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StartseiteVerbrauchertippZusätzliches Eiweiß ist nicht immer nötig25.03.2020

Proteinshakes für SportlerZusätzliches Eiweiß ist nicht immer nötig

Eiweißpräparate sollen beim Muskelaufbau unterstützen. Doch bei vielen Sportlern ist die zusätzliche Zufuhr unnötig, meint die Stiftung Warentest - zumindest, wenn man sich ausgewogen ernährt.

Von Dieter Nürnberger

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Ein junger Mann trinkt in einem Fitnessstudio einen Eiweißshake. (dpa/ picture alliance)
Viele Sportler trinken Proteinshakes, um den Muskelaufbau zu beschleunigen (dpa/ picture alliance)
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Umfragen zeigen, dass immerhin jeder fünfte Bundesbürger Eiweißshakes trinkt, die aus Pulver angerührt werden. Eine Extra-Portion Eiweiß also. Die Wissenschaft bestätigt immerhin, dass Proteine für den Muskelaufbau und auch deren Erhalt wichtig sind: Doch zeigt beispielsweise die Nationale Verzehrstudie, dass alle Altersgruppen hierzulande deutlich mehr Eiweiß zu sich nehmen, als sie tatsächlich bräuchten, so Ina Bockholt, Ernährungsexpertin bei der Stiftung Warentest.

"Die Deutschen sind mehr als genug mit Eiweiß versorgt. Wir haben da absolut keinen Mangel, keine Defizite. Und nur für die wenigsten ist es überhaupt sinnvoll zusätzliches Eiweiß aufzunehmen. Viel Eiweiß steckt beispielsweise in Fleisch und Milchprodukten."

Sinnvoll für Sportler, die auf leichtes Körpergewicht achten müssen

Und dieser Überschuss an Eiweiß über die Nahrungsaufnahme reiche sogar für die Bedürfnisse der meisten Freizeitsportler aus. Denn wer körperlich aktiv sei, so sagen Wissenschaftler, brauche zwar mehr Energie, doch werde nach sportlicher Betätigung in der Regel auch mehr gegessen und schon dadurch der erhöhte Eiweißbedarf gedeckt. Wer sich also einigermaßen ausgewogen ernährt, braucht keine zusätzlichen Proteine, sagt Warentesterin Ina Bockholt. Für manche Sportler gelte dies allerdings nicht.

"Zum Beispiel bei Sportlern, die sehr auf ein leichtes Körpergewicht achten müssen. Weil sie etwa Skispringen oder Turnen betreiben. Dann ernähren sie sich normalerweise sehr energiereduziert, und da ist es schwierig, seinen Eiweißbedarf zu decken. Da können dann solche Pulver sinnvoll sein."

In der Untersuchung von 21 Eiweißpulvern, die laut Deklaration besonders für Sportler geeignet sein sollen, gab es überwiegend gute oder sogar sehr guter Ergebnisse. Etwa bei der Eiweiß- und der mikrobiologischen Qualität. Auch geschmacklich waren sie in Ordnung. Vier Produkte allerdings waren mit Schadstoffen belastet: "Drei davon waren Bio-Vegan-Produkte. Zu den nachgewiesenen Schadstoffen gehören Aluminium, das kann das Nervensystem angreifen. Ebenso Nickel, welches sich im Tierversuch als fortpflanzungsschädigend erweisen hat. Sowie auch produktionsbedingte Schadstoffe wie Mineralölbestandteile."

Oft zu viel Eiweiß in Produkten

Bei diesen belasteten, pflanzlichen Pulvern stammt das Eiweiß überwiegend aus Erbsen, Lupinen oder Soja. Die Schadstoffe werden wohl aus den Anbauböden aufgenommen. Ein akutes Gesundheitsrisiko stellen die Befunde zwar nicht dar, sie wären aber vermeidbar, so die Warentest-Expertin. 

Doch auch jene Eiweißpulver, die in Ordnung waren, sind keine Empfehlung wert. Durchschnittlich 23 Gramm Eiweiß pro angerührtem Milchshake - für die allermeisten Konsumenten - ob Sportler oder nicht - ist das überflüssig und eventuell sogar zu viel, so Ina Bockholt.

"Wenn gesunde Menschen zu viel Eiweiß aufnehmen, dann ist das überhaupt kein Problem für sie. Ihr Körper wird damit fertig. Er könnte es höchstens als Körperfett ansetzen. Menschen allerdings, die Nierenkrankheiten haben, sollten auf Eiweißpulver verzichten, denn ein zu viel an Eiweiß belastet die Nieren und kann sie womöglich schädigen."

Und noch etwas fiel auf: Auch den Eiweißpulvern zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe können bei intensivem Verzehr zu Überdosierungen führen. Auch das ist nicht per se gefährlich, aber überflüssig.

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