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StartseiteInformationen am MorgenTausende demonstrieren gegen Rechtsextreme13.08.2018

Protest in WashingtonTausende demonstrieren gegen Rechtsextreme

Zum Jahrestag der gewaltsamen Proteste von Charlottesville haben sich am Wochenende in Washington rund zwei Dutzend Anhänger der rechtsextremen Szene versammelt. Tausende Gegendemonstranten standen ihnen gegenüber. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um Ausschreitungen zu vermeiden.

Von Thilo Kößler

Demonstranten in Washington.  (AFP/ Daniel Slim)
Die Zahl der Gegendemonstranten der "Unit the Right 2"-Kundgebung in Washington überstieg die Anzahl der versammelten Rechten deutlich (AFP/ Daniel Slim)
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Denkbar große Aufmerksamkeit für denkbar kleinen Aufmarsch: Unite-the-Right-2–Demo in Washington. Eine Hundertschaft von Polizisten erwartete am Nachmittag die rechtsextreme Szene der USA in der Innenstadt von Washington. Sie sollte mit der U-Bahn aus Virginia an der Station Foggy Botton eintreffen. 

Sie hüllten sich in US-Fahnen oder versteckten sich hinter der Konföderierten-Flagge der Südstaaten aus dem Bürgerkrieg, als sie die Rolltreppe direkt ins Blitzlichtgewitter beförderte. Man konnte sie dann kaum ausmachen hinter dem Cordon der Polizisten, die den Auftrag hatten, sie vor etwa 2.000 Gegendemonstranten zu schützen. Die rechte Szene der Vereinigten Staaten, die in Foggy Bottom aus dem U-Bahnschacht kam, war in Washington DC auf sage und schreibe 25 bis 30 Teilnehmer der Unite-the-Right-Kundgebung zusammengeschmolzen: Die Vereinigte Rechte – ein versprengter Haufen von zwei Dutzend Südstaatlern in der Hauptstadt.

Präsident Trump verurteilt Rassismus

Für sie flogen die Hubschrauber über der Stadt. Für sie mussten Hundertschaften der Polizei den Weg zum Weißen Haus freihalten. Wegen ihnen hatte sich Washington DC in eine wehrhafte Trutzburg verwandelt. Wegen ihnen waren viele aus dem ganzen Land an die Ostküste gereist.

Friedensgruppen. Und LGBT-Vorkämpfer – Aktivisten der Schwulen- und Lesbenbewegung, die für Liebe statt Hass eintraten. Oder der schwarze Block, der sich vermummt wie eine furchteinflößende Kampftruppe präsentierte und für Interviews gar nicht zu haben war.

Großes Polizeiaufgebot in Washington (Deutschlandradio/ Hillery Gallasch )Großes Polizeiaufgebot in Washington: Den wenigen Rechten standen Hundertschaften von Einsatzkräften gegenüber (Deutschlandradio/ Hillery Gallasch )

Oder eine Gruppe jüdischer Frauen, die mit T-Shirts durch die Stadt liefen, auf denen stand: Ich bin der Jude, vor denen sie Angst haben – in Anspielung auf die antisemitischen Parolen, die die Rechtsextremen vor einem Jahr in Charlottesville gebrüllt hatten: "Wir lassen uns von Juden nicht verdrängen", hatten sie gerufen. Sie wolle wirklich niemanden verdrängen, sagte Jody Cohen aus Maine, sie wolle in diesem Land nur in Ruhe gelassen werden. 

Der Präsident hatte sich am Sonntagmorgen beeilt, in einem Tweet alle Formen von Rassismus und Gewalt zu verurteilen, wie er schrieb. Und dennoch war in den sonntäglichen Talkrunden der großen Fernsehsender immer wieder von Trumps verhängnisvollem Statement nach Charlottesville die Rede: Er habe auf beiden Seiten anständige Leute ausmachen können, sagte Trump damals im sichtlichen Bemühen, seine Wählerschaft von Rechtsaußen nicht zu verprellen. 

War der Aufmarsch von Hundertschaften angebracht?

Auf die eigentliche Kundgebung der rechten Szene gab die Menge der Gegendemonstranten dann nicht mehr viel: Vor der Teilnehmerkulisse von der Größe einer Kaffeerunde ging die Unite-the-Right-Veranstaltung so sang- und klanglos zu Ende wie sie im Lafayette-Park begonnen hatte. Zurück bleiben aber viele Fragen: Hat diese Demonstration der Schwäche tatsächlich die wahre Stärke der rechten Szene der USA vor Augen geführt? Sie hatte sich mit dem folgenreichen Aufmarsch vor einem Jahr in Charlottesville sicherlich geschadet. Oder ist die Botschaft dennoch in denen eigenen Echokammern angekommen: Die Rechten haben es bis in Rufweite zum  Weißen Haus geschafft? Diskutiert wird auch die Frage, ob angesichts dieser Dokumentation der vermeintlichen politischen Irrelevanz ein Aufmarsch von Hundertschaften der Polizei, von Journalisten und Gegendemonstranten angemessen ist. Vermutlich ist dieser Tag in Washington noch immer dem Schock von Charlottesville geschuldet gewesen und dem Tod einer jungen Gegendemonstrantin damals, die von einem Neonazi überfahren worden war. Die amerikanische Zivilgesellschaft hat das nicht vergessen und wollte in Washington ganz offensichtlich ein machtvolles Signal setzen. 

Am Ende kam es dann doch noch zu einer überschaubaren Konfrontation: Ein beleibtes Paar, das sich in die US-Fahne gehüllt hatte und Wahlkampfparolen für Donald Trump vor sich hertrug, war auf der Suche nach seinem Auto in die Menge der Gegendemonstranten geraten und musste unter Polizeischutz sowie wüsten Beschimpfungen der Passanten zum Parkplatz geleitet werden. Das Paar aus Maryland verließ schließlich die Stadt, als sei es auf der Flucht.

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