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StartseiteKultur heuteWie war Ihr Kulturjahr?31.12.2018

Prominente im GesprächWie war Ihr Kulturjahr?

Was bleibt aus dem Kulturjahr 2018 in Erinnerung? Der 20. Geburtstag des Kulturstaatsministeriums oder die #MeToo-Debatte? Die Redaktion "Kultur heute" blickt am Silvesterabend zurück und fragt: Welche Themen haben Sie 2018 beschäftigt? Welche Kunst haben Sie bewundert? Was war Ihr größter Erfolg?

Berlin: Aus Plasterscheinen wird eine kleine Mauer vor dem Brandenburger Tor errichtet (Illustration).  (dpa / Jörg Carstensen)
Die Berliner Mauer wurde 2018 nicht wieder aufgebaut - das Brandenburger Tor bleibt offen für ein gemeinsames Silvester-Feuerwerk (dpa / Jörg Carstensen)

Die Gesprächspartner*innen antworten sehr persönlich: warum wir eine freundlichere Gesellschaft brauchen. Welche Gefühle das 1968er-Jubiläum bei ihnen ausgelöst hat. Und sie erzählen Geschichten, von verrückten Theaterperformances, von der Berliner Stadtreinigung oder von der Witbooi-Bibel aus Namibia und ihrem Namensgeber.

Dabei stellt sich heraus, dass das Kulturjahr 2018 auch wichtig war wegen mancher Ereignisse, die gar nicht stattgefunden haben. Die Berliner Mauer wurde nicht wieder aufgebaut, weil das entsprechende Kunstprojekt nicht umgesetzt werden durfte. Und die Absage von Konzerten - bei der Ruhrtriennale und in Dessau - führte auch dazu, dass viele ihren eigenen Standpunkt klärten: Die Kulturszene 2018 hat sich politisiert, um vielstimmig, aber eindeutig gegen rechten Nationalismus, Rassismus oder Fremdenhass aktiv zu werden.

Kübra Gümüsay (Elif Cücük)Kübra Gümüsay (Elif Cücük)
"Positionierungen in Kunst und Kultur haben Einfluss!" Die Journalistin und Netzaktivistin Kübra Gümüsay gilt als eine der wichtigsten muslimischen und feministischen Stimmen in Deutschland. Künstlerinnen und Künstler, meint sie, können Menschen erreichen, die sich durch die klassische Politik nicht mehr angesprochen fühlen. Deshalb sei ihre Verantwortung so groß. Für 2019 wünscht sie sich mehr Räume, in denen politische Debatten mit mehr Wohlwollen, konstruktiver und menschlicher geführt werden.

Jutta Allmendinger (dpa/Soeren Stache)Jutta Allmendinger (dpa/Soeren Stache)
Die Soziologin gehörte zum ersten Jahrgang von Stipendiat*innen im neu renovierten Thomas-Mann-Haus in Pacific Palisades. Dort hat sie großen Reichtum, aber auch extreme soziale Unterschiede und viel Armut gesehen. Trotzdem sprechen die Menschen mehr miteinander und finden im persönlichen Bezug auch  eine gemeinsame Ebene, stellt Jutta Allmendinger fest. "Die Selbstverständlichkeit des Miteinanders unterschiedlicher Ethnien und Religionen ist dort eine größere als bei uns."

Barbara Mundel (barabara-mundel.de)Barbara Mundel (barabara-mundel.de)
Wem gehört der öffentliche Raum? Mit dieser Frage hat sich die Dramaturgin und ehemalige Intendantin des Theaters Freiburg schon oft beschäftigt, auch 2018 für die Ruhrtriennale. Sie ist designierte Intendantin der renommierten Münchner Kammerspiele und damit die erste Frau, die diese Bühne leiten wird. Die #MeToo-Debatte im Theater hält sie für notwendig: "Es geht um Macht, um die Frage: wem gibt man eine Stimme, es geht um wertschätzende Kommunikation."

Christiane Habermalz  ( Deutschlandradio/Bettina Straub)Christiane Habermalz ( Deutschlandradio/Bettina Straub)
Die Folgen der #MeToo-Debatte beschäftigten in diesem Jahr auch die Berliner Kulturpolitik. Die Anlaufstelle für von Missbrauch oder sexuellen Übergriffen betroffene Frauen im Kulturbereich wird täglich kontaktiert, erzählt Deutschlandfunk-Hauptstadtkultur-Korrespondentin Christiane Habermalz. Die Schatten der Vergangenheit sind aber bei einem Thema besonders lang: der Kolonialismus-Debatte im Zusammenhang mit dem Humboldt-Forum. Zu dessen Eröffnung 2019 wünscht sich Habermalz, "dass die von einer große Geste begleitet wird nach dem Vorbild Emmanuel Macrons".

Dr. Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele (Magdalena Lepka)Thomas Oberender, Intendant der Berliner Festspiele (Magdalena Lepka)
Das Kunstprojekt DAU durfte in Berlin nicht stattfinden, der Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, erzählt, was wir damit verpasst haben: eine Weltpremiere, ein Destillat aus 700 Stunden Film, eine symbolisch wiederaufgebaute Berliner Mauer als Stadt in der Stadt und ein großes Ritual der Reinigung durch Kunst. Eine solche "andere Erfahrung der Geschichte" stellt Oberender auch im Osten Deutschlands fest: "Warum ist dort so viel innere Traurigkeit, Verletztheit und Distanz entstanden - das interessiert mich."

Sandra Richter (DLA Marbach/Chris Korner)Sandra Richter (DLA Marbach/Chris Korner)
Die Literaturwissenschaftlerin fängt im Januar als neue Direktorin des Marbacher Literaturarchivs an. Sie erzählt von ihren Erinnerungen an 1968 und erklärt außerdem, warum der Literaturnobelpreis so wichtig ist, dass er nicht ausfallen sollte; warum sie die Regierungsaktivitäten von Donald Trump nur als eine Art Kabarett aushält und warum Archive weiter wichtig bleiben: "Weil sie Texte enthalten, in denen eben steht, wie die Welt so war: Tatsachen, keine Fiktionen, keine Konstruktionen. Hier möchte man graben, um herauszufinden, wie es denn war."

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