Die meisten der knapp 500 Soundtracks, die Morricone seit 1961 für Spielfilme aller Art, Dokumentationen und Fernsehproduktionen komponiert hat, sind heute auf Tonträgern erhältlich. Hier offenbart sich die Qualität seiner Musik: Sie ist so originell, eigenständig und spannend arrangiert, dass sie auch unabhängig von ihren Filmen funktioniert. Dem außergewöhnlichen römischen Komponisten widmet die „Lange Nacht” eine kaleidoskopische Werkschau.