Sonntag, 20.10.2019
 
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Proteste gegen IAACar is over

Generationsübergreifend haben in Frankfurt Menschen gegen die Internationale Automobilausstellung demonstriert. Die Massenproteste symbolisierten den Anfang vom Ende der Benzinmotoren in den Innenstädten, kommentiert Ludger Fittkau, denn in dem Demo-Slogan "Car is over" stecke eine tiefe Wahrheit.

Von Ludger Fittkau

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Mit einem Plakat demonstriert eine Frau für die Verkehrswende, das Wort "Autostadt" ist bei dem Plakat, das wie ein Ortsschild aussieht, durchgestrichen.  (dpa / Marius Becker)
Man könnte von einer Art neuer "Ölkrise" sprechen, was die Automobilbranche angehe, meint Ludger Fittkau (dpa / Marius Becker)
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"Car is over". Dieser lakonische Satz war heute auf dem T-Shirt einer Radfahrerin zu lesen - einer Teilnehmerin der Demo gegen die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main.

"Car is over". Natürlich ist das Auto nicht schlagartig am Ende, weil 15.000 oder 20.000 Menschen mit Fahrrädern die IAA umzingelt haben. Dennoch steckt in dem Demo-Slogan eine tiefe Wahrheit. Das spürt auch die Automobilindustrie. Das Zeitalter der Benzinmotoren in den Innenstädten nähert sich dem Ende.

Auch zwei weitere Worte, die man bei der heutigen Demo lesen konnte, bringen das auf den Punkt. "Team Freiluft". Das hatte ein junger Demonstrant aus Südhessen mit dickem Filzstift aus seinen Fahrradhelm geschrieben. Damit drückte er ebenfalls vieles aus, wofür die Menschen rund um die Internationale Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf die Straße gegangen sind.

Im Team für die Umwelt

"Team" - das steht hier für die Kritik am benzingetriebenen Individualverkehr. Bussen und Bahnen gehört die Zukunft. Intelligenten Mobilitätskonzepten, die Fußgänger, Radfahrer - ob mit oder ohne Elektroantrieb - und öffentlichen Nahverkehr so verbinden, dass sich viele Menschen möglichst sicher sowie platz-und energiesparend bewegen können- gerade in den Innenstädten.

"Freiluft" – das steht fürs Durchatmen können, wenn das Zeitalter der giftigen Autoabgase endlich der Vergangenheit angehört. Dafür werden auch Elektroantriebe benötigt- die aber so bald wie möglich aus 100 Prozent regenerativen Energiequellen gespeist werden müssen. Denn fossile Verbrennung für die Fahrt durch die Innenstädte – womöglich noch mit dem SUV – das ist mit der Generation "Fridays for Future" nicht mehr zu machen!

Generationenübergreifender Protest

"Team Freiluft" – so könnte man natürlich auch diese Bewegung der Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz nennen, die heute wie selbstverständlich Teil der Großdemonstration in Frankfurt am Main war. Denn auch das fiel auf: Es waren mehrere Generationen von Umweltaktivistinnen und Aktivisten, die heute bei den Fahrradsternfahrten auch auf zeitweise gesperrten Autobahnen Richtung Messegelände in Frankfurt am Main unterwegs waren. Neben der "Generation Greta" gab es bei den auto-kritischen Demonstranten und Demonstrantinnen diejenigen, die schon vor mehr als vier Jahrzehnten bei Fahrraddemos beteiligt waren, als die Autobahnen wegen der Ölkrise schon einmal gesperrt waren.

Eine neue Art von "Ölkrise"

Auch das, was das "Team Freiluft" von heute anprangert, könnte man wieder Ölkrise nennen. Doch die jetzige Ölkrise ist  keine Folge politischer Konflikte im Nahen Osten wie in den 1970er-Jahren. Sie ist eine Überfluss-Krise, die die Zukunft frisst: mit zu viel Verbrennung, mit zu viel Gift aus den Auspuffrohren.

Die heutigen Massenproteste gegen die IAA symbolisieren den Anfang vom Ende der Benzinmotoren in den Innenstädten. In diesem Sinne stimmt der Satz auf dem T-Shirt der Demonstrantin: "Car is over".

Ludger Fittkau –  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Ludger Fittkau (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Ludger Fittkau, geboren 1959 in Essen, studierte Sozialpädagogik sowie Sozialwissenschaften an den Universitäten Duisburg/Essen und der Fernuniversität Hagen. Promotion dort im Fach Soziologie. Nach rund zehn Jahren offener Jugendarbeit sowie Medienpädagogik in Oberhausen und Essen Wechsel in den freien Journalismus. Tätig u.a. für den WDR (Hörfunk und Fernsehen), den DLF sowie für die Kölner TV-Produktionsfirma "probono" von Friedrich Küppersbusch. Ab 2007 freier Redakteur und Autor in der Landeskulturredaktion von SWR 2 in Mainz. Seit 2009 Landeskorrespondent von Deutschlandradio - zunächst in Rheinland-Pfalz und aktuell in Hessen.

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