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StartseiteCampus & KarriereMit Intensivcoaching zurück in den Job24.09.2019

Projekt für AlleinerziehendeMit Intensivcoaching zurück in den Job

Alleinerziehend und gering qualifiziert: Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen, um den Wechsel von Hartz IV ins Berufsleben zu schaffen - trotz der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Betroffen sind überwiegend Frauen. Das Förderprojekt Jobclub Soloturn Plus in Hamburg kümmert sich um sie.

Von Daniela Remus

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Eine Frau schiebt am 04.02.2013 einen Kinderwagen über den Raschplatz in Hannover (Niedersachsen). (picture alliance / Julian Stratenschulte)
Jobsuche und Weiterbildung - für Alleinerziehende nicht machbar, wenn niemand auf das Kind aufpassen kann (picture alliance / Julian Stratenschulte)
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"Vor dem Kind hab ich eine Ausbildung als Fachkraft im Gastgewerbe gemacht und hab im Hotel gearbeitet und irgendwann ging das nicht mehr nach der Schwangerschaft."

Ab dann war die heute 24jährige Cynthia Mutter eines Sohnes, alleinerziehend und arbeitslos.

"Ich musste erstmal überlegen, um wieder ins Berufsleben einzusteigen, man stellt sich da ein paar Fragen, wie wird das sein mit dem Kind? Wie entwickelt sich das mit dem Kind? Wie mach ich das auch? Als einteiliger Elternteil ohne den anderen Partner?"

Hilfsangebot im Problemstadtteil

Mit diesen Fragen und Bedenken kam die junge Frau vor rund einem Jahr in die Räume des Projekts "Jobclub Soloturn Plus"  in Hamburg-Wandsbek. Das jährliche Einkommen liegt in diesem wenig wohl­habenden Stadtteil deutl­ich unter dem Hamburger Durchschnitt. Hier lebt die 24jährige mit ihrem Sohn:

"Das waren für mich viele Fragen und viele Dinge, die ich mir erstmal überlegen musste, bevor ich überhaupt den Mut hatte, wieder ins Berufsleben einzusteigen."

Der Jobclub, finanziert vom Europäischen Sozialfond und der Stadt Hamburg, will Alleinerziehende wie Cynthia auf dem Weg zurück in die Arbeit unterstützen. Ohne großen bürokratischen Aufwand, zug­e­schnit­ten auf die individuellen Bedürfnisse: Die Sozial­ar­bei­te­rin­nen und Sozial­arbeiter helfen dabei, Kinderbetreuung zu organisieren, Kontakte zu Arbeitgebern herzustellen oder Sprachkurse ausfindig zu machen.

Angebote der Arbeitsagenturen passen nicht

Denn Alleinerziehende mit geringer Schul- und Berufs­bildung, zu 95 Prozent sind es Frauen, können oft nicht an den etablierten Weiter­bildungsangeboten der Arbeitsagenturen teilnehmen, weil sie niemanden haben, der auf ihre Kinder aufpasst. Sie fallen deshalb immer wieder durch alle Raster, erzählt Projektleiterin Beate Balzer:

"Viele unserer Teilnehmerinnen wären gar nicht imstande, an so einer Maß­nahme teilzunehmen, wie sie ganz viel angeboten werden: 15 Wochen­stunden, Anwesenheit, mit einem festen Programm, wann was ab­gehandelt wird. Sondern das ist absolut niedrigschwellig und absolut an den Bedarfen der Teilnehmerinnen orientiert."

Freiwillig und zeitlich nicht begrenzt

Seit fünf Jahren ist der Jobclub Soloturn Plus ein festes Angebot in den Hamburger Problemstadtteilen. Dabei mitzumachen ist frei­willig und zeit­lich nicht begrenzt. Idealerweise läuft das dann so ab: Die Tei­l­neh­me­rinnen und Teilnehmer treffen sich einmal pro Woche mit ihrem per­sön­lichen Coach und planen gemeinsam und ganz individuell den Wieder­ein­­stieg in die Arbeitswelt. Beate Balzer:

"Es gibt Frauen, die können wir in Vollzeitstellen vermitteln, die haben dann im Vorfeld allerdings schon viel mit der Kinderbetreuung selber regeln können, und die haben sehr genaue Vorstellungen, was sie leisten können, was realistisch ist.  Andere kommen völlig ohne Idee."

Schulden, Stress und Krankheiten

Viele Alleinerziehende, die hierherkommen, haben weder eine gute Schul­bildung, noch haben sie einen Beruf erlernt. Außerdem erschwerend im Ge­päck: Das, was Sozialarbeiter "komplexe Problemlagen" nennen: Brüche im Lebenslauf, Probleme mit dem abwesenden Elternteil, Schulden, Stress mit der eigenen Her­kunfts­familie, Krank­heit­en. Und häufig auch ein Mangel an Pünkt­lichkeit und Zu­verlässigkeit zum Beispiel, sagt Balzer:

"Dann gibt es Frauen, die brauchen sehr, sehr viel Zeit und andere Maßnahmen, bevor sie überhaupt stabil genug sind, um in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Das muss man einfach sehen, und für die gibt es in den Regelangeboten von den Jobcentern eigentlich gar nichts."

Insgesamt keine idealen Voraus­setzungen, um in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Trotzdem konnte der Jobclub bisher im­merhin rund 25 Prozent der Teilnehmerinnen ver­mitteln. Die 24jährige Cynthia ist eine davon:

"Im Moment arbeite ich im Einzelhandel, es macht mega viel Spaß."

Coaching für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche

Projekt-Mitarbeiterin Petra Bauer hat die 24jährige monatelang als persönlicher Coach auf ihrer Arbeitssuche begleitet:

"Dann haben wir angefangen Stellen zu recherchieren, Be­wer­bungs­un­ter­lagen zu optimieren und dann haben wir Anschreiben, Bewerbungen hin­ge­schickt. Und wenn sie eingeladen wurde, dann haben wir auch das noch mal geübt vorab, so ein Vorstellungsgespräch: Wie reagiere ich auf ent­spre­chende Situationen und Fragen."

Mal liefen die Gespräche gut, dann wieder schlecht. Mal wurde Cynthia zum Probearbeiten eingeladen, dann klappte es nicht mit dem erhofften Praktikumsplatz. Petra Bauer aber war immer da und hat den schwierigen Prozess begleitet, erzählt die Alleinerziehende:

"Sie hat mir auf jeden Fall viel, viel Mut gegeben, mehr und mehr Mut. Es gab auch Bewerbungsgespräche, die haben mich fertig gemacht, das lief so schlecht, von meiner Seite, da hab ich mich mit der Frau Bauer getroffen und hab ihr das erzählt und dann hat sie mir trotzdem Mut gemacht, sie sagte: Gut, man lernt daraus!"

Bisher kriegt Cynthia alles hin: Haushalt, Arbeit - und ihrem vierjährigen Sohn die Mutter zu sein, die sie sein möchte. Eine Erfolgs­ge­schichte, die sich die Projekt-Mitarbeiterinnen für mehr Teil­neh­merinnen wün­schen.

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